Wie man Bäume schneidet Bonsai-Künstler Haruhiko Tsuchiya besucht die Laga

Von Andreas Wenk

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awen Bad Iburg. Bonsai-Künstler Haruhiko Tsuchiya hat am Sonntag auf der Landesgartenschau in Bad Iburg gezeigt, wie man die kleinen Bäume richtig schneidet. 15 Peronen lauschten dem Experten.

Haruhiko Tsuchiya streicht den kleinen Wacholder, zupft hier und dort ein paar Blätter ab, lächelt dem Publikum zu. Er hatte gehofft, in Europa etwas Kühle zu finden. Doch als er am Freitag aus Tokio in Deutschland angekommen war, lagen die Temperaturen noch höher als derzeit in Japan. Immerhin, der Abend bringe etwas Kühle und das Bier schmecke ihm ausgezeichnet, berichtet er. Das Publikum lacht.

Rund 15 Personen sind am Sonntagvormittag gekommen, um sich anzuhören, wie man Bonsai-Bäumchen behandelt und pflegt. Es ist der dritte von insgesamt vier Auftritten auf der Laga in Bad Iburg und am Montag reist er zurück nach Japan.

Tsuchiya folgte mit seinem Europa-Abstecher einer Einladung von Hans-Joachim Kleimann. Der pflegt bereits seit vielen Jahren Geschäftskontakte nach Japan und ist Spezialist für den Import japanischer Zierpflanzen. Auf diese Weise ist er auf das Thema Bonsai-Bäume gestoßen. Um die Faszination mit anderen zu teilen, beschloss Kleimann, einen Bonsai-Workshop auf der Laga auszurichten.

Einer der zehn bedeutendsten Bonasai-Künstler

„Bonsai sind auch in Japan vornehmlich ein Thema für ältere Leute“ sagte Kleimann. Trotzdem seien Künstler wie Tsuchiya dort recht bekannt. Er zähle zu den zehn Bedeutendsten seines Fachs, stellte ihn Übersetzerin Masako Suzuki vor. Warum sie als Künstler gelten und nicht als Gärtner, wurde dem Publikum schnell klar. Schließlich gehe es um das Gestalten, nicht die bloße Aufzucht. Bonsais würden gerne in der Teestube des Hauses den Besuchern stolz präsentiert, natürlich von ihrer schönsten Seite. Da müssen Form und Farben stimmen. Laut Tsuchiya soll der Baum einerseits natürlich wirken. Die Äste sollen sich deshalb nach oben verjüngen. Andererseits muss das Farbspiel zwischen Grün, Braun und Weiß stimmen. Das Weiß ist vielleicht eher ein Graubeige, unterscheidet sich aber deutlich von der braunen Borke, die wird mühsam abgeschält, damit der Ast abstirbt und das tote Holz schließlich die typische Farbe annimmt.

Wie das geht, demonstrierte Tsuchiya den Zuschauern an einem etwa 20 Jahre alten Bonsai, den er zuletzt vor drei Jahren beschnitten hatte. Nach kleinen kosmetischen Säuberungen setzte Tsuchiya eine Zange an und kappte den Wacholder auf halbe Höhe. Wer den Bonsai schon vorher für ein kleines Kunstwerk gehalten hatte, dem stockte jetzt der Atem. Aus der verbliebenen, etwa 30 Zentimeter hohen Krone schaute plötzlich nur noch ein kahler Ast hervor. Damit die Proportionen stimmen und es am Ende so aussehen wird, als ob vielleicht ein Blitz eingeschlagen ist, soll der Ast „weiß“ werden. Also schälte Tsuchiya die Rinde ab und spitzte den Trieb an. Bis das Holz in dem Ast abstirbt und die richtige Farbe annimmt, werden voraussichtlich noch Monate vergehen.

„Bizarre Schönheit“

Trotzdem sah der Baum nach einer halben Stunde bereits stimmig aus. Renate Richter-Pazelt war begeistert. Sie bat die Übersetzerin, Tsuchiya zu überzeugen, dass er sich am Nachmittag ihres Bonsais annimmt. Sie mag die „bizzare Schönheit“ der kleinen Bäumchen, auch wenn sie offenbar ein wenig schlechtes Gewissen hat, dass die Bäume in ihrem Wachstum stark beeinträchtigt werden. Trotzdem würde die Bad Iburgerin gerne schnell nach Hause gehen und ihr Bäumchen holen.

In einem Leinentuch hat Haruhiko Tsuchiya alles, was er benötigt zu Hand. Das Werkzeug ist aus einfachem Stahl. Besonders sind höchstens die Konkarvzangen. Sie schneiden nicht glatt ab, sondern gewölbt in das Holz hinein, dadurch sollen Schnittstellen besser verheilen. Foto: Andreas Wenk

Siegfried Zaradny aus Bad Salzuflen zog nach Ende der Vorstellung zufrieden von dannen. Nachdem Tsuchiya erläutert hatte, dass sich beim Wacholder leicht Ableger aus Trieben züchten lassen, witterte er seine Chance. Wie Haare beim Frisör lagen unter dem Tischchen des beschnittenen Bonsai kleine Äste. Zaradny fragte, ob er einen davon haben dürfe und erhielt ein knapp 20 Zenimeter langes Exemplar. Aus dem möchte er nun selbst einen Bonsai ziehen. Niwaki-Bäume hat er bereits im Garten. Jetzt will er in die japanische Gartenkultur auch im Miniaturformat einsteigen. Voller Stolz über den Ast aus der Hand des großen Meisters und mit Tipps versorgt wie lehmhaltigen Boden zu verwenden und bestimmte Arbeiten nur zu bestimmten Zeiten vorzunehmen, setzte er seinen Laga-Rundgang fort.


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