Planer: Kontrolle und Freiraum Iburger Laga-Besucher brauchen „besitzbare Stadt“

Von Stefanie Adomeit


Bad Iburg. „Sie werden davon etwas haben.“ Was Verkehrsplaner Heinz Mazur den Iburgern versprach, erfordert Umdenken und die Bereitschaft zur Veränderung. Denn „wenn die Laga zu Ende ist, brauchen Sie nicht mehr zu sagen: Kommen Sie doch mal in unsere Stadt.“

Der Hannoveraner hat den Stadtkern mit verkehrsplanerischem Blick untersucht. Ergebnis: Die Innenstadt hat zu wenig Besucher. Für Auswärtige ist sie kaum zu finden, sie wird von Falschparkern blockiert und ist – auch deshalb – fußgängerunfreundlich und ungemütlich.

Mazur sollte für die Zeit der Landesgartenschau und danach ein verkehrliches Leitbild entwickeln, das er den Anliegern in der Aula des Gymnasiums vorstellte. Anlass waren eine Anregung des Marketingvereins und ein Antrag aus der Politik. 100 Anwohner kamen, diskutierten mit Planer und Bürgermeisterin und auch untereinander. Denn die Interessen unterscheiden sich. Während sich die einen Ruhe vor ihrer Wohnungstür wünschen, sind es bei anderen Parkplätze vor Praxis oder Kanzlei. Um die Innenstadt für die Laga-Besucher hübsch zu machen, braucht es Kompromisse.

Iburg erwartet eine halbe Million Besucher

Ziel für die Zeit von April bis Oktober ist erst mal eine Verkehrsberuhigung. Denn wenn von der halben Million Besucher, die die Stadt zur Landesgartenschau erwartet, nur ein Bruchteil bis zur Schlossstraße vordringt, bummelt, schaut, sich ausruht, einkehrt oder shoppt, geht das nicht ohne eine Umgestaltung des Verkehrsraums. „Sie brauchen eine Verhaltensänderung“, appellierte Mazur an die Iburger.

Der Aufforderung zum Wandel ging die Analyse der Iburger Verhältnisse voraus. Stichwort Parkplätze: „Die Hälfte ist frei“, sagte Mazur. Die größte Auslastung sei zwischen 11 und 12 Uhr vormittags zu sehen. Insgesamt aber sei die Situation sehr entspannt: „Entweder hat die Innenstadt zu wenig Besucher oder sie kommen mit dem Fahrrad.“

Problematisch seien die Falsch- und Dauerparker auf den Kurzzeitparkplätzen. „Von 27 waren 22 von Falschparkern besetzt.“ Wegen der Enge der Altstadt würden die Wege für Fußgänger beschwerlich. „Sie müssen hintereinander hertippeln.“ Autos blockierten auch Rollstuhlfahrer und Kinderwagen. „Die Barrierefreiheit ist sehr eingeschränkt.“ Dabei habe Bad Iburg doch praktischerweise schon einen Parkring rund ums Zentraum, der aus B51, Kleestraße, Drostenhof, Münsterscher Straße und wieder der B51 besteht.

Hanseplatz wird Piazza

Manko Nummer zwei: Die Stadt hat keine Radparkplätze, die Straßenbeläge sind weder schön noch praktisch. Und: „Die Innenstadt als Auswärtiger zu finden ist fast unmöglich.“ Und nun finde auch noch die Laga außerhalb des Zentrums statt. Das soll sich ändern: Der Hanseplatz solle zur Piazza mit mehreren Gastronomen werden, kündigte Annette Niermann an.

Das Angebot soll von einer kleinen, temporären Fußgängerzone flankiert werden. „Die kleinste Variante würde den oberen Bereich der Großen Straße, die Schlossstraße von der Beckerteichpforte bis zur Hausnummer 6 und den Hanseplatz umfassen“, schlug Mazur vor. Der Hanseplatz spiele als Gelenk und schon jetzt mit Wochenmarkt und Kleinem Weihnachtsmarkt eine zentrale Rolle.

Die Sperrung könnte auf die Stunden von 12 bis 19 Uhr beschränkt und durch Einfahrtverbotsschilder, Einbahnstraßen und Poller geregelt werden. Eine Rettungsgasse bleibe. Ungewohnt ist die Sperrung nicht. Schon jetzt ist zwischen Samstag- und Sonntagabend Schicht im Durchfahrtsschacht.

