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Rückblick und Vorschau Bad Iburg und die Landesgartenschauen im Nordwesten

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Bad Iburg. Seit 2002 gibt es Landesgartenschauen in Niedersachsen. In Bad Zwischenahn blühte die erste, und das ist wörtlich zu nehmen: In sechs Laga-Monaten kamen 981.000 Besucher ins Ammerland. Erwartet hatte man im „Park der Gärten“ 550.000. In 20 Tagen öffnet bereits die sechste Laga im Land.

Dann laden Maskottchen Rosalotta und die Bad Iburger zum „Eintauchen“ ein. Ein Blick nach vorn – und zurück.

Denn der Nordwesten ist gartenschauverwöhnt. Nach Bad Essen 2010 und Papenburg 2014 jetzt also Bad Iburg. Am 18. April beginnen rund ums Schloss 180 erfrischende, blumige, spannende und entspannende Tage. Der Endspurt läuft, viel ist zu tun. Und Laga-Geschäftsführerin Ursula Stecker sagt: „Wie immer bei den niedersächsischen Landesgartenschauen war auch in Bad Iburg ein enger Zeitrahmen gesteckt, aber alle Beteiligten wissen, dass das Projekt zum 18. April fertig werden muss – und es wird fertig! Ich freue mich sehr, dass es bald losgeht und bin sicher, dass das, wofür wir zwei Jahre gekämpft und gearbeitet haben, die Iburger und unsere Besucher begeistern wird.“

Hü und hott im Rat

2012 begann die Geschichte der Gartenschau im Kneippkurort mit viel Schwung. Der Elan währte kurz. Ein wankelmütiger Rat votierte mal dafür, mal dagegen. Der Tiefpunkt war Anfang 2015 erreicht: Kurz nachdem der Laga-Geschäftsführer vorgestellt war, kippte eine Ratsmehrheit aus CDU und Grünen das Projekt. Erst per Bürgerentscheid konnte die Laga mit 61 Prozent Zustimmung Anfang 2016 Fahrt aufnehmen.

Schließlich soll sich der schwer erkämpfte „Neue Zauber“ auf 29 Hektar entfalten, mit zwölf Themengärten, Blumenhalle, Blütenterrassen, dem Waldkurpark mit 14 bespielten Lichtungen, dem Charlottenseepark, einem Rosengarten, dem Grünen Klassenzimmer, einem Schmetterlingshaus, der Tegelwiese und natürlich dem Wahrzeichen der Laga, dem 440 Meter langen Baumwipfelpfad, der in sieben Monaten aus dem Waldboden wuchs. Bis zu 35 Meter hoch, erlaubt er ganz neue Blicke auf 250 Jahre alte Bäume, Schloss und Stadt.

Erdverbundene können dem neuen Trend Waldbaden frönen. So wird Gevatter Kneipp ganz gegenwärtig. Wer mehr Action braucht: 1200 Veranstaltungen stehen auf dem Plan, vom Steampunk im Juli über ein Oldtimertreffen, Reggae und Blasmusik, Zen-Meditation, Insekten-Exkursionen, Gesundheitsvorträge und das Niedersächsische Trachtentreffen bis zur Tee-Zeremonie.

1200 Veranstaltungen

Bad Iburg macht sich schön. Und die Nachbarn ziehen mit: Im Pavillon der Region zeigen die Gemeinden, was sie haben und was sie können.

Bewusst verzichtet man auf Superpromis, die nur für abendliche Konzerte aufs Laga-Gelände locken und, wie sich in Bad Essen und Papenburg zeigte, hohe finanzielle Risiken bergen. Denn für Landesgartenschauen in Niedersachsen sind seit 2007 allein die ausrichtenden Kommunen verantwortlich – und zahlungspflichtig. Für Investitionen müssen sie gerade stehen – und auf eigene Faust Förderprogramme finden. Das ist in Bad Iburg gelungen.

Viel hängt am Besucherecho: Eine halbe Million sollten es schon sein. Damit würde die Iburger Laga an den Bad Essener Erfolg anknüpfen. Die zählten Ende 2014 über 513000 Gäste auf 22 Hektar und einen hübschen Überschuss von 1,5 Millionen Euro, der bis jetzt locker die Pflege des Sole- und Kurparks deckte.

