Prosecco-Picknicks und Bewegungsdrang Ein Monat Laga in Bad Iburg: Wie läuft‘s?

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Eine Ruhepause, die es nur fürs Foto gibt. Laga-Geschäftsführerin Ursula Stecker hat es noch nicht mal geschafft, alle Waldlichtungen abzugehen. Foto: Gert WestdörpEine Ruhepause, die es nur fürs Foto gibt. Laga-Geschäftsführerin Ursula Stecker hat es noch nicht mal geschafft, alle Waldlichtungen abzugehen. Foto: Gert Westdörp

Bad Iburg. So schnell geht das: Ein Sechstel der Bad Iburger Laga-Saison ist schon vorbei. Vor einem Monat, am 18. April, hat die Landesgartenschau ihre Eingangstore geöffnet. Zeit für ein Gespräch mit Laga-Geschäftsführerin Ursula Stecker über Prosecco-Picknicks, bekehrte Kritiker, Sonnenschutz und Bewegungsdrang.

Frau Strecker wie läuft’s?

Hervorragend! Wir hatten bisher kaum schlechtes Wetter und alle sind begeistert. Ich bin hochzufrieden.

Haben Sie in den ersten vier Wochen Überraschungen erlebt, etwas, das Sie nicht erwartet haben?

Oh ja! Dass viele junge Leute kommen, haben wir gehofft. Dass es tatsächlich so ist, hat uns erstaunt und überrascht. Die jungen Leute treffen sich abends auf den Blütenterrassen, chillen auf der Kneipp-Liege, sitzen in den Liegestühlen im Charlottenseepark: Das ist ein richtig tolles Bild. Gestern Abend saß dort auf der Kneipp-Liege eine Damengruppe mit Prosecco. Man lebt hier. Diese Laga zeichnet eine ganz besondere Stimmung aus.

Die Besucher aus der Region kommen also nicht nur einmal zum Besichtigen, sondern integrieren die Laga in ihr Leben?

Genau! Viele kommen gegen 17.30 Uhr, wenn die Besucher von auswärts mit dem Reisesegen der Waldkirche gefahren sind. Ich habe zu manchem schon augenzwinkernd gesagt: „Es ist schön, dass ihr jeden Abend in meinem Garten sitzt.“ Dann kommt die fröhliche Antwort: „Wir haben unseren auch verpachtet, damit wir hier sitzen können.“ Ich freue mich sehr darüber, dass die anfängliche Skepsis sich in Zustimmung, gar in Begeisterung, verwandelt hat. Selbst einige der größten Laga-Gegner haben nun eine Dauerkarte.

Gehen Sie manchmal inkognito über das Gelände und hören, was die Besucher sagen?

Dank der medialen Aufmerksamkeit kann ich kaum noch inkognito darüber gehen. Doch ich habe auch Bekannte, die sehr genau hinhören. Und natürlich erfahre ich da auch mal von Kleinigkeiten, die nicht so rund laufen. Das ist ganz normal bei so einer großen Veranstaltung. Die meisten unserer Gäste nehmen Pannen mit Gelassenheit. Sie sehen freundlich darüber hinweg, wenn irgendwo der Rasen noch nicht wächst, weil die Zeit zum Wachsen zu kurz war oder er unter großen Bäumen sowieso spärlich bleibt. Sie kennen das aus dem eigenen Garten. Kritik ist gelegentlich auch in den sozialen Netzwerken zu hören, beispielsweise, wenn es an den Kassen zu Wartezeiten kommt. Doch wenn ich sonntags bei Sonnenschein zu 10 Uhr hierher fahre, muss ich damit rechnen. Das ist bei jedem anderen Großereignis genauso. Ansonsten sind alle begeistert über das, was sich in Bad Iburg getan hat. Das beeindruckt mich schon, vor allem vor dem Hintergrund, dass vorher so recht viel Negatives zu hören war.

Sie sind sehr aktiv in den sozialen Medien. Zahlt sich das aus?

Ich glaube, dass unsere Strategie hier aufgeht, gerade bei jungen Leuten. Ein Grund für die tolle Resonanz ist sicher unser Baumwipfelpfad, doch als weiteren Grund sehe ich durchaus unsere Präsenz in den sozialen Netzwerken mit Bewegtbildern an.

Der Baumwipfelpfad kommt gut an?

Viele sind erst einmal vollkommen ‚geflasht‘ über die Aussicht, vor allem auf das Schloss. Wir sind sehr glücklich, dass nun so ein Objekt in Bad Iburg steht.

Wissen die Besucher, was sie in Bad Iburg erwartet oder lassen sie sich überraschen?

Viele wissen schon, was es hier zu sehen gibt, haben sich vorab informiert, wissen also auch, dass wir einen Baumwipfelpfad haben. Doch manche glauben, es handele sich nur um einen Aussichtsturm und sind ganz erstaunt, dass man hoch oben so weit in den Wald hineingehen kann.

Welche Veranstaltungen sind besonders beliebt?

Die beinahe täglich angebotenen Sportveranstaltungen sind sehr gefragt: Yoga, Tai Chi und was wir sonst noch alles im Programm haben. Wir sehen Yoga-Gruppen mit 25 Teilnehmern, beim Tai Chi waren neulich rund 70 Teilnehmer. Viele kommen gezielt, um mitzumachen. Das sind dann oft Bad Iburger Bürger mit einer Dauerkarte, aber es gibt auch Besucher, die einfach mitmachen.

Haben Sie Biodanza oder Yoga selbst mal ausprobiert?

Nein, dazu hatte ich bislang leider keine Zeit. Mir fehlte bislang auch die Gelegenheit, zum entspannten Waldbaden die einzelnen Lichtungen aufzusuchen. Doch das werde ich sicher nachholen.

Wie kommt das Lionheart-Cycling an, Radfahren im Freien mit Musik auf dem Ergometer?

Das wissen wir noch nicht so genau, das ist ganz neu, sah aber gut aus. Extrem gut kommt der Pool in einem Themengarten an. Wenn es warm ist, baden Kinder und Jugendliche dort. Das Wasser hat 26 Grad und man kann eine Gegenstromanlage anschalten. Diese Bewegungsorientierung der Laga nach Kneipp funktioniert erstaunlich gut, auch auf der eintrittsfreien Tegelwiese.

Und die anderen Veranstaltungen?

Das Theaterstück „Rosalotta verzweifelt gesucht“ des Versmolder Gymnasiums war an beiden Aufführungstagen sehr gut besucht. Auch die relativ spontanen Veranstaltungen mit Pferdemagier Jean François Pignon sind super gut angekommen. Da war selbst ich bewegt, als ich in der Manege stehen durfte. Der Besuch der Schaumburger Orchester und Chöre war trotz des trüben Wetters am 1. Mai eine sympathische Begegnung, wie auch der Auftritt der Rockmusiker am 4. Mai. In den nächsten Tagen stehen Jazz und ein weiterer Chor mit Rock- und Popsongs von den sechziger Jahren bis heute auf dem Programm. Unser Programm-Mix wird sehr gut angenommen. Dabei hängt natürlich viel vom Wetter ab: Sobald es schöner wird, sind die Besucher da. So ist unsere Bühne mit dem überdachten Zuschauerbereich ein Gewinn, bei Sonne wie bei Regen.

Die Natur ist in den letzten Wochen schier explodiert. Wie hat sich die Laga verändert?

Es ist alles grün, alles bunt und blühend. Die Narzissen sind mittlerweile fast verblüht, die Tulpen stehen gerade im Zenit ihrer Blüte. Doch nun beginnen Rhododendren und Hortensien zu blühen. Interessant ist der Übergang zwischen Wald und Blütenterrassen. Das Naturnahe in der Begegnung mit dem intensiv Gestalteten erzeugt eine sehr schöne Spannung. Auch dort sitzen die Besucher gerne auf den großen Sitzkissen.

Wie groß ist Ihr Einzugsgebiet?

Wir beobachten, dass sehr viele Besucher aus den Bereichen Hildesheim, Hannover, Höxter, also aus dem Weserbergland und dem Schaumburger Land, aber auch aus Ostfriesland, dem Emsland und ganz viele aus dem Ruhrgebiet anreisen. Den klassischen Einzugsbereich einer Laga im Umkreis von 100 bis 150 Kilometern schöpfen wir voll aus.

Kommen auch die Niederländer?

Ich habe bereits einige gehört, wir sind auch mit Medienarbeit und Werbung in den Niederlanden aktiv. Doch in größeren Mengen habe ich sie noch nicht wahrgenommen. Ich denke, in den niederländischen Sommerferien kommen mehr.

Ist die Anspannung der letzten Monate ein bisschen von Ihnen abgefallen? Sie und Ihr Team haben ja unter einem enormen Zeitdruck gearbeitet.

Wir justieren noch manches nach, Dinge, die Besuchern nicht so auffallen. Man kann vorher noch so viel überlegen und planen: Laufen die Gäste so? Oder anders? Funktioniert das so? Oder anders? Manches muss in der Tat noch nachgearbeitet werden. Doch der größte Teil der Anspannung und der zeitliche Druck sind von uns abgefallen. Jetzt steht das tägliche Tun im Vordergrund: Wir haben immer wieder neue Gäste und sie alle wollen natürlich verwöhnt werden und sollen sich bei uns wohlfühlen – auch das braucht Spannung.

Wie sehen die aktuellen Besucherzahlen aus?

Wir haben eine erste Zahl nach den Eröffnungstagen genannt (18.000 Besucher nach den ersten fünf Tagen einschließlich Eröffnungswochenende; Anmerkung der Redaktion) und werden das noch einmal zur Mitte der Landesgartenschau und am Ende tun. Mehr nicht. Das ist meine Art, mit Zahlen umzugehen. Ich bin Unternehmensberaterin und bin mit Zahlen zurückhaltend. Ich kann aber sagen: Ich bin sehr zufrieden. Wenn es so weiter läuft, ist alles gut.


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