Bekenntnis zur Vielfalt Christian Wulff besucht Landesgartenschau in Bad Iburg



Bad Iburg. Ein deutliches Bekenntnis zur Vielfalt gab Bundespräsident a.D. Christian Wulff am Samstagabend anlässlich einer Podiumsdiskussion im Rittersaal des Schlosses Iburg zum Thema „Heimat und Identität in einer globalisierten Welt“.

Wulff war der Einladung Hans-Gert Pötterings in dessen Eigenschaft als Botschafter der Landesgartenschau gefolgt. Nach dem obligatorischen Eintrag in das Goldene Buch der Stadt und einem Rundgang durch das LaGa-Gelände („total faszinierend“) stellte sich der ehemalige Bundespräsident im sehr gut besuchten Rittersaal den aktuellen Fragen vor allem zum Thema Heimat. An der Diskussion, moderiert von Pöttering, nahmen auch der Bad Iburger Ratsherr Nazih Musharbash (SPD) und die Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung Louisa Riepe teil.

Nie wieder Nationalismus

In seiner Einführung ging Wulff auf die Schnelllebigkeit und Unwägbarkeiten einer globalisierten Welt ein. Sie zeigten „nach 1990 aktuell erneut einen epochalen Zeitenwechsel mit verstärktem Protektionismus, auflebendem Rechtspopulismus und Terrorismus“. Nationale Interessen, wie beispielsweise der Klimaschutz seien nur im internationalen Kontext durchzusetzen. „Wer gegen Europa hetzt, verrät nationale Interessen“. Nachdrücklich wandte sich der Redner gegen Verallgemeinerung und Gleichmacherei („die Menschen nicht in Schubladen packen“). Mit Hinweis auf das Grundgesetz fordert er ein weltoffenes, tolerantes Deutschland als ein religionsneutrales Land. Nie wieder Nationalismus, Patriotismus dagegen sei höchst willkommen, so Wulff.

Für mehr sachliche Debatten und Empathie

In diesem Zusammenhang scheute sich Wulff auch nicht, seine umstrittene These zu wiederholen, dass angesichts von 4 bis 5 Millionen Mitbürgern moslemischen Glaubens der Islam neben der christlichen und jüdischen Religion inzwischen auch zu Deutschland gehöre. „Wir sind als Zuwanderungsland ein multiethnisches und multi-religiöses Land und wir profitieren davon.“ Heimat sei für ihn kein statischer Begriff und drücke Sehnsüchte wie Geborgenheit, Vertrautheit sowie Respekt und Teilhabe aus. Pöttering verwies auf die Nachkriegszeit, als der heute akzeptierte Heimatbegriff „lange Jahre nicht salonfähig“ blieb. Für Louisa Riepe sei Heimat nicht allein ein Ort, sondern auch ein Gefühl. Heimat mache für sie „neben der lokalen auch eine emotionale Verortung“ aus. Sie fühle sich durch viele Reisen während ihres Studiums ohnehin als Weltbürger. Patriotismus komme nach ihrer Wahrnehmung mit Blick auf die jüngste Geschichte noch immer verklemmt daher. In der Flüchtlingsfrage fordert Riepe mehr sachliche Debatten und vor allem mehr Empathie.

Einwanderungsgesetz fehlt

Ratsherr Musharbash habe als in Jordaniens Hauptstadt Amman geboren, im palästinensischen Bethlehem aufgewachsen und in Sentrup zuhause, gleich „drei Heimatorte“. Seine emotionale und rationale Heimat sei gleichwohl Bad Iburg. Die Diskussion um Heimat beginne immer dann, wenn sie verloren ginge oder gefährdet scheine. Auch Deutschland habe im 19. Jahrhundert seine Auswanderungswelle in alle Welt und vor allem nach Übersee gehabt. Asyl sei ein grundgesetzlich geschütztes Rechtsgut. Er beklagt darüber hinaus aber auch das Fehlen eines Einwanderungsgesetzes mit eindeutigen Bestimmungen.

Integration ist keine Einbahnstraße

Wulff und Pöttering appellieren übereinstimmend an die Neugier gegenüber Fremden und Fremdes. Argwohn und Ängste seien durch Offenheit und Vertrauen zu überwinden. Integration sei keine Einbahnstraße, alle müssten sich bewegen, die Erwartungshaltung dürfe allerdings auch nicht zu hochgehängt werden.


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