16 Realschüler setzten sich sechs Monate lang mit der Kommunalpolitik auseinander Ratsfraktionen in Bad Iburg sechs Monate über die Schulter geschaut

Von Alexander Heim

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16 Realschüler setzten sich sechs Monate lang mit der Kommunalpolitik auseinander. Ratssitzungen, Ausschussarbeit und Fraktionstreffen inbegriffen. Foto: Alexander Heim16 Realschüler setzten sich sechs Monate lang mit der Kommunalpolitik auseinander. Ratssitzungen, Ausschussarbeit und Fraktionstreffen inbegriffen. Foto: Alexander Heim

Bad Iburg. Es war fast, als wären sie selbst gewählt worden. Spiegelbildlich zur Verteilung der Mandate im Bad Iburger Stadtparlament, wurden auch die Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs zehn, die sich zur Teilnahme am zehnten Durchgang der AG Kommunalpolitik ihrer Lehranstalt entschieden hatten, auf die Fraktionen verteilt. Und machten im Laufe der vergangenen Monate sehr unterschiedliche politische Erfahrungen.

Eines ist allen Teilnehmern noch sehr lebhaft in Erinnerung: jene Ratssitzung, bei der die politischen Gemüter hitzig aufeinander trafen, als es um die Kündigung der Kita-Verträge ging. Es war unter anderem die Diskussions-Kultur, die den jungen Nachwuchspolitikern dabei auffiel. Und aufstieß. „Wir lernen hier in der Schule, dass man bei Diskussionen in einem ruhigen Ton redet und den anderen aussprechen lässt“, fasst es Viktoria noch einmal zusammen. Außerdem hätten die Kommunalpolitiker doch gewusst, dass sie – die Schüler - im Publikum saßen. „Sie haben doch Vorbildfunktion für uns“, so eine Schülerin. „Mir war zudem aufgefallen, dass die Politik überhaupt keinen „Plan B“ hatten“, ergänzt Michel.

Politische Interessenbildung

Er hatte die AG für eine besondere Variante politischer Interessenbildung genutzt: „Ich wollte etwas anderes ausprobieren“, fand er den Weg zur FDP. Schließlich ist die auf kommunaler Ebene hoch im Kurs. Auch Nils ist ganz bewusst in die Fraktion der Liberalen gegangen. Mit nachhaltigem Effekt: „Ich habe mich entschieden, dort jetzt auch einzutreten“, zeigte er sich von der Arbeit überzeugt.

Vorbereitungstreffen haben sie gehabt, sich zu den Fraktionssitzungen getroffen, haben an zwei Ratssitzungen teilgenommen und mehrfach den Dienstagabend in Ausschusssitzungen verbracht. Kein Wunder also, dass Schulleiter Dirk Jansen sowie die beiden AG-Betreuerinnen Annemarie Hein und Marianne Schmalen den Schülern attestieren, „eine Menge Zeit investiert“ zu haben.

Breites Spektrum

Treffen mit der Verwaltungsmitarbeiterin Monika Schnaars (Haushalt) sowie ihrem Kollegen Ulrich Ortmeier (Bürgerzentrum) und Laga-Pressereferentin Imma Schmidt haben das Spektrum der Aktivitäten ergänzt. „Es war schön zu sehen, wer die Leute hinter den Jobs sind“, fand Viktoria im Rückblick.

Für einige von ihnen war auch die Zuordnung zu den Fraktionen eine klare Sache. „Ich durfte nicht zur SPD gehen“, verrät etwa Jannis augenzwinkernd, der sich für die CDU entschieden hatte. Für andere Teilnehmer hingegen wurde die Zuordnung zur Zufallsentscheidung. „Der Schulausschuss war sehr interessant“, befand Nils zudem im Rückblick. „Meine Fraktion - die SPD - hat sich vor den Ausschüssen vorab immer getroffen“, erzählt Charlotte über gute Vorbereitung.

Erleben, wie die Stadt funktioniert

„Ich konnte mir vorher gar nicht vorstellen, wer eigentlich was organisiert. Jetzt kann man sich vorstellen, wie die Stadt funktioniert“, beschreibt Viktoria ihren persönlichen Lernzuwachs der vergangenen Monate. „Ich fand interessant, wie viel Ausgaben die Stadt hat“, zeigte sich Claudia von den Zahlen beeindruckt, die in Ausschüssen und Ratssitungen vorgestellt wurden. Und Charlotte fand: „Ich konnte mit meinen Eltern viel besser diskutieren und ihnen manchmal auch erklären, wie etwas zustande gekommen ist.“ Noah brachte es so auf den Punkt: „Wenn man sich nicht so sehr interessiert, hat man auch nicht soviel Ahnung davon.“

Ob sie das Projekt anderen Schülern oder Schulen weiterempfehlen würden? Da sind sich alle 16 Teilnehmer einig: ein klares Ja. „Kein Einziger bereut, das hier gemacht zu haben“, so Deniz‘ Urteil.

Und gibt es Dinge, für die sie sich politisch vor allem einsetzen wollen würden? Da müssen die Jugendlichen ebenfalls nicht lange überlegen: „Eine vernünftige Busverbindung zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen“, fällt Henrike da sofort ein. „Mehr Möglichkeiten für Jugendliche in Bad Iburg“, schlägt Charlotte vor. „Die Straßen Richtung Natrup sind nicht in Ordnung“, ist Michel für seinen Wohnort Hilter aufgefallen. Und schließlich fällt auch das Stichwort „die Sanierung der Schule“. „Damit der Schulhof nicht mehr wie ein Parkplatz aussieht“, erläutert Lara. Und auch die blaue Folie, die das Loch in der Aula verdecke, sei doch schon zu sehen, seitdem sie selbst alle in der Fünften waren. . Schulleiter Dirk Jansen wird’s wohl vernommen haben.

Im nächsten Durchgang, so stellten Annemarie Hein, Marianne Schmalen und Schulleiter Dirk Jansen übrigens in Aussicht, mag sich das Projekt auch auf die Klasse zehn der Hauptschule ausweiten.


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