Zufahrt über Beckerteichpforte

Lieferverkehr wäre bis 12 Uhr möglich, Möbelwagen und Baufahrzeuge hätten freie Bahn. Die Arztpraxen seien in maximal drei Minuten langsamsten Gehens erreichbar, erklärte Mazur. Hauptweg in die Innenstadt soll die Beckerteichpforte werden, auch für Radler. Besucher des Schlosses können die City über Rathausstraße, Kleine und Große Strafe wieder verlassen.

Durch eine konsequente Parkraumbewirtschaftung sollen Wildparker gezähmt und Dauerparker auf Plätze an der B51 geführt werden. „Acht Minuten zur Arbeit sind zumutbar“, erklärte der Planer.

Die Parkplätze am Zentrum, zum Beispiel in der Arkadenstraße, sollen maximal 2,5 Stunden und mit Parkschein frei sein. Eine klare Beschilderung leite die Autofahrer: Mazur zeigte ein Schild mit Richtungspfeil und der Beschriftung: Hagenpatt 57 Plätze, zu Fuß vier Minuten. Die gesamte Innenstadt soll zur Tempo 10- oder 20-Zone werden. Eingangspforten wie die Münstersche Straße hätten reichlich Verbesserungspotenzial, ebenso die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt in Sachen Verkehr, findet Mazur.

Aufräumen in der Innenstadt

Die Innenstadt selbst soll regelrecht aufgeräumt werden. Es geht um klare Strukturen statt Orientierungslosigkeit. Mit Bänken, Blumenkübeln, Sitzklötzen und viel Freiraum sollen Laga-Besucher Bewegungsfreiheit auf 2,50 Meter breiten Wegen und in Ruhezonen erhalten: „Sie brauchen eine besitzbare Stadt“, forderte Mazur mit Blick auf die Kernzielgruppe. Der demografische Wandel bringe einen höheren Anspruch an Verkehrsräume mit sich. Ziel sei langfristig die Verbesserung der Verkehrsqualität. Dazu gehört die Barrierefreiheit, die bis 2022 ohnehin gesetzlich vorgeschrieben ist.

Ob die Stadt ihre Teilzeit-Fußgängerzone behält, könne sie nach der Gartenschau diskutieren. Wenn Bad Iburg aber vitaler werden wolle, sei sie nur zu empfehlen, so Mazur: „Die Abwägung treffen sie.“

Die Zuhörer wogen ab, auch ihre eigenen Interessen. Nicht jeder war mit den Vorschlägen einverstanden. So monierte Rechtsanwältin Esther Kessen-Albers, dass die Klotzbahn von Mitarbeitern des Gerichts blockiert werde. Ihre Mandanten hätten es schon jetzt schwer, einen Parkplatz zu finden. Sie regte an, die Fußgängerzone auf die Nachmittagsstunden zu beschränken.

Die Altstadt ist eng

Für Mazur kein Argument: „Öffentlicher Straßenraum ist kein Ersatz für private Stellplätze. Sie haben hier eine Altstadtlage. Es ist eng, da muss man kompromissbereit sein. Auf einem Parkplatz etwas außerhalb kann ihr Mandant in Ruhe zwei Stunden parken.“ Dieser Gedanke sei in Iburg noch nicht etabliert. Es brauche eine Verhaltensänderung. Im Übrigen fielen in der Innenstadt maximal acht Plätze weg.

Die Hausherrin des Schlosses und Chefin des Staatlichen Baumanagements Cristina Bierschenk war mit Kessen-Albers‘ Wortwahl „blockieren“ wenig einverstanden. 180 Mitarbeiter und die Besucher der Behörden auf dem Schloss über Rathausstraße, Kleine und Große Straße abzuleiten, hält sie für gefährlich. „Das ist zu eng. Besser wäre es, die Poller auf der Rathausstraße in Richtung Münstersche Straße zu entfernen.“ Ein Vorschlag, dem wiederum Anwohner Hans Tovar nichts abgewinnen konnte.

Niermann kündigte an, das Konzept mit Kreis, Verkehrsbehörden und Politik zu beraten. „Natürlich gibt es Einschränkungen“, stellte sie klar, „aber wir wollen doch mehr Leute nach Bad Iburg holen“.