Bundesweit locken in diesem Sommer fünf Lagas. So läuft’s auf den Landesgartenschauen

Von Barbara Adams

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Iburg. Fünf Landesgartenschauen in fünf Bundesländern gehen dieses Jahr über die Bühne. In Bad Iburg wurde schon kurz vor der Halbzeit der 273000. Besucher begrüßt. Eine erfreuliche Zwischenbilanz. Wie sieht es in Bad Schwalbach (Hessen), Würzburg (Bayern), Lahr (Baden-Württemberg) und Burg (Sachsen-Anhalt) aus? Wo gibt es Lob, wo Kritik? Wir haben uns umgehört. Ein Überblick.

Bad Schwalbach

Die Kurstadt Bad Schwalbach, einst Reiseziel des europäischen Hochadels, hat sich herausgeputzt. Im Sog der sechsten hessischen Landesgartenschau flossen über LGS-Zuschüsse hinaus weitere Fördermittel. Rund um den Kurpark ist das meiste saniert oder neu. Über 120000 Besucher haben bislang die 12 Hektar große Schau in zwei Parktälern erkundet, mit der Pop-Band „Fools Garden“ gesungen oder einem Starkoch in der Showküche über die Schulter geschaut. Obwohl es überall blüht, versteht sich die LGS nicht als Blümchenschau, sondern möchte die touristischen Reize der Region vermitteln. Dafür steht das Motto „Natur erleben – Natürlich leben“. Deshalb können auch Moor und Landleben erkundet werden. Im Kurpark weiden alte Haustierrassen, in einem Landhaus gibt es Äppler und Handkäs. Wer hochrechnet, ahnt, dass trotz herrlichen Wetters die kalkulierten 500000 Besucher wohl nicht zu erreichen sind. Von Beginn an hätten Fachleute eher 300000 als realistisch angesehen, sagte Bürgermeister Martin Hußmann. Bei ihm wie bei LGS-Geschäftsführer Michael Falk überwiegt aber die Überzeugung, dass sich die LGS als Projekt der Stadtentwicklung jetzt schon gelohnt hat. „Mindestens so wichtig wie der Eindruck der Besucher ist die Wahrnehmung der Bad Schwalbacher“, findet Falk. Selbst frühere Gegner seien „zum weit überwiegenden Teil begeistert“. Viele Ehrenamtliche wollen sich nach der LGS weiter engagieren. Die Stadt hofft auf neue Perspektiven durch den touristischen Impuls. Probleme gab es vor allem zum Start mit der Beschilderung für Fußgänger und Autofahrer. Hier wurde nachgebessert. Fördervereinsvorsitzender Karl-Heinz Petry würde sich mehr Werbung wünschen. „Werbe- und Marketingmaßnahmen laufen nach Plan“, so Falk. Insbesondere in den Sommerferien wolle man aber nachsteuern.

Susanne Stoppelbein

(Wiesbadener Tagblatt)

Würzburg

Das Gartenschaugelände im fränkischen Würzburg liegt auf einer Hochfläche, etwa zwei Kilometer von der Innenstadt entfernt. Dort, wo einst US-Streitkräfte stationiert waren, entsteht der neue Stadtteil Hubland. Der Park ist Herzstück der Schau. Mit knapp einer Million Besuchern rechnen die Verantwortlichen bis Oktober. Ende Juni berichtete die Gartenschau GmbH von 350000 Besuchern, einige Wochen zuvor von 23000 verkauften Dauerkarten. Damit sind die Verantwortlichen zufrieden. Zu wenig Blumen, zu viel Asphalt, zu hohe Preise und das gastronomische Angebot: Schon früh äußerten Besucher Kritik. Nach zwei Monaten besserte man nach. Studenten beantworten an Wochenenden Fragen und helfen Besuchern, sich auf dem 28 Hektar großen Gelände zurechtzufinden. Weitere Neuerung: Seit Juli gibt es eine Bahn im Gelände. Bei der Fahrt sollen die Besucher über die wichtigsten Stationen informiert werden. Die Preise für Speisen und Getränke der Firma Polster Catering werden ebenfalls kritisiert. Besuchern fehlen regionale Produkte mit frischem Gemüse. Es habe sich kein Betrieb aus Unterfranken beworben, sagte LGS-Geschäftsführerin Claudia Knoll. Grund sei die lange Laufzeit von 180 Tagen.

Karl Kovacs

(Badische Zeitung)

