Nachttäschchen mit Überraschung Plattdeutsche Modenschau auf der Bad Iburger Laga

Von Andreas Wenk

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awen Bad Iburg. Der plattdeutsche Förderverein „Plattfoss“ und der Heimatverein Glane haben am Sonntag eine plattdeutsche Modenschau auf der Giro-live-Bühne der Landesgartenschau in Bad Iburg präsentiert. Mit 16 Models und Helfern boten sie zahlreiche Beispiele für typische Kleidung aus der Zeit zwischen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts.

Beim Wort „Gutenachtgeschwader“ hatte selbst die sonst plattdeutsch moderierende Elisabeth Benne keinen passenden Ausdruck in Mundart mehr parat, um die in historischen Nachtgewändern auf die Bühne strömenden Models anzukündigen. Die zeitweise bis zu 150 Besucher quittierten den bewusst in Kauf genommenen Stilbruch mit einem Lacher.

Ansonsten hatten es die wenigen Besucher, die noch nicht das Seniorenalter erreicht hatten oder bewusst Plattdeutsch pflegen, eher schwer, den Ausführungen zu folgen. Dem Live-Charakter geschuldet war nicht nur die ein oder andere minimale Verzögerung im Ablauf, sondern auch das Fehlen der aus Kino und TV bekannten Untertitel für unsynchronisierte Filme.

Hauben, Gehröcke, Kleidchen

Die Hochzeits- und Silberhochzeitskluften, die verschiedenen Hauben und bestickten Kleider und Schürzen für die Dame oder Gehröcke und Zylinder für den Herren sprachen jedoch für sich. Geradezu entzückend wirkten Kinder in traditionellen Kleidchen mit Schleifen um Taille und im Haar oder der Junge passend dazu mit dreiviertellanger Hose und nicht ganz stilechter Basecap. Darüber hinaus hatten die Organisatoren einen typischen Kinderwagen aus Korbgeflecht und mit riesengroßen Rädern aufgetrieben. Ein Beleg dafür, dass findige Ingenieure nicht erst in der Neuzeit über funktionale Sportkarren für Kinder nachgedacht haben, war ebenfalls zu bewundern, denn ein altes Exemplar lies sich multifunktional im Handumdrehen zum Kinderhochsitz umbauen. Um den historischen Eindruck zu untermalen, lagen rund 100 Jahre alten Puppen mit Schelmenaugen in den Wagen. Diese Augen öffnen und schließen sich nicht nur, sondern können die Pupillen auch seitlich bewegen.

Geradezu hinreißend wirkten die zumeist reiferen Damen als Models in ihren liebevoll bestickten und mit Spitzen versehenen Kleidern und Schürzen oder mit ihren Hauben, deren unterschiedliche Bedeutung Benne alle erläuterte.

„Haus- und Hof-Konzertmeister“

Ein besonderes Vergnügen bot „Haus- und Hof-Konzertmeister“ Peter Bartholmäus mit seinem überwiegend plattdeutschen Repertoire. Gitarre spielend und singend überbrückte er die dem Kleiderwechsel geschuldeten Pausen und schaffte es mehrfach, die Zuschauer zumindest bei den Refrains zum Mitsingen zu bewegen.

Höhepunkt war die Präsentation der Nachtmoden mit den für heutige Verhältnisse eher züchtig wirkenden Formen und Schnitten. Da Benne auch immer wieder einen Bezug zu Sitten und Gebräuchen herstellte, dürfte der Inhalt der Bett-Täschchen, die zwei Damen bei sich trugen, überrascht haben: In dem einen befand sich ein Schnapsfläschchen und in dem anderen, eine Wurst, da es damals schließlich noch keine Kühlschränke gab, die man nächstens angesichts einer plötzlichen Hungerattacke hätte plündern können.


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