Damit es Besuchern an nichts fehlt Mit langen Schritten über die Laga: Der tägliche Kontrollrundgang

Meine Nachrichten

Um das Thema Bad Iburg Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


BadIburg. Kurz vor 10 Uhr stehen die Ersten am Eingang. Erwartungsfroh. Den Rucksack geschultert, die Handtasche unterm Arm. In Sandalen oder Wanderschuhen. Gespannt auf die Landesgartenschau. Blumen wollen sie sehen, grünen Rasen, hübsche Deko, saubere Bänke und klares Wasser.

Damit die Besucher ihren Laga-Tag ohne Aussicht auf ein Taschentuch zwischen den Taglilien oder einen toten Fisch im Wehr, vor allem aber sicher und entspannt erleben können, ist Christian Lepper seit gut drei Stunden auf den Beinen. Diese Beine sind zum Glück ziemlich lang. Denn die Strecke, die Lepper allein frühmorgens abreißt, ist so beachtlich wie sein Tempo. Er ist einer von drei Laga-Mitarbeitern, die die 27 Hektar im Wechsel jeden Morgen systematisch ablaufen.

Zwischen 6 und 7 Uhr zieht er los. Die Wasserflasche immer am Mann, schon jetzt wärmt die Sonne, den Kontrollblick angeknipst. Der 29-jährige Meister im Garten- und Landschaftsbau sattelt gerade ein Studium der Landschaftsarchitektur drauf: Er weiß, wie Laga geht.

Erster im Gelände ist er nicht. „Moin“, grüßt Lepper einen Gärtner, der auf einem Schaugrab Verblühtes abzupft. Zwei Schritte weiter linst Lepper in den Pool. Blitzsauber, nur am Rand torkeln zwei trockene Blätter durchs Wasser. Schnell geschnappt, ist das Becken wieder perfekt, der Sonnenschirm aufgeklappt: „Wichtig ist, dass es unseren Besuchern an nichts fehlt.“ Er geht weiter, zieht das Tempo an, vorbei an den Blütenterrassen zum Haupteingang. „Da ist eine Riesenblume abgeknickt“, das passiert, wenn Gäste für ein Foto mit einer der über drei Meter hohen Blüten posieren und die Fiberglas-Stängel knicken. Lepper macht sich eine Notiz im Handy. Ein Trecker knattert vorbei, im Kanister einen Kubikmeter Wasser huckepack. „Fürs Auffüllen der Waldtoilette“, erzählt Lepper. Nicht das einzige Wasser, was in den Wald gekarrt wird: Gegen die Brandgefahr geht man mit geklärtem Wasser im Fass an. Dass es Mangelware ist, zeigt sich im Teich. Trotzdem geht es den Fischen gut, erkennt Lepper mit einem Blick. Nah am Zaun steht der Symbiofilter: In mehreren Becken filtern Wasserlinsen und andere Pflanzen CO2 und Phosphat aus dem Wasser. Moderlieschen schweben durchs seichte Grün‚ Schnecken schmiegen sich an die Glaswand. „Ich gucke einmal, ob alles in Ordnung ist.“ Ist es. Noch ein Blick in die Besuchertoiletten, bevor die Putzkräfte anrücken. Ist Seife da? Nebenan leuchten sattgelbe und orange Blumen. „Da schaue ich nach Fremdbewuchs.“ Fremdbewuchs ist das, was der Hobbygärtner Unkraut nennt. Hier aber sind die Blumen so dicht gesetzt, dass Unkraut chancenlos ist. Es geht bergauf, zur Brücke und in den Charlottenseepark. Helfer sitzen, Fremdbewuchs rupfend, in Beeten, Rasensprenger sprühen Wasservorhänge voller Regenbögen in den Himmel. Lepper zupft ein Taschentuch aus einer Rabatte. Ein Einzelfall: „Unsere Besucher werfen sehr wenig weg.“

Weiter geht’s: Rund um den Charlottensee, Lepper linst zum Bachufer. „Das Zaunkönigpärchen sitzt wohl noch im Nest. Man wundert sich, wie viele Tiere hier leben.“ Enten, Fledermäuse, Frösche. Am Strand stellt er umgekippte Liegestühle wieder auf. Deutlich erkennt man Laufwege auf den Wiesen. Rasen betreten verboten? Das gilt hier nicht.

Die Spielplätze im Kneipperlebnispark: Hier kontrolliert Lepper besonders akribisch. Ist der Sand sauber? Der Matschspielplatz auch? Sind die Trampolinfedern intakt, die Spielhäuser in Ordnung? Liegt irgendwo Müll? Auch auf den anderen Laga-Spielplätzen ruckelt Lepper an Rutschen, scharrt im Sand, zerrt an Seilen.

Am Gastro-Zelt vorbei fliegen wir ins Schmetterlingshaus ein. Ein paar Schritte weiter weist Lepper auf einen Kuchenbaum: „Sehr trocken.“ Und ja, auch Pflanzen wie die Heidelbeere am Wegrand kriegen Sonnenbrand, „erholen sich aber wieder“. Die Pflanze lebt. Zum Glück. Wie die Laga: „Unsere Sitzsäcke werden ständig durch die Gegend getragen“, ausgesprochen beliebt sei die Schatten spendende Trauerweide am See. Ab in den Wald: Auf der Lichtung der Künstler wird später ein Bildhauer arbeiten. Besucher lassen sich hier gern zu eigener Kreativität animieren, stapeln Türmchen, legen Mandalas. Das gefällt Christian Lepper, der schon weiterstrebt, nicht ohne auf riesige, von Grundschülern gebastelte Holzinsekten zu zeigen. Zum Abschluss seiner Morgenschicht klettert er auf den Baumwipfelpfad. Im Aufzug in die Höhe düsen darf nur ein Sitzsack. Der Lift läuft, klar. Wie Christian Lepper. Denn „morgens passiert die Arbeit“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN