Zwei Jahre und vier Monate Auto versenkt: Iburger Richter verhängen Haftstrafe

Von Heiko Kluge

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Aus einem Baggersee in Engter wurde ein in Melle gestohlenes Auto im See versenkt. Archivfoto: NWM-TVAus einem Baggersee in Engter wurde ein in Melle gestohlenes Auto im See versenkt. Archivfoto: NWM-TV

Bad Iburg. Zu Freiheitsstrafen von jeweils zwei Jahren und vier Monaten verurteilte das Schöffengericht zwei junge Männer. Für das Gericht steht fest: Sie sind in die Wohnung eines Bekannten in Dissen eingebrochen, haben sie verwüstet und dann das Auto des Mannes in einem Baggersee versenkt.

In der Nacht vom 11. auf den 12. Februar 2017 waren die Angeklagten, 30 und 23 Jahre alt, in die Wohnung ihres ehemaligen Arbeitskollegen eingebrochen. Die aus Neuenkirchen und Bad Rothenfelde stammenden Männer waren zunächst auf das Hausdach gestiegen und hatten dort einige Dachziegel entfernt. Durch das Loch waren sie auf den Dachboden gelangt. Dort trat zumindest einer der beiden eine Leichtbauwand ein, um so eine Tür zur Wohnung des Bekannten zu öffnen, der zu dem Zeitpunkt bei seiner neuen Freundin in Melle übernachtete. Die Männer zerschlugen Möbel und stahlen neben 130 Euro Bargeld auch Werkzeuge und elektronische Geräte im Wert von etwa 1500 Euro. Auch den Zweitschlüssel des Autos ihres Kollegen nahmen die beiden aus der Wohnung mit. Mit stahlen sie in Melle den Wagen und brachten ihn nach Bramsche. Dort ließen den PKW in den See rollen, wo er fast vollständig versank. Die Vorgeschichte

Trennung

Als möglichen Hintergrund für die Straftaten vermuteten Staatsanwalt und Gericht, dass sich der Geschädigte kurz zuvor von seiner Freundin getrennt hatte. Die heute 16-Jährige hatte ihre Verzweiflung über die Trennung den Angeklagten gegenüber geäußert. Die beiden Männer seien dem Mädchen offenbar so zugetan gewesen, dass sie sich entschlossen, dem Exfreund „eins auszuwischen“, so der Richter. Der Prozessauftakt

Die Angeklagten hatten die ihnen zur Last gelegten Straftaten bestritten. „Wir sind nirgendwo hingefahren und haben nirgendwo eingebrochen“, betonte der 30-Jährige. Auch der zweite Angeklagte leugnete, mit den Straftaten etwas zu tun zu haben. Den fraglichen Abend hätten sie bei einer Freundin verbracht, wo man gemeinsam Musik gehört und Alkohol getrunken habe. Allerdings gab es einige Indizien, die dem massiv entgegenstehen.

Funkzellenauswertung

So hatte eine sogenannte Funkzellenauswertung ergeben, dass die Mobiltelefone der beiden Männer sich in der fraglichen Nacht zumindest in der Nähe der verschiedenen Tatorte befunden hatten. „Sie hatten sich von Tatort zu Tatort bewegt“, so ein Polizeibeamter. Die Angeklagten erklärten darauf, dass sie in der Nacht noch gemeinsam bei einer Fastfood-Kette essen wollten und zunächst nach Dissen und Melle gefahren seien. Auf dem Rückweg nach Rothenfelde habe sich die Freundin dann verfahren. Dass die Irrfahrt sie bis nach Bramsche geführt hatte, fand der Richter äußerst bemerkenswert. „Das ist aber ein ziemliches Verfahren“, meinte er sichtlich skeptisch. Die Freundin, die während dieser Odyssee hinter dem Steuer gesessen haben soll, verweigerte die Zeugenaussage, da sie mittlerweile mit dem jüngeren Angeklagten verlobt ist.

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Die 16-Jährige Exfreundin des Geschädigten kam vor Gericht in arge Bedrängnis. Bei der Polizei hatte sie angegeben, von der ganzen Sache nichts zu wissen. Doch der Geschädigte hatte nach dem Einbruch ein Gespräch mit der 16-Jährigen geführt und heimlich aufgezeichnet. Diese Aufzeichnung wurde als Beweismittel während der Verhandlung vorgespielt. In dem Gespräch betont das Mädchen: „Ich weiß, was die gemacht haben. Ich weiß alles.“ Anschließend berichtet sie detailliert, wie die Straftaten vonstattengegangen waren und dass die aus der Wohnung gestohlenen Gegenstände zum Teil in verschiedenen Seen versenkt worden seien. Diese Aussage werde sie der Polizei gegenüber aber erst machen, wenn ihr Exfreund sich von seiner neuen Freundin getrennt habe. Als Zeugin vor Gericht, versuchte die 16-Jährige, sich auf Erinnerungslücken herauszureden, und behauptete, sich die Details über die Abläufe der Straftaten „nur ausgedacht“ zu haben. Der Staatsanwalt meinte, die 16-Jährige habe damit „eine fette Falschaussage gemacht“. Auf die junge Frau kann deswegen auch ein Verfahren zukommen. Auch ihre Schwester, sowie ein 32-Jähriger aus Ostercappeln müssen mit Ermittlungsverfahren rechnen, da der Staatsanwalt sie in der Sache für tatverdächtig hält.

„Hanebüchen“

„Für wie blöd müssen sie das Gericht halten?“, fragte der Staatsanwalt, der den Angeklagten kein Wort geglaubt hatte. „Die Geschichte, die die beiden erzählen, ist so hanebüchen, dass ich davon ausgehe, dass die Verteidiger sie sich schon aus beruflicher Selbstachtung nicht zu eigen machen werden.“ Der Staatsanwalt bezeichnete die beiden strafrechtlich massiv vorbelasteten Angeklagten als „Regelkriminelle“, die unter einschlägiger Bewährung gestanden hätten. Er habe nicht den Eindruck, dass es bei den beiden „bald aufhören wird“. Die Wohnung des Bekannten derart zu zerstören, „das ist charakterlich eine sechs Minus.“

Unglaubwürdig

Die Verteidiger der Angeklagten hatten jeweils Freispruch für ihre Mandanten beantragt, da die Indizien nicht für eine Verurteilung der Männer ausreichten. Doch das Gericht sah es anders: Dass die beiden Männer sich eine derart abstruse Geschichte ausdenken, obwohl sie wegen ihrer laufenden Bewährungen „eigentlich schon mit einem Bein im Gefängnis stehen“, sei schon unglaublich, meinte der Richter. „An den großen Zufall, dass unbekannte Täter die Tat verübt haben und zufällig die gleiche Strecke gefahren sein sollen, daran glauben wir nicht.“ Insgesamt schloss sich das Gericht der Einschätzung des Staatsanwalts an und verurteilte die beiden Männer wegen Wohnungseinbruchsdiebstahls und Sachbeschädigung sowie wegen Diebstahls und unbefugtem Gebrauchs eines Fahrzeugs und Sachbeschädigung. Bei der Höhe der Strafe blieb das Gericht vier Monate unterhalb der vom Staatsanwalt geforderten Dauer.


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