Waldbesitzer fühlen sich enteignet Schlechte Stimmung bei Waldbesitzern in Bad Iburg

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Bad Iburg. Zu ihrer Jahreshauptversammlung trafen sich die Mitglieder des Vereins Kulturlandschaft Osnabrücker Land (KOL) im Gasthaus Tovar in Glane. Neben Wahlen stand vor allem das Thema „Natura 2000“ auf dem Programm. So heißt ein ökologisches Netz von Schutzgebieten in Europa, das bei den Waldbauern für Ärger sorgt.

Die Formalien ihrer Jahreshauptversammlung hakten die Waldbesitzer, die sich im KOL zusammengefunden haben, schnell ab: Der bisherige Vorsitzende, Andreas Frieling, trat nicht erneut zur Wahl an. Daher wählten die rund 60 Anwesenden ihren zweiten Vorsitzenden, Stefan Kleine-Wechelmann, zum neuen ersten Vorsitzenden. Reinhard Schuster, der Mann der „Paragrafen und Kontakte“, wurde zweiter Vorsitzender und Ludger Spiegelburg als Kassierer bestätigt.

Schutzgebiete oder Vertragsstrafen

Im Mittelpunkt des Abends stand das Thema „Natura 2000“. Dabei geht es um europäische Schutzgebiete, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden und dem Schutz von Pflanzen, Tieren und Lebensräumen dienen sollen. Dass und welche Gebiete für das „Biotopnetz“ nach Brüssel gemeldet werden müssen, steht bereits seit den frühen 1990er Jahren fest. Doch Fristen verstrichen und nun drängt die Zeit: Bis Ende des Jahres müssen die konkreten Schutzgebiete angegeben werden. Schafft Niedersachsen dies als letztes der 16 Bundesländer nicht, droht Brüssel Deutschland mit hohen Vertragsstrafen.

Waldbesitzer reden von Mogelpackung

Die Waldbauern sind der Meinung, die vorherige Landesregierung habe ihnen mit dem Erlass für Fauna, Flora, Habitat-Gebiete (FFH), dem „Walderlass“, strengere Vorgaben gemacht, als in der EU-Richtline selbst vorgesehen wurden. „Wir haben eine Mogelpackung: Da steht Landschaftsschutz drauf und ist Naturschutz drin“, wetterte Schuster, und Kleine-Wechelmann stellte klar: „Wir und Generationen vor uns haben geschaffen, was heute so schützenswert ist.“ Es bedürfe eines klaren Bekenntnisses zum Eigentum. Für die Waldbesitzer macht es bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen einen Unterschied, ob diese als Naturschutz- (NSG) oder eines Landschaftsschutzgebietes (LSG) ausgewiesen werden.

Gastredner hat schweren Stand

Helmut Dammann-Tamke, Mitglied des Niedersächsischen Landtags und agrarpolitischer Sprecher der CDU, bedankte sich für „diese nette Steilvorlage“ und ging davon aus, als Gastredner einen schweren Stand zu haben. Die Waldbauern hatten ihm zuvor den Teil des Koalitionsvertrags von SPD und CDU vorgelesen, in dem es um Überprüfung des „Walderlasses“ ging. Und auch wenn Dammann-Tamke den Waldbauern in der Sache zustimmte, hatte er schlechte Nachrichten: Aufgrund des Zeitdrucks hätte die CDU diesbezüglich letztendlich „die Segel streichen“ müssen. Am Erlass ändere sich nichts. Der Politiker verwies auf „unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten“ des Leitfadens zum Erlass und darauf, dass die Kreistage den Schutzgebieten auch noch zustimmen müssten. “Gehen sie auf die Fraktionen im Kreistag zu, und lassen sie es im Zweifel auf eine Klage ankommen“, forderte er seine Zuhörer gebetsmühlenartig auf. Doch diese sahen darin keinen Sinn: Sie hätten schon mit den Kreistagsabgeordneten gesprochen und viele durch ihre Wälder geführt. Dammann-Tamke wiederum erklärte: „Wenn ein Thema durch ist, dann ist es durch. Wir werden es nicht noch einmal anfassen.“ Die Diskussion ging weiter, und der CDU-Politiker sah sich genötigt, zu erklären: „Ich bin selbst Waldbauer und lasse mir nicht nachsagen, dass ich ihre Position nicht vertrete.“

An Habitatbäumen scheiden sich die Geister

Ein Streitpunkt waren die sogenannten Habitatbäume: Auf einem Hektar Wald sollen künftig sechs sogenannte „Habitatbäume“ stehen. Diese dürfen als Lebensraum bestimmter Tier- und Pflanzenarten nicht gefällt und auch nach ihrem Lebensende, nach dem Umfallen nicht weggeräumt werden – Ausnahme: Habitatbäume an Wegen. „Sind die Wanderer wertvoller als die Forstarbeiter oder warum müssen die Bäume im Wald liegen bleiben“, fragten die Waldbauern sarkastisch und wiesen darauf hin, dass unter stehenden Habitatbäumen im Umkreis von 150 bis 200 Quadratmetern keine neuen Bäume gepflanzt werden dürften.

Ein geplanter Erschwernisausgleich Wald sei auch keine Hilfe, da viele Vereinsmitglieder unter die „Bagatellgrenze“ fielen: Ihre Wälder sind zu klein, sie bekommen deshalb kein Geld. Außerdem sei der Antrag kostenpflichtige, beschwerte sich Kleine-Wechelmann. Auf die Frage, ob die Forstwirte sich enteignet fühlten, antwortete Schuster: „Das ist mir zu platt. Aber wir sind gezwungen einen Teil unseres Eigentums preiszugeben, und das ist ein enteignungsgleicher Eingriff.“


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