Besuch bei Guido Waltermann Pferdepensionsleiter in Bad Iburg auf Expansionskurs

Von Catharina Kronisch


Bad Iburg. Guido Waltermann lebt mit seiner Familie dort, wo andere ihre Freizeit verbringen: auf dem Reiterhof. Er leitet die Pferdepension Waltermann in Bad Iburg. Den Hof von seinem Vater zu übernehmen, das war schon als Kind sein Traum. Pferde und ihre Besitzer gehören zu seinem Leben, genauso wie die tägliche Stallarbeit. Jetzt ist er auf Expansionskurs und hat eine neue Reithalle gebaut.

Es riecht nach frischem Stroh und Heu, das Schnauben der Pferde schafft eine gemütliche Atmosphäre und im Stall herrscht reges Treiben. Trotzdem fällt die Hektik des Alltags zwischen Wiehern und Hufgetrappel schnell von einem ab. Szenisch erinnert alles an eine romantische Filmkulisse: Gepflegte Stallungen, große Wiesen und zwei Reitplätze umrahmen den Hof, eine geräumige Reithalle mit offenen Paddockboxen sticht sofort ins Auge. Das Gelände liegt ländlich und idyllisch am Teutoburger Wald. Der Stallbesitzer Guido Waltermann lebt dort zusammen mit seiner Frau Sandra, seinen drei Kindern Jonas (16), Lisa (15), Ben (10) und seinen Eltern. Es ist ein Familienbetrieb, der den Aufzeichnungen nach seit 1885 besteht. Doch Pferde wurden dort ursprünglich nicht gehalten. „Früher haben bei uns unter anderem Rinder, Kühe und Schweine gelebt“, sagt Guido Waltermann. Nach und nach sei der Wunsch Pferdeställe einzurichten immer größer geworden.

Zu wenig Platz zum Reiten

Der Stall Waltermann liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Anlage des Reit- und Fahrvereins Bad Iburg. „Die Anfragen von Reitern wurden Anfang der 90er-Jahre immer mehr, ob wir nicht Platz für Pferde schaffen könnten“, sagt Waltermann. Im Jahr 1995 war es dann so weit und der Betrieb ist mit sechs Pensionspferden gestartet. Im Laufe der Jahre sind es immer mehr geworden, die Stallungen wurden nach und nach für die Pferdehaltung umgebaut. Im Fokus: das Pferd als Kunde. „Es liegt mir am Herzen, dass es die Tiere gut bei uns haben“, erklärt Waltermann. „Bis September hatten wir hier ungefähr 20 Pferde stehen, mittlerweile sind es 45.“ Mit der Zeit sei es zu eng geworden auf dem kleinen Hof. „Wenn unsere Reiter im Winter bei schlechtem Wetter in einer überdachten Halle trainieren wollten, dann mussten sie die Reithalle des Reitvereins nutzen.“ Die Vereinshalle sei deshalb zeitweise überfüllt gewesen. Darum sei der Bau einer eigenen Reithalle zwingend notwendig gewesen, die durch zwei Reitplätze und eine Führanlage ergänzt wird. Doch das Projekt stand zunächst auf wackeligen Beinen.

Kurz vor dem Aus

„Ich war nicht immer hauptberuflich im Familienbetrieb aktiv“, erzählt der 46-Jährige bei einem heißen Kaffee in der Küche des gemütlichen Wohnhauses, das direkt an einen Stall grenzt. Er ist gelernter Landmaschinenmechaniker und hat früher nebenbei am Stall seines Vaters Reinhard ausgeholfen. Als dieser in den Ruhestand ging, war die Zukunft des Hofes zunächst nicht sicher. Dabei kam auch bei Waltermann persönlich Zukunftsangst auf. „Ich musste mir überlegen, ob ich den Betrieb komplett übernehmen und dafür meinen sicheren Job an den Nagel hängen möchte, das war sehr schwierig für mich.“ Er habe zwischen den Stühlen gestanden. „Wir waren schon kurz davor, die Pension zu schließen und wollten unsere Einsteller darüber informieren“, sagt er. Dieses Thema ist dem Pensionsleiter sichtlich unangenehm. Er rutscht unruhig auf dem Küchenstuhl hin und her. „Am Ende habe ich mich, nach vielen hitzigen Diskussionen, für den Familienbetrieb entschieden.“ Dabei sei ihm wichtig gewesen, dass der Hof in Zukunft finanziell mehr abwerfen würde. Der Plan: die Anlage für Pferd und Reiter attraktiver zu gestalten und konkurrenzfähig zu bleiben. Seit September ist nun mehr Platz zum Reiten auf dem Hof Waltermann, denn seitdem steht die neue 20 mal 40 Meter große Halle, an der auch 25 neue Paddockboxen liegen.

Ein Herz für Pferde

Der Vorteil der modernen Boxen: „Die Pferde können selbst entscheiden, wann sie überdacht im Stall oder draußen an der frischen Luft stehen wollen.“ Eine artgerechte Haltung sei wichtig. „Das heißt, dass die Pferde professionell gefüttert werden und auch jeden Tag ganzjährig Auslauf auf der Weide haben“, erklärt Waltermann. Das „All Inclusive-Konzept“ und die neue Reithalle kommen bei den Pferdefreunden an: „Für einen Platz in unserem Stall haben wir mittlerweile schon eine Warteliste.“

Keine geregelten Auszeiten und körperlich harte Arbeit

„Urlaub mache ich eher selten“, sagt Waltermann. Die Pferde müssten immer versorgt werden. „Egal ob Reparaturarbeiten an den Weiden, füttern, ausmisten, einstreuen oder Heu und Stroh einfahren, hier haben wir immer etwas zu tun“, sagt Waltermann mit Blick auf seine Tochter Lisa, die nach dem Reiten in die Küche gekommen ist. „Ich versuche aber, mir kleine Auszeiten zu gönnen, in diesem Jahr fliegen wir das erste Mal seit langer Zeit wieder in den Urlaub.“ Die Aussicht auf ein bisschen Erholung zaubert Waltermann ein Lächeln ins Gesicht. Er ist zufrieden. „Meine Arbeit macht mir unglaublich Spaß, ich schätze unsere Reiter, unsere Stallgemeinschaft sehr, alle sind hilfsbereit und offen.“ Den Hof seines Vaters zu übernehmen sei die richtige Entscheidung gewesen. Man merkt, dass sich sein Traum erfüllt hat.