Bad Iburg jetzt „Frauenort“ Iburgerin Cilli-Maria Kroneck-Salis: Unrecht nahm sie nicht hin

Von Stefanie Adomeit


Bad Iburg. Ein Haus der Frauen ist Haus Kroneck-Salis an der Bad Iburger Schlossstraße schon lange. Hier wirken Frauen, hier führen Frauen, hier kochen und lesen sie, hier prägen intelligente und kritische Frauen den Alltag. Und hier wird seit Mittwoch an eine wirkmächtige Frau erinnert.

Ihr Lebensthema ist so aktuell wie vor 40 Jahren. Gewalt gegen Frauen ist nicht überwunden. Cilli-Maria Kroneck-Salis, geboren 1923, hat von den 70er Jahren an hartnäckig und mit aller Kraft für die Rechte und die Würde von Frauen gekämpft. Als Mittelpunkt eines Netzwerkes gründete sie – gegen alle Widerstände – das autonome Frauenhaus in Osnabrück, bald darauf ein Flüchtlingsfrauenhaus für traumatisierte Frauen. Die Autonomie des Hauses war ihr wichtig, so waren die Würde und der Schutz der persönlichen Daten der betroffenen Frauen gesichert.

Für den Landesfrauenrat und die Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises und der Städte Bad Iburg und Osnabrück ist Cilli-Maria Kroneck-Salis damit eine Frau, die ihren Wohnort Bad Iburg und ihre Wirkungsstätte Osnabrück zu Frauenorten macht. Die Aktion ehrt historische Persönlichkeiten und will ihr Leben und Wirken mit Stadtführungen, Lesungen, Theaterstücken und Gedenktagen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. „Frauenorte bereichern den Kulturtourismus einer Stadt“, kündigte Ursula Thümler an. Seit zehn Jahren sucht eine Arbeitsgruppe nach Spuren bedeutender Frauen, um Frauengeschichte in der Erinnerungskultur der Städte und im Land zu verankern. Mit den Frauenorten befindet sich Cilli-Maria Kroneck-Salis in bester Gesellschaft. Dank Dichterin Ricarda Huch ist Braunschweig Frauenort, dank Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek Fischerhude.Eine Tafel und eine Erinnerungsecke zieren nun auch Haus Kroneck-Salis.

„In Massen werden Frauen ihre Männer verlassen“

Die Vorsitzende des Kuratoriums Frauenorte Niedersachsen rühmte die Hartnäckigkeit und Durchsetzungsfähigkeit Cilli-Maria Kroneck-Salis‘, die mit 51 Sozialpädagogik studierte und zur Galionsfigur der Osnabrücker Frauenbewegung wurde: „Sie hat mit ihrem frauenpolitischen Netzwerk viel erreicht.“ Womit die Osnabrücker Frauen in den 70er und 80er Jahren zu kämpfen hatten, erzählte Laudatorin Prof. Dr. Hildegard Müller-Kohlenberg: „Teile des Rates und einige Leserbriefschreiber waren der Ansicht: Ein Frauenhaus zerstört Grundlage der Familie. In Massen werden Frauen ihre Männer verlassen.“ Andere meinten: Gewalt gegen Frauen kommt bei uns nicht vor.

Sie kam und kommt vor. Als das Frauenhaus auf 30 Quadratmetern öffnete, lebten hier bald 17 Menschen: Denn so fing es an, mit einer privaten Wohnung und dem Ratschlag „Machen Sie es den Frauen nicht zu gemütlich, sonst gehen die nicht mehr.“ Inzwischen haben 7000 Frauen und viele, viele Kinder im Frauenhaus eine Zuflucht gefunden.

Als die Frauenbeauftragten der Städte Bad Iburg und Osnabrück und des Landkreises überlegten, wer den ersten Frauenort der Region bestimmen sollte, fiel schnell der Name Cilli-Maria Kroneck-Salis. „Wir waren uns sofort einig“, sagte Kreis-Gleichstellungsbeauftragte Monika Schulte. Was Kroneck-Salis ausmachte? „Das, was auch unsere tägliche Arbeit ausmacht“, die Arbeit in Frauenhäusern und Frauenberatungsstellen, so Schultes Iburger Kollegin Irene Wellmann.

Kein Unrecht zugelassen

Bürgermeisterin Annette Niermann gratulierte Ulrike und Susanne Kroneck zu ihrer Mutter. „Ihr seid hier angekommen, und der Frauenort kommt hier auch an.“ Denn Kroneck-Salis war nicht nur in Osnabrück engagiert, in ihrem Bad Iburger Zuhause half sie jedem, der Hilfe brauchte. „Sie hat nie zugelassen, dass in ihrer Umgebung Unrecht geschieht“, berichtete ihre Tochter Ulrike Kroneck in der gemeinsam mit ihrer Schwester Susanne verfassten Rede. Beide seien stolz, gerührt und bewegt über die Ehrung ihrer Mutter.

Dass diese ein offenes, gastfreundliches Haus führte, sei damals in Bad Iburg so normal nicht gewesen. „Man raunte: Was hinter dem Vorhang wohl vorgeht? Hinter dem Vorhang war das Gästezimmer, in dem Thomas lebte, den seine Eltern verstoßen hatten. Er wohnt bis heute in diesem Haus.“ Klassenkameraden ihrer Töchter, die geschlagen wurden, stand Kroneck-Salis tatkräftig zur Seite. Und als eine Freundin erkrankte, nahm sie deren einjährigen Sohn auf. Beobachter interpretierten das auf ihre Weise: Cilli-Maria wolle ihrem Mann ein uneheliches Kind unterjubeln.

„Diese engstirnige Muffigkeit“ habe sie gehasst, erinnert sich Ulrike Kroneck. Auch sie habe einen schlechten Ruf gehabt – weil sie per Anhalter nach Osnabrück fuhr. „Das tun die doch nicht umsonst, hieß es dann.“ Das Misstrauen der Umgebung war ein scharfer Kontrast zu dem Freiraum, den die Eltern gewährten, meinte Kroneck. Sie und ihre Schwester seien dankbar für den besonderen Geist und die Möglichkeit der freien Entfaltung. „Von Konventionen hat sich unsere Mutter nie einwickeln lassen.“