Streitschlichtung in letzter Minute Mediation am Amtsgericht Bad Iburg erfolgreich

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Du die Schale, ich den Saft: Manchmal findet sich im Gespräch zwischen zerstrittenen Parteien die unerwartet einfache Lösung eines Konfliktes. Amtsgerichtsdirektorin Susanne Kirchhoff ist sehr zufrieden mit der Erfolgsquote der Mediationen am Amtsgericht Bad Iburg. Foto: Anke SchneiderDu die Schale, ich den Saft: Manchmal findet sich im Gespräch zwischen zerstrittenen Parteien die unerwartet einfache Lösung eines Konfliktes. Amtsgerichtsdirektorin Susanne Kirchhoff ist sehr zufrieden mit der Erfolgsquote der Mediationen am Amtsgericht Bad Iburg. Foto: Anke Schneider

Bad Iburg. Seit einem Jahr führen Amtsgerichtsdirektorin Susanne Kirchhoff und ihr Kollege Richter Frank Teckemeyer am Amtsgericht Bad Iburg moderierte Konfliktgespräche - sogenannte Mediationen - durch. Die beiden werten das Ergebnis als Erfolg.

Die Mediation ist ein freiwilliges, von dem bei Gericht anhängigen Rechtsstreit losgelöstes Verfahren. Die Beteiligten versuchen darin mit Unterstützung eines sogenannten Güterichters, gemeinsam eine Konfliktlösung zu erarbeiten. „Das klappt in viel mehr Fällen, als wir zunächst dachten“, zieht Susanne Kirchhoff eine positive Bilanz. „Und das, obwohl die Beteiligten in einem Stadium sind, in dem sie den Gerichtsprozess als letzte Lösung ansehen“, sagt die Amtsgerichtsdirektorin. In dem einen Jahr, in dem die Mediation am Amtsgericht angeboten wird, gab es 35 Fälle, die mit dem Güterichter besprochen wurden. 70 Prozent davon wurden erfolgreich abgeschlossen, und die Beteiligten haben im Gespräch die sprichwörtliche Kurve gerade noch bekommen.

Freiwillig

Die gerichtsnahe Mediation wurde in Niedersachsen als Projekt im Jahr 2002 gestartet. Erarbeitet wurde es im Justizministerium, in dem Susanne Kirchhoff damals tätig war. 2012 wurde die Möglichkeit der Mediation in die Zivilprozessordnung aufgenommen, die es Richtern möglich machte, zerstrittene Parteien an einen Mediator zu verweisen. „Trotzdem ist das Ganze freiwillig“, so Susanne Kirchhoff.

Die Amtsgerichtsdirektorin hat die Erfahrung gemacht, dass Nachbarn, Mieter und Vermieter oder auch Mitglieder einer Familie Streitigkeiten als sehr belastend empfinden und froh sind, wenn ihnen kurz vor dem Prozess die Möglichkeit einer friedlichen Einigung geboten wird. „Das Ganze hat sich meist richtig hochgeschaukelt und es hat viel Energie gekostet, sich zu munitionieren“, sagt sie. Die Erleichterung, wenn dann doch noch ein Kompromiss gefunden wurde, sei deutlich spürbar. „Die zerstrittenen Parteien können viel leichter wieder aufeinander zugehen, weil sie nicht das komplette Porzellan zerschlagen haben.“

Kaffee herumreichen

Trotzdem ist der Gang an den „runden Tisch“ im Besprechungszimmer erst einmal schwer. „Muss ich mit dem in einem Raum sitzen“, ist in den meisten Fällen die erste Frage. Die bereitgestellten Kaffeetassen, das Herumreichen der Kanne und die Frage nach Milch und Zucker breche oft schon das Eis. „Essen und Trinken hat eben etwas Versöhnliches“, schmunzelt Susanne Kirchhoff. Mehr aus Bad Iburg im Netz

Die Mediatorin lässt sich zunächst von beiden Parteien die Geschichte erzählen. Die jeweils andere Partei werde zum Zuhören gezwungen und erfahre nicht selten erst in der Mediation die Sichtweise des anderen. „Natürlich muss ich auch immer wieder dazu ermahnen, den anderen nicht zu unterbrechen“, beschreibt die Juristin die am Anfang oft noch aufgeheizte Stimmung. Teilweise stoßen die Schilderungen der Parteien bei dem jeweils anderen aber auf unerwartetes Verständnis. Und manchmal seien die Streithähne verblüfft darüber, was der jeweils andere eigentlich möchte.

Lösung selbst finden

Eine Lösung müssen die Parteien am Ende selber erarbeiten. Der Güterichter habe lediglich die Aufgabe, das Gespräch zu moderieren. In den allermeisten Fällen klappe das auch, denn schließlich hätten sich die Parteien oft schon im Vorfeld des Prozesses den Kopf darüber zermartert, wie man das Problem lösen kann, so Kirchhoff weiter. Manchmal sei es auch so, dass die Parteien eine Lösung finden, die beiden das Gefühl gebe, zu ihrem Recht gekommen zu sein, sagt Susanne Kirchhof.

Und nimmt als Beispiel die Geschichte der Harvard-Orange: In der streiten sich zwei Schwestern um eine Orange, die als Kompromiss geteilt werden soll. Als sie jedoch gefragt werden, was sie mit der Orange vorhaben, sagt sie eine, sie brauche den Saft und die andere sagt, sie brauche die Schale. Dieses Beispiel mache deutlich, dass sich erstaunliche Lösungsmöglichkeiten auftun können, wenn streitenden Parteien nach dem Ziel ihres Verhaltens gefragt werden.

Vereinbarung verbindlich

Die Einigung wird in einer Mediationsvereinbarung verbindlich festgeschrieben. Diese kann als richterlicher Vergleich protokolliert und damit als Vollstreckungstitel wirksam werden. Der Richtermediator ist niemals der Richter, der in dem betreffenden Rechtsstreit das Urteil zu sprechen hat. Führt die Mediation zu keinem Ergebnis, muss das bis dahin unterbrochene Gerichtsverfahren wieder aufgenommen werden.

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