70 Jahre in der FDP Rösler und Birkner gratulieren Iburger Friethjof Jessen-Klingenberg

Von Stefanie Adomeit


Bad Iburg. Er hat die gesamte Geschichte der FDP miterlebt und damit ein wichtiges Stück deutscher Geschichte. Der Iburger Friethjof Jessen-Klingenberg wurde jetzt für 70 Jahre Mitgliedschaft bei den Freien Demokraten geehrt, ganz persönlich von Philipp Rösler und Stefan Birkner und – per Videobotschaft – von Christian Lindner.

Dessen Eltern waren extra in den Freden gekommen, um das Jubiläum ihres Freundes mitzufeiern. 70 Jahre in der FDP, ob es noch jemanden gibt, der der Partei so lange die Treue gehalten hat, wusste der Kreisvorsitzende Moritz Gallenkamp nicht. Eins aber war klar für ihn: „Du warst bei jeder Höhe und Tiefe dabei, hast immer im Hintergrund gewirkt, das aber mit vollem Einsatz“. Dabei scheue der 89-jährige Bad Iburger auch kritische Worte nicht. „Du bist der Allererste, der sich zu Veranstaltungen anmeldet und gerne am nächsten Morgen, so zwischen 10 und 11, ein Feedback gibt.“

Rösler kam aus Genf

Mehr als nur Glückwünsche überbringen wollte der frühere Bundesminister Philipp Rösler, der aus Genf gekommen war. „Ich möchte Dir vor allem danken, auch in ehemaliger offizieller Funktion.“ Viel zu selten würden die Ehrenamtlichen der Parteien geehrt, die sich vor Ort engagieren. Jessen-Klingenberg fahre darüber hinaus zu möglichst jedem Bundesparteitag, jedem Dreikönigstreffen. „Das kostet Freizeit und Geld – und nicht alle Parteitage sind spannend.“

Persönlich wurde Rösler, als er an die Freundschaft Jessen-Klingenbergs mit seinem Vater erinnerte: „Du hast den Kontakt bis zu seinem Tod gehalten, manchmal mehr als ich. Dafür möchte ich Dir danken.“ „Solch eine Persönlichkeit kann man nicht ersetzen“, bemerkte Jessen-Klingenberg später.

Weggefährte von Heuss und Maihofer

Dass Jessen-Klingenberg seit seinem Beitritt zur Partei am 28. Januar 1948 Zeitgenosse und Weggefährte großer Liberaler wie Theodor Heuss, Walter Scheel, Werner Maihofer oder Karl-Hermann Flach war, daran erinnerte der Landesvorsitzende Stefan Birkner. So erlebte Jessen-Klingenberg die Phase der sozialliberalen Koalition von 1969 bis 1982 ebenso hautnah wie die Bonner Wende 1982: „Viele Linksliberale haben die Partei damals verlassen, sie musste sich neu sortieren.“ Auch die 90er seien für die Liberalen eine schwierige Zeit gewesen. 1994 flog die Partei aus dem niedersächsischen Landtag. Es kam die Ära von Klaus Kinkel und Wolfgang Gerhardt, dann die von Guido Westerwelle mit dem absoluten FDP-Hoch von 14,6 Prozent im Jahr 2009. Zu ihm hatte Friethjof Jessen-Klingenberg eine besonders tiefe Verbindung.

2013 habe die FDP mit dem Ausscheiden aus dem Bundestag ihren Tiefpunkt erlebt. „Aber Du, Friethjof, bliebst immer eine Konstante.“ Dabei zähle in dieser Partei jedes Mitgliedsjahr doppelt, meinte Birkner. „Ausdruck einer tiefen liberalen Haltung“ sei der Einsatz des Jubilars für seine Partei. Seine Verbundenheit und Überzeugung, Klarheit und Freundlichkeit seien außergewöhnlich: „Wir brauchen in dieser Partei mehr Menschen wie Dich.“

Jeden Tag ein Blitzschlag

Christian Lindner schickte eine Videobotschaft, in der er an einen aufmunternden Daumen Jessen-Klingenbergs während des Dreikönigstreffens 2015 erinnerte. Der FDP-Bundesvorsitzende wünschte dem Jubilar, dass „Du weiterhin so vital und aktiv in unserer Mitte bleibst“ und riet ihm: „Teile Dir Deine Kräfte so ein, dass jeden Tag ein Blitzschlag von Dir zu erwarten ist.“

Friethjof Jessen-Klingenberg selbst hielt seine Rede kurz: Er habe schon 1947 in die FDP eintreten wollen. „Damals hieß es, ich sei nicht mündig.“ Dabei hatte er schon etliche Kontakte zu Husumer Mitgliedern geknüpft. „Viele waren Humanisten, etliche aus dem schwedischen Exil zurückgekehrt.“ Das Feindbild der Freien Demokraten der ersten Stunde sei die CDU gewesen: „Seit 1948 bin ich kein Freund der CDU“, bekannte Friethjof Jessen-Klingenberg, so klar, wie es seine Art ist.