Zwischen alternativlos und „beratungsrenitent“ Bad Iburg behält sein Grundschul-Trio

Von Stefanie Adomeit

Schulschluss in Glane am Freitagmittag: Ranzen und Sportbeutel liegen griffbereit auf dem Boden. Foto: Michael GründelSchulschluss in Glane am Freitagmittag: Ranzen und Sportbeutel liegen griffbereit auf dem Boden. Foto: Michael Gründel

Bad Iburg. Die Kälbchen sind vom Eis. Die Bad Iburger I-Dötzchen werden zur Grundschule auch künftig kurze Wege gehen. Die Ratsmehrheit hat am Donnerstagabend entschieden, jährlich mindestens eine halbe Million Euro in die sanierungsbedürftigen Schulen zu stecken. Aktuell liegt der Bedarf bei elf Millionen Euro. Strittig war neben der Frage Sanierung oder Neubau auch, ob der Beschluss zugunsten der drei Schulen nun eine Grundsatzentscheidung sein sollte oder nicht.

Fast zwei Stunden debattierten die Ratsmitglieder. Ihre Wünsche hatten die Fraktionen in den vergangenen Wochen in Anträgen formuliert. Der erste kam von FDP, CDU und WBG, die auf Sanierung setzen und ihren Plan als faktische Mehrheitsgruppe umsetzen konnten.

Nach der Abstimmung, die mit 15 Ja-Stimmen, neun Nein-Voten und einer Enthaltung endete, sagte Bürgermeisterin Annette Niermann: „Ich folge eurem Antrag für 2018, Geld in die Sanierung der Schulen zu stecken, aber ich kann dieses ‚Wir machen das die nächsten Jahre mal so‘ nicht mittragen. 500000 Euro im Haushalt sind noch kein Konzept. Was ist mit den Turnhallen? Es gibt da so viele Fragen, über die ich im Rat diskutieren möchte“, so Niermann. Entscheidend sei, „was wir uns leisten wollen“. Darum sei es schade, wenn drei Fraktionen meinten, sie wüssten alles und einfach entschieden, statt mit den übrigen Fraktionen und der Verwaltung zu diskutieren.“ Auch die 120 Seiten starke Analyse des früheren Fachdienstleiters Christian Kamlage sei leider nicht zurate gezogen worden.

Keine Alternative

Zuvor hatten die Fraktionen ihre Meinungen ausgetauscht. Matthias Seestern-Pauly von der FDP erklärte, keine Alternative zu sehen. Eine neue Schule zu bauen und finanzieren dauere mindestens sieben Jahre, „das ist uns zu lange“. Die Sanierungskosten von 11,1 Millionen Euro seien nicht höher als ein Neubau inklusive Turnhalle, der bei mindestens 10,7, für eine mittelgute Lösung aber bei 12 bis 13 Millionen Euro liege.

„Wir werden 22 Jahre brauchen, um die Grundschulen so hinzukriegen, wie wir sie brauchen – ohne Inklusion, komplette Ganztagsangebote, Mensa und Sozialräume“, rechnete Daniel Schneider (Grüne) vor. Jetzt einen Grundsatzbeschluss zu treffen sei falsch: „Geh mal in die Turnhallen“, wandte er sich an Seestern-Pauly, „da muss richtig investiert werden“. Die einzige Lösung sei die Entscheidung für eine Grundschule in einem zentralen Gebäude, damit die Verwaltung einen Zeitplan erarbeiten könne. „Ihr verschiebt das Problem.“ Schneiders Fraktionskollegin Renate Ralle bedauerte den „unausgereiften“ Vorschlag der Ratsmehrheit: „Wir müssen etwas tun, brauchen aber einen Grundsatzbeschluss.“

Schulleiter und Eltern wollen Schulen behalten

Es sei viel zu lange nichts getan worden, fand Michael Ryll von der CDU. Man habe mit den Schulleitern gesprochen, Hausmeistern, Eltern, Lehrern: Alle seien für die Beibehaltung der Schulen gewesen, sagte Jörg Ritterbusch (FDP). Der Unabhängige Roland Mohrmann forderte Nachbarschaftsschulen für „kleine Menschen mit großen Tornistern“.

Nachdem der Rat Jahrzehnte nicht gehandelt habe, werde jetzt eine Entscheidung übers Knie gebrochen, kritisierte der Grüne Manfred Tobergte und beantragte die namentliche Abstimmung, „weil uns diese Grundsatzentscheidung über Jahre beschäftigen wird“.

Es gehe gar nicht um einen Grundsatzbeschluss, sagte Christian Averdiek: Die CDU könne sich auch keine dauerhafte Einzügigkeit vorstellen, aber die Schülerzahlen würden steigen. Bernhard Heringhaus (WBG) erinnerte an die Investitionsbereitschaft des alten Rates: „Für Glane waren es 2017 30000 Euro.“ Jetzt würden, auch durch glückliche Zufälle, 1,4 Millionen Euro investiert: „Gut so.“

Beratungsrenitent

„Wir zweifeln die Qualität der Grundschulen nicht an, aber pädagogische Vielfalt gelingt auch an großen Schulen“, bemerkte Nazih Musharbash (SPD) und erinnerte an die gemeinsame Geschichte von SPD und FDP: „Wir waren jahrelang eine Gruppe, forderten gemeinsam ein Gutachten über den Zustand der Grundschulen, um sachgerecht entscheiden zu können.“ Das Gegenteil sei passiert: Erst durch ein Kandidatenplakat Seestern-Paulys habe die SPD erfahren, dass er sich bereits für die drei Grundschulen entschieden habe. „Daraufhin haben wir die Zusammenarbeit aufgekündigt.“

Inzwischen hat die Stadt drei Gutachten im Schrank: „Alle gehen von rückläufigen Schülerzahlen aus, alle halten drei Grundschulen für nicht vertretbar und warnen vor ständigen Sanierungskosten.“ Um die Schulen auszulasten, müsse Iburg jährlich 80 bis 100 Bauplätze ausweisen. „Es wird den Schülern in einer zentralen Schule gut gehen“, kündigte Musharbash an. Mensa, bessere Inklusionsangebote, das sei dort gesichert. Deshalb sei die Entscheidung der konservativen Mehrheit falsch und unvernünftig: „Wir brauchen den Willen couragierter Mandatsträger, weil es ums Allgemeinwohl geht. Wir sind der Rat für unsere Stadt, nicht für einzelne Ortsteile.“ Dass man sich erst beraten lasse und die Ergebnisse dann nicht akzeptiere, fasste Musharbash ins Neuwort „beratungsrenitent“.


Die drei Grundschulen

Die Grundschule Glane hat 140 Schüler. Der erste Jahrgang ist einzügig, die Jahrgänge zwei bis vier sind zweizügig. Wie viele die Kinder die Grundschule Ostenfelde besuchen, ist auf der Homepage der Schule nicht ersichtlich. Die Grundschule am Hagenberg wird in diesem Schuljahr von 158 Kindern besucht, die sich auf vier Lerngruppen in der Eingangsstufe sowie zwei dritte und zwei vierte Klassen aufteilen.