Im Schulausschuss Konservative Mehrheit will drei Iburger Grundschulen behalten

Von Stefanie Adomeit

Kurze Beine, kurze Wege: An diesem Konzept will die Mehrheit der Bad Iburger Schulausschussmitglieder festhalten. Foto: Jonas GüttlerKurze Beine, kurze Wege: An diesem Konzept will die Mehrheit der Bad Iburger Schulausschussmitglieder festhalten. Foto: Jonas Güttler

Bad Iburg. Der Iburger Schulausschuss hat eine richtungsweisende Vorentscheidung getroffen. Mit den Stimmen von FDP, CDU und WBG wurde die Zukunft der drei städtischen Grundschulen gesichert. Um den Sanierungsstau abzubauen, der je nach Partei mit 8 bis 10 Millionen Euro beziffert wird, sollen die Schulen jedes Jahr mindestens 500000 Euro erhalten.

Drei Anträge lagen dem Ausschuss vor, ein gemeinsamer von FDP, CDU und WBG, einer der SPD und einer der Grünen. Die Fronten waren klar gezogen: Die drei konservativen Fraktionen zogen in die eine Richtung, SPD und Grüne in die andere. Die Stimmenmehrheit der Dreier-Kombi gab den Ausschlag. Der Antrag ging mit sieben Ja-, drei Nein-Stimmen und einer Enthaltung durch.

Überraschend hatte der Ausschussvorsitzende Jörg Ritterbusch (FDP) über den FDP-CDU-WBG-Antrag diskutieren und abstimmen lassen. Üblicherweise wird zunächst über den weitreichendsten Antrag abgestimmt. Das wäre eindeutig der von SPD oder Grünen gewesen. So aber hatte Matthias Seestern-Pauly das erste und das letzte Wort.

Die Argumente der FDP: Ein Neubau sei nicht günstiger als die Sanierung, unter anderem, weil auf zwei Grundstücken eine Erbpacht liege und der Abriss der Gebäude nicht einkalkuliert sei. Zudem brauche die Stadt die drei Sporthallen für die Vereine. Entscheidend müsse sein, was für die Schüler sinnvoll ist. „Die Schulleitungen sagen uns, dass 500000 Euro Sanierungszuschuss im Jahr reichen“, so Seestern-Pauly. Zudem könne die Stadt die geschätzt 10 Millionen für einen Neubau nicht bezahlen. Auch werde die neue Schule eventuell zu groß, um genehmigt zu werden.

CDU: „Dem konnten wir uns leicht anschließen“, sagte Michael Ryll. Der Zustand der Schulen sei beschämend und gefährlich. Deshalb brauche man einen Beschluss, „der morgen greift“.

WBG: „Größere Einheiten sind schwieriger für die Kinder“, meinte Sabine Glosemeyer. Das Dorfleben gehe kaputt, die Ostenfelder Schule sei „gar nicht so marode“.

Mit Inklusion und Ganztag neue Anforderungen

SPD: Rosemarie Hein erinnerte an die Berechnungen von 2012: Damals wurden 5,5 Millionen Euro für die Sanierung errechnet, hinzu kamen die Turnhallen. Ihr Vorschlag: „Wir sollten alle Anträge ruhen lassen, interfraktionell beraten und dann schnell entscheiden.“ Das sei besser, als jedes Jahr 500000 Euro in marode Schulen zu investieren. Schließlich kämen neue Anforderungen für Ganztag und Inklusion dazu.

FDP: Für Matthias Papenbrock zählten allein die „1000 Unterschriften von Glaner Eltern“ für den Erhalt der Schule.

Grüne: „Wir reißen mit 167000 Euro pro Schule nicht wirklich etwas“, wandte Renate Ralle ein. Sie regte an, zu prüfen, ob die Stadt einen Neubau bewältigen kann: „Ansonsten haben wir Tropfen auf dem heißen Stein.“

FDP: „Die Schulen sind seit Jahren unterfinanziert. Mit Schieben verbessern wir die Situation der Gebäude nicht“, sagte Seestern-Pauly. Außerdem seien die Heizkosten extrem gesunken. Ein Teil des Eingesparten könne in die Sanierung gesteckt werden.

Immenser Sanierungsstau

Für Dirk Jansen, Leiter der Realschule, ist Planungssicherheit das beste Argument. „Wir haben in allen vier Schulen einen immensen Sanierungsstau: Ich kann mich an über 10 Millionen Euro erinnern. Da geht es um Fluchtwege, Schimmel, technische Ausstattung...“ Er sei froh, wenn sich etwas bewege.

Kämmerin Monika Schnaars erinnerte an das Entschuldungskonzept, nach dem Bad Iburg ab 2020 nur noch eine Million Euro netto investieren darf. „Und da ist das Feuerwehrhaus noch nicht mit eingeplant.“ Die Nettoneuverschuldung dürfe höchstens bei 1,9 Millionen liegen, „diesen Betrag überschreiten wir aktuell“. Da Bad Iburg seit wenigen Tagen ein Expertengutachten über 140 Seiten vorliege, schlug sie vor, eine Arbeitsgruppe Finanzen oder ein interfraktionelles Treffen zu arrangieren, um Maßnahmen zu erarbeiten.

SPD: „Was Jahrzehnte kaputtgespart wurde, können wir nicht durch ständiges Reinpumpen wieder einholen“, erklärte Michael Randelhoff. Langfristig brauche Bad Iburg keine drei Grundschulen, drei Hausmeister und drei Mensen.

Welche Folgen hat das Festhalten an drei Standorten

WBG: „Es ist doch nicht alles schlecht in den Gebäuden“, wandte Glosemeyer ein. „Doch, in Glane schon“, entfuhr es Hein. „Ja gut, in Glane“, bestätigte Glosemeyer.

Bürgermeisterin Annette Niermann gab zu bedenken: „Wir haben hier einen Grundsatzentscheid, über den wir noch nicht diskutiert haben, schaffen aber Fakten.“ Stattdessen sollten die Fraktionen lieber ernsthaft bereden, welche Folgen das Festhalten an drei Grundschulen haben wird. „Das muss man das durchkalkulieren.“

Jörg Ritterbusch schloss die Rednerliste und erteilte Seestern-Pauly das Wort. Der fand es nicht nur wegen der Lautstärke unglücklich, Hunderte Grundschüler auf einmal in einer Mensa zu verköstigen.