Kraftakt vor der Landesgartenschau 2018 Bad Iburger Laga-Macher lassen Muskeln spielen

Von Stefanie Adomeit


Bad Iburg. Bad Iburg blüht auf. Mit prall gefüllten Knospen und zartgrünen Blattrollen, die sich endlich entfalten wollen: Auf dem Baumwipfelpfad ist man dem Frühling ganz nah. Man muss nur die Hand ausstrecken. Und im Charlottenseepark zeigen erste Zwiebelblumen, was sie können.

Vogelgezwitscher und sanftes Blätterrauschen sind die eine Seite der Landesgartenschau – eine Woche vor dem Start. Die andere duftet nach dunkler Erde und frischem Holz, riecht nach Schweiß und flüssigem Teer. Es muss wohl so sein. Großereignisse wie eine Landesgartenschau werden auf den letzten Drücker fertig.

Das ist in Bad Iburg nicht anders. Gerne zeigten Geschäftsführerin Ursula Stecker, Bürgermeisterin Annette Niermann und die Tourismuschefin des Osnabrücker Landes Petra Rosenbach am Dienstag aber auch, dass das meiste geschafft ist. „Wir sind am 18. April fertig“, kündigte Stecker an, auch wenn dann noch kleinere Arbeiten zu erledigen seien.

(Weiterlesen: Landesgartenschau in Bad Iburg: Alles was man wissen muss)

Viel mehr als eine Blümchenschau

Blütenterrassen, die Schaugärten vom bäuerlich-emsländischen bis zur mediterranen Oase, Blumenhalle, Friedhofsgärten, 14 Themenlichtungen, eine Outdoor-Küche, all das macht den „Neuen Zauber“ Bad Iburgs aus. „Tauch ein“ heißt der Slogan der Laga. Bis Oktober sollen dieser Einladung mindestens eine halbe Million Besucher folgen.

„Wir möchten uns bekannt machen“, sagte Niermann, und meint damit nicht nur ihre Stadt, sondern den ganzen Landstrich. Die Region hat auch Rosenbach im Blick, wenn sie von der Strahlkraft der Laga spricht. Was Gartenschauen können, erklärte Henning Sannemann von der Fördergesellschaft der niedersächsischen Landesgartenschauen: „Eine Laga ist mehr als eine Blümchenschau, sie sorgt für nachhaltige Infrastrukturmaßnahmen“, in Bad Iburg zum Beispiel für den Baumwipfelpfad mit seinen Umweltbildungsstationen und den neu gestalteten Charlottenseepark, eine attraktivere Innenstadt und mehr Lebensqualität für Besucher und Bürger.

Kein Geld für die Durchführung

Sannemann hofft, das Land dazu zu motivieren, Lagas finanziell auszustatten. Das ist bisher – im Gegensatz zum Nachbarn Nordrhein-Westfalen – nicht der Fall: Für die Durchführung gibt es kein Landesgeld.

Das macht Kommunen die Entscheidung für eine Laga schwer. Erst ein Bürgerentscheid machte 2015 nachzählbar deutlich: Die Iburger wollen die Laga. Nicht umsonst haben sich inzwischen 42 Ehrenamtliche zu Gästeführern ausbilden lassen.

Bis sie die ersten Gruppen über das 25 Hektar große Gelände führen, wird mit aller Kraft gepflanzt, planiert, gegraben, geharkt und geschraubt und viel gewässert. Flüssigkeit war am Dienstag das begehrteste Gut für Menschen und Pflanzen. Denn die Laga-Macher stemmen Großes: Wenn es um Blumen geht, rechnen sie in Tausenden. Über 105000 Zwiebeln wurden in die Erde gebracht, rund 1000 Quadratmeter Stauden und 3000 Quadratmeter Wechselflor gesetzt. Am Waldsee warten 300 Hortensien auf Bewunderer, in elf Themengärten die Garten-Fachverbände und drei Schulen auf Pflanzenfans. 13 unterschiedliche Blumenschauen werden unter Glas gezeigt.

Der Schweiß rinnt

„Aber ja, wir schaffen das“, zitiert ein Mitarbeiter Bob den Baumeister, während er eine Palette blauer Stiefmütterchen vom Wagen hebt und sich den Schweiß von der Stirn wischt.

Im Kneipperlebnispark steht die Veranstaltungsbühne mit 450 überdachten Sitzplätzen. Gleich daneben entwickeln sich Raupen zu zauberhaften Schmetterlingen. Kinder finden Spielplätze im Wald und ein Bewegungsband – nicht nur für Kleine – auf der Tegelwiese.

In den Schulgärten können sie begutachten, was Gleichaltrige an knackigem Gemüse aus einem Stückchen Acker holen. Im Terra-Vita-Pavillon dreht Frank, der Flugsaurier, eine Runde über ihren Köpfen. Aber wie gesagt: Wer sich selbst wie ein Flugsaurier oder Buntspecht fühlen will, braucht nur auf den Baumwipfelpfad zu fahren – oder zu steigen.