Beitrag des Heimatvereins Glane zur Laga Maria Sybilla Merian – Künstlerin und Naturforscherin

Von Petra Pieper

Maria Sybilla Merian-Ausstellung: Heinz Köhne, Vorsitzender der Averbeck-Stiftung, und Agnes Wiemann, Vorsitzende des Heimatvereins Glane, begrüßten die Leihgeberin der aktuellen Ausstellung in Averbecks Speicher über Maria Sybilla Merian, Brigitte Dransfeld (Mitte). Foto: Petra PieperMaria Sybilla Merian-Ausstellung: Heinz Köhne, Vorsitzender der Averbeck-Stiftung, und Agnes Wiemann, Vorsitzende des Heimatvereins Glane, begrüßten die Leihgeberin der aktuellen Ausstellung in Averbecks Speicher über Maria Sybilla Merian, Brigitte Dransfeld (Mitte). Foto: Petra Pieper

Bad Iburg. 17 Reproduktionen von kolorierten Kupferstichen der renommierten Künstlerin und Naturforscherin Maria Sybilla Merian, zahlreiche Bücher von der und über die „Powerfrau des 17. Jahrhunderts“, darunter eine mächtige Faksimileausgabe ihres großformatigen Prachtbandes „Über die Metamorphose der Insekten Surinams“ von 1705 und zahlreiche weitere Erinnerungsstücke aus dem Fundus von Brigitte Dransfeld und des Heimatvereins Glane bestücken eine soeben eröffnete Ausstellung in Averbecks Speicher.

„Wir verstehen diese Ausstellung als Glaner Beitrag zur Landesgartenschau“, erklärte Heimatvereinsvorsitzende Agnes Wiemann anlässlich der Eröffnung am 11. April und dankte der Leihgeberin, dass sie die Exponate aus ihrem Besitz für die Dauer der Ausstellung bis zum 14. Oktober zur Verfügung stellt.

Rund 40 Zuhörer

Brigitte Dransfeld, pensionierte Realschullehrerin aus Bad Iburg, gab den rund 40 Zuhörern einen fesselnden Einblick in Leben und Schaffen der Maria Sybilla Merian. Eine absolute Ausnahmefrau sei die 1647 in Frankfurt geborene Tochter des Verlegers und Kupferstechers Matthäus Merian gewesen, und in den Augen ihrer Umwelt ein „Sonderling“, so Dransfeld. Schon früh interessierte sie sich für die Natur – im 17. Jahrhundert eher ungewöhnlich - und dokumentierte ihre genauen Beobachtungen sowohl schriftlich und dank ihrer ererbten künstlerischen Begabung auch in Zeichnungen, Bildern und Kupferstichen. Hinzu kam ein wacher Intellekt, der ihr ermöglichte, aus ihren Beobachtungen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Mit 13 Jahren züchtete sie Seidenraupen und entdeckte die Metamorphose der Insekten. Während ihre Zeitgenossen im Aberglauben verharrten, „Sommervöglein“, also Schmetterlinge, würden vom Himmel fallen, und Insekten für „Ungeziefer und Teufelsgezücht“ hielten, dokumentierte sie deren Entstehung aus Larven und Raupen.

Blumen- und Insektenbücher

Mit 18 Jahren heiratete sie einen Blumenmaler und sorgte auf vielfältige Weise für den Unterhalt ihrer Familie, mixte Pflanzenfarben und verkaufte sie, unterrichtete Schüler in Malerei und Stickerei, stellte Kupferstiche her und verlegte eigene Blumen- und Insektenbücher. „Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung“ heißt etwa ihr Beitrag zur heimischen Entomologie, den sie selber aber wohl eher als Ausdruck ihrer Gottesfurcht und Naturfrömmigkeit verstanden hatte. Getrieben von religiösen Beweggründen und naturwissenschaftlichem Forscherdrang, verließ Maria Sybilla Merian nach zwanzigjähriger Ehe ihren Mann und zog mit ihren beiden Töchtern zunächst in die Niederlande. In den Naturalkabinetten reicher Amsterdamer Kaufleute lernte sie die Natur der holländischen Kolonie Surinam kennen und war entschlossen, den Regenwald zu erforschen. 1699 reiste sie tatsächlich dorthin und entdeckte in zweijähriger Tätigkeit etwa 100 Arten, die sie ausführlich dokumentierte. „Sie war eine Pionierin der Naturwissenschaft, die ihre künstlerische Begabung in den Dienst der Wissenschaft stellte“, machte Dransfeld deutlich.

Sozial engagierte Kritikerin der damaligen Zustände

Zudem sei Merian eine ökologisch denkende und sozial engagierte Kritikerin der damaligen Zustände in Surinam gewesen. Das Abholzen des artenreiches Regenwaldes zugunsten von leblosen Zuckerrohr-Monokulturen ging ihr ebenso gegen den Strich wie die Ausbeutung der Sklaven auf den Plantagen. Dransfeld weist in der Ausstellung auf eine Darstellung der Baumwolle: „Deren Früchte und Blätter kochten die Frauen aus und nutzten es als Abtreibungsmittel, denn sie wollten ihren ungeborenen Kindern das Schicksal als Sklaven ersparen.“

Die Ausstellung ist mittwochs und sonntags zwischen 15 und 17 Uhr sowie nach Vereinbarung zu besichtigen.