Burg

Die Landesgartenschau Burg ist nach Einschätzung von Erhard Skupch, einem der beiden Laga-Geschäftsführer, auf gutem Weg. Dennoch kämpft sie mit Besucherzahlen: Zum aktuellen Zeitpunkt habe man mit 187000 gerechnet, derzeit sind es 20000 Besucher weniger. Ob die Laga ihr Ziel von 450000 Gästen bis 7. Oktober erreicht, ist fraglich. Viele heiße Tage haben den Besucherstrom etwas austrocknen lassen. „Mit der Abkühlung kommen die Gäste wieder verstärkt“, ist Skupch zuversichtlich. Auch die Halbjahreskarte, die ab Juli angeboten wird, soll Gäste bringen. Absolute Renner sind laut Skupch die drei Spiellandschaften, die mit Wasser, Sand und ungewöhnlichen Anlagen eine Verbindung zur Burger Geschichte herstellen. Auch die 420 Quadratmeter große Skateranlage, mit viel Engagement der örtlichen Szene entstanden, ist ein Besuchermagnet. Zufrieden sind die Laga-Leute mit dem Zuspruch bei Veranstaltungen auf der Hauptbühne: Die Partys regionaler Radiosender oder der Auftritt von Ost-Schlager-Ikone Ute Freudenberg haben Fans angezogen. Im August kommt Max Giesinger. Auf Hinweise und Kritiken wollen die Macher schnell reagieren, betonte Skupch. So wurde das Leitsystem korrigiert, weil doppeldeutige Infos Gäste in die Irre führten. Für die Bimmelbahn wurde der Fahrtakt verkürzt, um Wartezeiten zu verringern. Am Wochenende fährt sie eine Stunde länger. Das Gastroangebot sei nach Kritik verbessert worden. Die Preise hält Skupch für angemessen, auch für den Qualitätsanspruch, den die Laga erfüllen soll. 17 Millionen Euro sind für die Laga in vier Kernflächen investiert worden. Zwei historische Parks wurden neu hergerichtet. Eine Gartenlandschaft entstand entlang dem Flüsschen Ihle. Ein Weinberg mit 350 Rebstöcken bietet einen Blick über die Stadt.

Andreas Mangiras

(Volksstimme)

Lahr

Mit dem Auftritt von Sänger Gregor Meyle im Seepark und 10000 Zuhörern wurde die zweite Halbzeit der Landesgartenschau in Lahr eingeläutet, die mehrere Tausend Veranstaltungen und Aktionen umfasst. Die Bilanz der ersten Hälfte kann sich sehen lassen: Mit 800000 Besuchern planen die Veranstalter, am Sonntag wurde der 400000. Gast begrüßt. Das Ziel von 20000 Dauerkarten war bereits drei Wochen nach dem Auftakt so gut wie erreicht. An einigen Ecken haben die Veranstalter nachgebessert. Die Öffnungszeiten am Wochenende wurden verlängert. Vor allem Senioren freuen sich über das Elektro-Bähnle, das seit Anfang Juli durch den weitläufigen Seepark fährt. Einen anderen Wunsch wird die LGS wohl nicht erfüllen: den nach günstigen Abendtickets. Wer auf das Gelände will, muss für 18 Euro eine Tageskarte lösen. Oder er ist bereits im Besitz einer Dauerkarte für aktuell 110 Euro. Manchen Lahrern ist das zu teuer, genau wie die Preise für Essen und Getränke auf dem Gelände. Unterm Strich zeigt sich zur Halbzeit dennoch ein positives Bild: Denn die Landesgartenschau hat die Stadtentwicklung vor allem im Lahrer Westen mit Riesenschritten angekurbelt. Das 38 Hektar große Gelände ist in drei Parks unterteilt. Da ist der Bürgerpark, wo es längst nicht nur Blumen und Freizeitanlagen gibt, sondern auch eine hochmoderne Dreifeldsporthalle, Sportplätze für Lahrer Vereine und eine neue Kindertagesstätte. Auf der anderen Seite der Bundesstraße ist ein großer Landschaftspark entstanden inklusive See, der auch zum Baden einladen wird. Beide werden durch die Ortenaubrücke verbunden, die zum Lahrer Wahrzeichen werden soll. Weil sich das Interesse an den Parzellen im Kleingartenpark in Grenzen hielt, wurde angrenzend Platz für eine Moschee geschaffen. Die Gartenschau wirkt über das Gelände hinaus: Sie war Motor für die Deutsche Bahn, endlich den Lahrer Bahnhof zu sanieren. Der Kanadaring in der Weststadt, nach Abzug der Namensgeber vielfach als „Klein-Kasachstan“ und Kriminalitätsschwerpunkt verschrien, wandelt sich zu einem modernen Wohngebiet. Zudem konnte die Stadt im Zuge der Gartenschauplanung Fördertöpfe für ein neues Museum anzapfen. Und das Regierungspräsidium verbreiterte den vormals hoffnungslos überfüllten Autobahnanschluss. Für viele dieser Projekte gab es Fördergelder als Anschubhilfe. Die Stadt spricht von 10 Millionen Euro. Den Löwenanteil der rund 50 Millionen für die Landesgartenschau und damit verbundene Projekte schultert die Stadt selbst.

Mark Alexander

(Badische Zeitung)

Bad Iburg

273000 Besucher zur knappen Halbzeit: Die Gästezahlen in Bad Iburg liegen über den Erwartungen. Förderverein, Stadt, Laga-Gesellschaft, Kreis, Nachbarorte, Vereine und viele Ehrenamtliche lassen die Schau erblühen. Unterhalb des Schlosses wird auf 27 Hektar und mit über 1800 Veranstaltungen viel geboten. Der Verzicht auf Promis mindert dabei finanzielle Risiken. Hoch hinaus geht es dafür auf dem 440 Meter langen Baumwipfelpfad.Stefanie Adomeit

(Neue Osnabrücker

Zeitung)

Informationen: Inhaber einer Dauerkarte für eine der fünf Gartenschauen können die anderen Lagas jeweils einmal kostenlos besuchen. Weitere Infos gibt es unter www.laga2018-badiburg.de; www.laga-burg-2018.de; www.landesgartenschau.bad-schwalbach.de und www.lgs2018-wuerzburg.de


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