Zeitmaschinen und Luftschiffe Steampunk-Festival auf der Landesgartenschau in Bad Iburg



Bad Iburg. Die viktorianische Epoche ist das Vorbild der Steampunker: Am Wochenende haben sich die Anhänger der Szene und Erbauer von fabelhaften, fantasievollen und kreativen Figuren sowie riesigen Zeitmaschinen und historischen Luftschiffen auf der Landesgartenschau gezeigt.

„Du musst keine Angst haben. Das sind normale Menschen“, sagte eine Mutter zu ihrem etwa dreijährigen Knirps im Buggy, der die Mitglieder des Abacus-Theaters entdeckt hatte. Wie Professor Abraxus mit seinem Steamrider und dem Ehepaar Wunderlich mit ihrem Luftschiff gehören sie zur Steampunk-Szene, die für Kinder sicher gewöhnungsbedürftig ist. Unter den Erwachsenen finden sie jedoch immer mehr Anhänger.

„Steam bedeutet Dampf und Punk steht für künstlerische Freiheit“, erklärte Anja Wunderlich aus Gütersloh die Bewegung, die erstmals in den 1980er Jahren auftrat.

Viktorianischen Epoche und Jules Verne

Die Anhänger verkörpern und verdeutlichen eine Sicht auf die Zukunft, wie sie in der viktorianischen Epoche entstanden sein könnte. Die Wurzeln des Steampunks finden sich in den Geschichten von Jules Verne, der die Zukunft der Technik aus der Sicht seiner Zeit heraus beschrieb. Eine Zeit, in der Tüftler und Wissenschaftler eher als Verrückte galten, die die unmöglichsten Dinge zusammenbastelten.

Dampfmaschinen und Uhrenwerke

Es war das frühe industrielle Zeitalter, in dem der Vorreiter der Technik die Dampfmaschine war, in der Uhrwerke zur höchsten Präzision gebracht wurden und die Nutzung der Elektrizität in den Kinderschuhen steckte. Dementsprechend kurios waren auch die Gefährte, die die Mitglieder selbst gebaut haben und die dampfend und zischend über das Gelände der Landesgartenschau fuhren. Zeitmaschinen in Form von Drachen, Heißluftballons, Luftschiffen und Flugzeugen waren darunter.

Kuriose Kleidung

Ebenso kurios war auch die Kleidung, die von den Steampunkern ebenfalls oft selbst hergestellt wird. Der Stil der Zeit angepasst, aber mit allerlei technischem Schnickschnack versehen, verdeutlicht sie die Experimentierfreude damaliger Tüftler. „Wir bauen aus allen möglichen Antiquitäten neue Dinge, die dann auch funktionieren“, sagte Anja Wunderlich.

Brillen, die bei Zeitreisen schützen

Typisch für die Szene sind die sogenannten Goggles, das sind Steampunk-Brillen, die an eine Schweißerbrille erinnern, die ebenfalls mit viel Schnickschnack aufgepeppt sind. In einer drehen sich Zahnräder, in der anderen tickt eine Uhr und eine dritte leuchtet sogar im Dunkeln. „Das sind die Brillen, die uns bei Zeitreisen schützen“, sagt Anja Wunderlich. Denn eine Zeitreise muss man schon antreten, wenn man in die Zeit des 19. Jahrhunderts eintauchen will.

Visum für Zeitreisen

Ebenso typisch ist das Visum, dass jeder Zeitreisende braucht. Vor dem Eintauchen in die Welt der Tüftler und Bastler wird es vom sogenannten „Amt für Aetherangelegenheiten“ abgestempelt, das die Pässe für Zeitreisen auch ausstellt. Dieses Amt hatte am Wochenende Andreas Wunderlich inne.

Die Gäste konnten mit Professor Abraxos Steamrider, einer zischenden Zeitmaschine, über das Gelände fahren. Oder auch das Luftschiff von Anja und Andreas Wunderlich bestaunen, das auf einem Wohnwagen-Chassis aufgebaut wurde. Das niederländische Abacus-Theater fuhr mit seinen dampfenden und pfeifenden Zeitmaschinen ebenfalls umher. Begeistert waren vor allem die Erwachsenen von dem Ideenreichtum der Tüftler und Recycler der Szene, die für nahezu alles, was in den vergangenen 200 Jahren erschaffen und hergestellt wurde, eine neue Verwendung haben.


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