Mit ihrem „Bad im Blütenmeer“ waren die Wittlager für Wiesmoor eingesprungen. Laga-Chef war Heinrich Sperling, Pressesprecherin wie in Bad Iburg Imma Schmidt. Der Durchschnittsbesucher, wohl eher die Besucherin, war 61 und gab der Bad Essener Laga die Schulnote 1,8! (Weiterlesen: 90.000 Blumenzwiebeln: Landesgartenschau in Bad Iburg in Zahlen)

The Boss Hoss am Wiehen

Einziger Wermutstropfen: Der Veranstalter, der mit seiner Firma auf eigene Rechnung The Boss Hoss, Hermann van Veen und Marshall & Alexander ans Wiehengebirge holte, ging nach der Gartenschau pleite – Insider wunderten sich, dass es dazu nicht schon vorher kam.

Die Gemeinde profitierte. „Für uns war die Laga wirklich ein Glücksfall“, sagt Bürgermeister Timo Natemeyer heute. „Alle haben mitgezogen. Da ging ein regelrechter Ruck durch den Ort. Diese Einigkeit in Politik und Bevölkerung war ganz wichtig.“ Jetzt habe Bad Essen eine tolle Sole-Arena und den Kurpark. „Und wir merken: Viele Besucher kommen wieder, auch aus Ostwestfalen. Das ist neu.“ Bad Essen habe einen echten Schub nach vorne gemacht, auch, was Image, Investitionen und Jobs betrifft. Natemeyer ist Laga-Fan und wird den Bad Iburgern zur Eröffnung seine Aufwartung machen.

2014 erklärten sich die Papenburger für „Bunt und bliede“, bunt und blühend. Geschäftsführer Lars Johannson bespielte 15 Hektar Emsland, 514.000 Besucher wollten sehen, was die Stadt außer der Meyer-Werft zu bieten hat.

Auf der Bühne standen Johannes Oerding, Torfrock und BAP. Und das Herbstfunkeln lässt die, die es miterlebt haben, noch immer strahlen. Die Übernachtungszahlen lagen 20 Prozent höher, der Altersschnitt der Besucher bei 58. Eigentlich waren alle best zufrieden.

Erfolg teuer erkauft

Doch der Erfolg war teuer erkauft: Die Merchandising-Artikel lagen wie ein Sack Torf in den Regalen. Schlimmer: Die Stadt musste 3,4 Millionen Euro nachschießen. Statt mit 22 Prozent der Kosten war Papenburg mit 40 Prozent dabei.

Johannson wurde gefeuert, weil er unbefugt Aufträge im Gesamtwert von 5,2 Millionen Euro erteilt habe. Angeklagt wegen Untreue, wurde das Verfahren am Ende gegen Zahlung von 750 Euro eingestellt. Johannson landete weich: Helgoland engagierte ihn als Tourismuschef. Im Januar allerdings hat Papenburg ihn auf 70000 Euro Schadenersatz verklagt.

Dennoch findet Bürgermeister Jan Peter Bechtluft: „Unsere Landesgartenschau war für Papenburg ein Meilenstein und das größte Fest in der Stadtgeschichte. Durch sie ist der Stadtpark mit seinem Mehrgenerationenspielplatz zum Treffpunkt für die ganze Stadt geworden.“ Auch habe sich eine vielfältigere und spannendere Veranstaltungslandschaft etabliert, die stetig wachse. „Diese tolle Entwicklung will Papenburg 2019 mit der Blumenschau aufnehmen und weiter stärken.“ Und auch die Infrastruktur habe profitiert.

Auch Wolfsburg und Winsen an der Luhe sagen: Die Landesgartenschau hat unserer Stadt richtig was gebracht. Auch mit einem kleinen Minus war das „unterm Strich gut investiertes Geld“, heißt es aus Winsen.

Wer ist die Schönste im ganzen Land?

Übrigens hatten schon 2002 sechs Orte im Osnabrücker Land Interesse an einer Laga: Bad Essen, Bad Rothenfelde und Bad Laer, Bramsche, Georgsmarienhütte und Melle.

Jetzt also Bad Iburg. Und da zeichnet sich ab: Den Schönheitswettbewerb unter den Gartenschau-Maskottchen im Nordwesten gewinnt klar Rosalotta. Den knollennasigen Bad Essener Zwerg Blütenbert und die magere Papenburger Möwe Piet lässt die anmutige Blütenprinzessin hoheitsvoll hinter sich. Alles andere wird man sehen.


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