Literatur Live im Gymnasium John von Düffel liest in Bad Iburg aus „Klassenbuch“

Von Sina-Christin Wilk


siwi Bad Iburg. „Literatur Live“ lautet der Name einer Lesungsreihe, die von engagierten Schülern im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Literaturlabor ins Leben gerufen wurde. Über Kontakte zum Dumont-Verlag und zum Frankfurter Literaturhaus ist ein eigenes Format entstanden. Für die sechste Ausgabe konnte John von Düffel gewonnen werden, der in der zur Lounge umgestalteten Cafeteria im Gymnasium Bad Iburg (GBI) aus seinem Roman „Klassenbuch“ las.

Das Klassenbuch ist den meisten aus der Schulzeit vertraut. Dem Autor John von Düffel dient dieses im gleichnamigen Roman als Aufhänger für die literarische Begegnung mit neun Jugendlichen, von denen jeder seine ganz eigenen Herausforderungen zu meistern hat. (Weiterlesen: John von Düffels Reise in die Pubertät)

Einzelschicksale

Obwohl nah an der Lebensrealität der Jugendlichen geschrieben, die die Lesung organisierten, sehe von Düffel hier nicht zwangsläufig die Zielgruppe. Rückmeldungen bei vergangenen Lesungen seien von der Eltern- und Großelterngeneration gekommen. „Verstehen hat immer etwas mit Wiedererkennen zu tun“, sagte von Düffel. Zudem sehe er die „Isolation als Befund unserer Gesellschaft.“ „Klassenbuch“ setzt sich nicht nur mit jugendlichen Einzelschicksalen auseinander, sondern auch mit der Verortung in einer zunehmend technologisierten Welt, die als fester Bestandteil der Gesellschaft etabliert wird. Ein Thema also, das in Hinblick auf Chancen und Risiken den „Dialog der Generationen“ erfordere. (Weiterlesen: Lesung im Gymnasium – Literaturabend mit Rasha Khayat in Bad Iburg)

Das Moderatorinnen-Duo Marlene Polch und Kira Riemer, Schülerinnen am GBI, führten durch den Abend und forderten Einblick in Leben und Werk des Autors. „Die Akte von Düffel“ – eine für diesen Abend zusammengetragene Biographie – lieferte Gesprächsstoff. Von Düffel plauderte nicht nur über seine familiären Hintergründe, sondern auch über seine Arbeit als Autor, Dramaturg und Professor für szenisches Schreiben. Unmittelbar zeigte sich, dass die gut gefüllte Cafeteria als Veranstaltungsort für diesen Abend nicht besser hätte gewählt sein können. In der Mensa sei ihm als Philosophiestudent klar geworden, dass die Auseinandersetzung mit Sprache seinen weiteren Lebensweg prägen sollte. Als Autor sehe er nicht die Literatur als solche als verbindendes Element zwischen den Menschen. Vielmehr ermögliche die „Lebendigkeit des Austauschs“ eine „Kultur der Verständigung“. (Weiterlesen: John von Düffel – Einer der produktivsten Dramatiker)

Persönlicher Austausch

Literatur Live “ zeigte sich als besonderes Lesungsformat, das Raum für persönlichen Austausch und Fragen lässt. Was von Düffel an diesem Lesungsformat reizt? Im Zwiegespräch verriet er, dass er Einladungen von Schülern gerne nachkomme, um ihr Engagement im literarischen Bereich zu unterstützen. Bei einem Werk wie „Klassenbuch“ sind die Schüler zudem „vom Stoff direkt betroffen“, so von Düffel. Ein „Echo“ also, auf das er laut eigener Aussage keinesfalls verzichten möchte.