Scharfe Kritik an Rat und Verwaltung Feldhaus: Iburger Innenstadt ist ein Sanierungsfall

Von Stefanie Adomeit

Wohin fließt das Geld, das die Iburger in der eigenen Stadt ausgeben? Offenbar immer weniger in den Stadtkern. Foto: Jörn MartensWohin fließt das Geld, das die Iburger in der eigenen Stadt ausgeben? Offenbar immer weniger in den Stadtkern. Foto: Jörn Martens

Bad Iburg/Bad Laer. Die Bad Laerer Unternehmerfamilie Feldhaus hat viel in und für Bad Iburg getan. Weil sie hier angeschlagene Häuser kernsaniert, ob alte Schlachterei oder Hubertushof, liegt ihr die Entwicklung des Ortskerns am Herzen. Aus Eigeninteresse, aber auch dem Wunsch, ihn attraktiver zu machen. Jetzt hat die Familie einen Brandbrief an den Rat geschrieben.

Auf acht Seiten formulieren Brunhilde und Bernhard, Nicola und Frank Feldhaus ihre Gedanken über die Stadtentwicklung und regen an, Rathausstraße, Schlossstraße, Große Straße, Kleine Straße und Drostenhof zum Sanierungsgebiet zu machen. Ihr Planer Andreas Heuer hat sich einen Überblick über die Gebäude im Stadtkern verschafft. „Sieben Immobilien stehen aktuell zum Verkauf.“ Bei vielen weiteren kämen die Einzelhändler langsam ins Rentenalter, „oft fehlen die Nachfolger“, stehe ein Generationswechsel an, liefen Mietbindungen aus, seien die spärlichen Bewohner betagt oder die Wohnhäuser in einem schlechten Zustand.

„Der Leerstand ist eklatant hoch“, sagt Heuer, „und er wird wohl noch höher“. Vielen Hausbesitzern falle es immer schwerer, Mieter zu finden. Heuer und Feldhaus fordern deshalb Mut zur Veränderung und „die ernsthafte Beschäftigung mit einer nachhaltigen Innenstadtsanierung“. Diese würde allen helfen, Hausbesitzern, Geschäftsinhabern und Bewohnern.

Nur Gutachten

„Wir möchten für alle sprechen“, betont die Familie Feldhaus denn auch. Seit Jahrzehnten gebe die Stadt Gutachten in Auftrag, passiert sei nichts. „Familie Feldhaus zeigt nur Defizite auf“, erklärt Heuer, der überzeugt ist, dass klare Ziele und vernünftige Rahmenbedingungen sofort privates Engagement und Investoren nach sich ziehen würden.

Ein entscheidender Faktor seien die Bewohner: „200 bis 300 mehr Innenstadtbewohner würden den Stadtkern schon sehr beleben. Sie könnten viele Besorgungen zu Fuß machen.“

Ein Riesenhemmnis für Eigentümer und künftige Investoren sei die Pflicht zur Ausweisung von Parkplätzen: „Manche Geschäfte an der Großen Straße zum Beispiel haben dafür schlichtweg keinen Platz.“ Sie können sich mit teuren Ablösen frei kaufen. „Vernünftig wäre es, diese Gelder in ein Parkhaus zu stecken, aber nein, das Geld versickert irgendwo“, ärgern sich Feldhaus’.

Vollsperrung brach das Genick

Ihre Sorgen hat die Familie schon oft geäußert, seit Jahren. „Leider hat man das nicht ernst genommen.“ Aus dem Rathaus habe es keine Reaktion gegeben. Auch deshalb begrenzen die Bad Laerer ihr Engagement in Bad Iburg derzeit auf den Substanzerhalt und das Bemühen, Leerstände zu verhindern.

Das betrifft auch das Haus an der Großen Straße, in dem „Ihr Platz“ um sein Überleben kämpfte. Die Pächterin habe die Ansiedlung von Rossmann überstanden, „die unendlich lange Bauzeit an der B51 und die inakzeptabel lange Vollsperrung des Dorstenhofs haben ihre Existenz zerstört“, konstatieren Feldhaus’. Selbst mietfrei habe die Betreiberin keine Chance mehr gesehen. „Was uns ungemein stört, ist das fehlende Gespür der Verantwortlichen in solch einer kritischen Phase.“

Infrastruktur vernachlässigt

An der Großen Straße 7/9 werden nun Erdgeschoss und Fassade umgestaltet, eine Passage erschließt das Hinterhaus, mit Blick auf seine Geschichte erhält das Haus den Namen „Zur Alten Metzgerei“. Die Neueröffnung soll zeitgleich mit dem Laga-Start erfolgen.

Ärgerlich findet die Familie Feldhaus, dass die Infrastruktur rund um ihr Mühlentorzentrum – im Gegensatz zur Osnabrücker Straße und zur Fuchsbreite – vernachlässigt werde, wie sie meint. Die kleine Brücke zur Großen Straße 39/41 sei nicht mehr verkehrssicher, „den Zustand bemängeln wir seit einem knappen Jahr. Leider wird immer nur notdürftig geflickt“. Brücke und Wege gehören zwar den Bad Laerern, sind aber der Stadt gewidmet.

Dass die Maßarbeit, mit der Bernhard Feldhaus „sehr offene und ehrliche Gespräche“ führte, schließlich nicht nach Bad Iburg, sondern nach Dissen zog, sei am politischen Willen der damaligen Mehrheitsfraktion gescheitert. Offenbar habe man die Kunden der Maßarbeit nicht im Kurort sehen wollen.

Steuergelder werden verschwendet

Auch dass die Stadt nach dem Tauschgeschäft vor fast zwei Jahren die Rechtsabbiegerspur von der Bielefelder zur Münsterstraße noch nicht gebaut habe, verstehen Feldhaus‘ nicht. Die Familie wartet darauf, um das Mühlentorzentrum zu erweitern. Immer wieder seien die schlechte Erreichbarkeit durch Rückstaus und die holperige, enge Münsterstraße ein Hindernis für potenzielle Mieter gewesen, sich anzusiedeln.

Zufällig habe er erfahren, dass die Stadt die Decke der Münsterstraße nun noch schnell vor der Laga erneuern will, sagte Heuer. Das freut Familie Feldhaus zwar. Für den Endausbau samt Tiefbauarbeiten müsse aber alles wieder aufgerissen werden: „Da werden Steuergelder verschwendet.“

Dabei gehe es der Familie nicht bloß um die eigenen Immobilien, auch wenn sie in den vergangenen Jahren etwa 23 Millionen in Bad Iburg investiert habe: „Hier läuft etwas richtig schief. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, geht es massiv bergab“, fürchtet ihr Planer Andreas Heuer.

Nur einer aus dem Rat hat geantwortet

Enttäuscht ist Bernhard Feldhaus, dass von den Ratsmitgliedern bisher nur eines auf seinen Brief reagiert hat. Roland Mohrmann antwortete Feldhaus und beantragte, seine Kritik und Anregungen am 15. Februar im Rat zu behandeln.