Nach Beleidigung Iburger Abiturienten distanzieren sich von Mitschüler

Von Andreas Wenk

Meine Nachrichten

Um das Thema Bad Iburg Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


awen Bad Iburg. In seiner Rede hat sich Alexander Starr als Sprecher des Abiturjahrgangs 2018 am Gymnasium Bad Iburg am Freitagabend gegen die Verunglimpfung seiner Mitschüler verwahrt.

Hintergrund seien, wie er sagte, „menschenverachtende Schmierereien“ und Vandalismus an der Schule vor wenigen Wochen, von denen sich die Abiturienten distanzierten. Da einer der Verantwortlichen aber tatsächlich zum aktuellen Abiturjahrgang gehört, sei dieser von der Abifeier ausgeschlossen worden.

Besser machen

Klare Worte auch an seine Mitschüler. Zuvor hatte Schulleiterin Christiane Schneider in einem ebenso eindringlichen Appell mit polit-philosophischen Anleihen bei Hannah Arendt und Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller den Schulabgängern ins Gewissen geredet, ihre Freiheit als Selbstverpflichtung zu betrachten, sich die Freiheit zu nehmen, etwas zu tun. Wie eine Antwort darauf mahnte Starr seine Mitschüler: „Macht es einfach besser“, besser als Busfahrer, Lehrer oder Eltern, über die man sich vielleicht geärgert habe oder noch ärgern werde. „Einfach besser machen“ und Verantwortung übernehmen, satt wehleidig zu nörgeln, so sein Credo. Starr ließ Kritik an der Schule nicht aus, dennoch lautete sein Fazit: „Ich habe mich hier über weite Teile wohl gefühlt“ und an Mitschüler, Lehrer und Schulmitarbeiter gerichtet, sagte er: „Es war mir eine Ehre, mit Ihnen zur Schule gehen zu dürfen.“ Der Applaus bewies, Starr hatte die Stimmungslage von Schülern, Eltern und Lehrern gleichermaßen getroffen. Mehr aus Bad Iburg im Netz

Zum Handeln und Übernehmen von Verantwortung rief auch Guido Gartmann auf. Selbst nicht im Elternrat, könne er dessen Arbeit als Redner der Eltern ungeniert loben, sagte Gartmann. In einer Zeit, in der jeder Schüler-Schlaumeier mit „Dr. Google“ oder „Miss Alexa“ glänzen könne, sei es keine leichte Aufgabe, Jugendliche zum Abitur zu führen. Freiwillig war er bereit, einen „Beitrag für das Phrasenschwein“ zu entrichten, wollte aber dennoch loswerden: „Ihr seid die Zukunft“. Er rief die Abiturienten dazu auf, sich immer wieder im Leben begeistern zu lassen und Verantwortung zu übernehmen: „Fehler, die ihr macht, macht sie mit Begeisterung, aber besser nicht zweimal. Und noch etwas - Gott schütze Euch!“

Nach Kasachstan

Schulleiterin Schneider attestierte Norbert Hagemeier vom Förderverein der Schule, ihr mit seiner auf Englisch gehaltenen Rede an der Europaschule den Schneid abgekauft zu haben. „Today you are the greatest champions“, rief Hagemann den Absolventen zu. Kaum ahnend, dass Starr angesichts Übersee-Sehnsucht seiner Mitschüler nicht ganz ernst gemeint ein Jahrgangstreffen in Australien vorschlagen würde, setzte Hagemeier dem augenzwinkernd eine Alternative entgegen. Wenn die Abiturienten jetzt in alle Welt ausströmten, warum nicht auch im Kopf Grenzen überwinden und das Glück in Kasachstan suchen. Das neuntgrößte Land der Erde biete viele Chancen und werde dennoch schnell übersehen.

Matthias Selle verkniff sich die üblichen Ratschlägen. Er ermutigte die Abiturienten, ihren Erfolg zu genießen. Im Namen von Landkreis und Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der Südkreisgemeinden warb Selle für die gemeinsame Heimatregion. Sie biete gute Bildungs- und Karrierechancen sowie eine hohe Lebensqualität. Hinzu komme auch eine gute Kinderbetreuung. Der Hinweis erscheine vielleicht verfrüht, „aber das geht manchmal schneller, als man denkt“, sagte Selle und erntete dafür ein lautes Kichern.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN