Auf instand gesetzter Bahnstrecke Mit der Dampflok von Lengerich zur Laga in Bad Iburg

Von Sina-Christin Wilk

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Bad Iburg/Lengerich. Fauchend rollt die 78.468 in den Bad Iburger Bahnhof ein und kommt langsam zum Stehen. Ein letzter, kräftiger Schlag aus den Zylindern. Geschafft: Die Laga kann nun auch per Bahn erreicht werden – zumindest gelegentlich.

Alte Dampflok-Dame

Als die alte Dampflok-Dame, Baujahr 1923, in den Osnabrücker Hauptbahnhof einfährt, ist die Aufregung am Bahnsteig eins groß. Und nicht nur, weil es in Richtung Bad Iburg gehen soll: Die Tenderlok ist eine von sechs Lokomotiven, die von der 550 Stück starken Baureihe noch existent sind. Die Fans zücken die Smartphones, um den Moment einzufangen.

Tatsächlich lassen sich Rauch und Dampf als Erstes ausmachen, deutlich bevor vor der Kulisse eines ansonsten wolkenlosen, blauen Himmels die Umrisse der schwarzen Lok am Horizont Gestalt annehmen. Mit lautem Getöse fährt die Lokomotive ein. Die Geräuschkulisse ist genauso markant wie der beißende Geruch.

Die Gäste klettern in die alten Wagen, und die Lokomotive tritt ihre erste offizielle Fahrt als Teuto-Express an. Ziel: die Landesgartenschau in Bad Iburg. Zwischenhalt: Lengerich. Schließlich soll der Teuto-Express die Strecke zwischen Lengerich und Bad Iburg während der Laga mit Sonderfahrten bedienen.

Premieren-Gäste

Diese erste Fahrt ist aber nicht öffentlich: Zu den geladenen Gästen zählen neben Vertretern der Kommunalpolitik, Tourismusverbände und Heimatvereine auch Privatpersonen, die Bezug zur Dampflok haben. „Wir wollen die Eisenbahn wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken und allen Beteiligten etwas zurückgeben“, erzählt Josef Högemann.

Er ist bei der Lappwaldbahn, die die ehemalige TWE-Strecke übernommen hat, für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Wir haben bis zum letzten Tag gearbeitet, um dieses Teilstück der Teutoburger-Wald-Eisenbahn wieder betriebsfähig zu machen. Ich hätte nicht geglaubt, dass wir das wirklich hinbekommen.“

2000 Schwellen und eine Brücke

Über 2000 Schwellen wurden verlegt, teilweise wurden neuer Schotter und neue Gleise benötigt, um die über sechs Jahre stillliegende Bahnstrecke zu reaktivieren. Und in Bad Iburg musste ein Brückenbauwerk erneuert werden. Eine zeitaufwendige und kostenintensive Arbeit, die dank des Engagements des „Aktionsbündnisses Teutoburger Eisenbahn“ und der Fördermittel des Landes Niedersachsen und des Landkreises einen positiven Verlauf nahm.

In den alten Wagen macht sich derweil die besondere Atmosphäre einer längst vergangen Bahnzeit breit: Auf den offenen Plattformen lassen sich einige Fahrgäste den Fahrtwind um die Nase wehen. Bei einer Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde ein sichtliches Vergnügen. Die Bahnstrecke ist gesäumt von leuchtend gelben Rapsfeldern und Obstbäumen in voller Blüte, Bauernhöfe und kleine Gärten ziehen vorbei. Entlang der Bahnstrecke stehen immer wieder winkende Menschen, einige sind mit Smartphone oder Kamera mit Stativ ausgerüstet. Pferde und Ponys tänzeln angesichts der ungewohnten Geräuschkulisse nervös in ihren Koppeln.

Dick gepolsterte Sitzflächen

Andere Fahräste haben es sich auf den dick gepolsterten Sitzflächen bequem gemacht, andere stehen an den geöffneten Fenstern und halten – soweit möglich – den Kopf hinaus. Die Kinder drücken ihre Nasen an die Fenster. „Bei der Ausstattung ist alles authentisch“, versichert Zugführer Werner Reckert. „Wir wollen den Fahrgästen das Fahrgefühl der 50er- und 60er-Jahre näherbringen.“ Dazu gehört wohl irgendwie auch der markante Geruch, der in den Wagen hängt. Einziges Zugeständnis an die Moderne: Immer wieder knarzt das Funkgerät, mit dem er Verbindung zum Lokführer und dem weiteren Zugpersonal hält.

Seit 1983 ist Reckert Mitglied bei Eisenbahn-Tradition. Obwohl er immer „Eisenbahner werden wollte“, ist er letztlich als Diplom-Pädagoge im Bereich Mitarbeiterführung und Coaching gelandet. Ein guter Synergieeffekt habe sich so ergeben, denn inzwischen sei er für die Nachwuchsausbildung im Verein verantwortlich.

Traumberuf

Obwohl es sich um ein Ehrenamt handle, ist für etliche Funktionen die gleiche Ausbildung notwendig, die auch beispielsweise Mitarbeiter der Deutschen Bahn erhalten. Nachwuchsprobleme gebe es derzeit keine, denn der Verein habe eine sehr aktive Jugendgruppe. Der Traum vom (Dampf-)Lokführer-Beruf? Maik Drechsel hat ihn sich erfüllt. Im Führerstand schlägt einem unmittelbar die Hitze des Kessels entgegen und treibt trotz geöffneter Fenster den Schweiß ins Gesicht. Dabei sei gerade einmal die Betriebstemperatur erreicht, verrät Drechsel grinsend.

Entspannt lehnt er am Fenster. „Da gewöhnt man sich dran“, wirft Burkhard Passat ein, der als Heizer für die Maschine zuständig ist. Und damit auch dafür, den Kohlenhunger der 78er zu stillen. Die beiden Männer arbeiten auf rund fünf Quadratmetern. Vor ihnen Heizkessel und Technik, eingerahmt von schmalen Fenstern. Hinter ihnen die schnell schwindenden Kohlevorräte.

„Technisch gut gelaufen ...“

Passat ist seit 1989 bei der Eisenbahn-Tradition, Drechsel stieß 1999 im Alter von zwölf Jahren dazu. Es sei ein zeitaufwendiges Hobby. Umso größer ist die Begeisterung über die Rückkehr auf die „Hausstrecke“ des Vereins.

Die erste Fahrt des Teuto-Expresses sei „technisch gut gelaufen“, bilanziert Högemann nach der Rückkehr. Das Ziel sei es, derartige Fahrten in den regulären Tourismusverkehr einzugliedern: „Die Fahrten zur Laga in Bad Iburg sind ein willkommener Auftakt.“


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