150 Kunden im Monat Bad Iburg lässt Helfer der Kleiderkammer warten

Von Stefanie Adomeit

Vor genau zwei Jahren wurde die Kleiderkammer am Bahnhof dank vieler Helferinnen eröffnet. Archivfoto: Claudia SarrazinVor genau zwei Jahren wurde die Kleiderkammer am Bahnhof dank vieler Helferinnen eröffnet. Archivfoto: Claudia Sarrazin

Bad Iburg. Sie arbeiten ehrenamtlich, mancher fast Vollzeit. Die Kleiderkammer ist für den Arbeitskreis Asyl und zwölf tatkräftige Frauen eine Herzenssache – und für ihre Kunden ein Ort, an dem es nicht nur Kleidung, sondern auch Hilfe und Verständnis gibt. Doch nicht jeder hält den Laden an der Bahnhofstraße 5 für nötig.

Der Ökumenische Arbeitskreis hat die Stadt um einen Mietzuschuss gebeten. 300 Euro Pacht müssen die Ehrenamtlichen für die Kleiderkammer bezahlen, die jeden Monat 140 bis 150 Kunden hat. Weitere 150 bis 200 Euro bringen sie selbst auf: Denn Hosen, Jacken, Blusen und Schuhe werden in der alten Tischlerei Blanke am Bahnhof nicht verkauft, sondern gegen eine kleine Spende von zwei bis drei Euro abgegeben. Die Erstausstattung ist kostenlos. Und wer gar kein Geld hat, bekommt auch so etwas.

Gegründet wurde die Kleiderkammer vor drei Jahren, als bis zu 120 Flüchtlinge in der Außenstelle der Aufnahmestelle in der Iburger Jugendherberge wohnten. Schnell zeigte sich: Diesen Menschen fehlte es an allem, auch an Bekleidung. „Die Kammer entstand aus der Not heraus“, sagte Thomas Puke vom Arbeitskreis. Am Offenen Holz platzte der Raum rasch aus sämtlichen Nähten: Etwas Neues, Größeres musste her.

Neustart an der Bahnhofstraße

Vor zwei Jahren gelang der Neustart am Bahnhof – dank der Hilfe des Marketingvereins, des Vereins „Zukunft für Kinder“ und eines Unternehmers, der für zwei Jahre die Miete übernahm. Liebevoll richteten die 40 Aktiven des Arbeitskreises und Iburger Flüchtlinge die 170 Quadratmeter her, verlegten 100 Meter Kabel, strichen und spachtelten, hängten Spiegel auf und schraubten Regale an die Wand. Sogar an die Kinderspielecke wurde gedacht. Die katholische Kirchengemeinde übernahm die Trägerschaft. Schnell war klar: Die Kleiderkammer ist ein Erfolg: 2016 wurden hier 500 Flüchtlinge eingekleidet.

Viele Flüchtlinge sind verschwunden, wurden zurück in ihr Heimatland geschickt oder wohnen anderswo in Deutschland. 40 leben weiterhin in Bad Iburg. Und auch sie sitzen noch nicht fest im Sattel, brauchen praktische Hilfe und Rat, auch in der Kleiderkammer.

Menschen mit Mini-Einkommen

Doch nicht nur Flüchtlinge sind ihre Kunden. Es sind Menschen mit Mini-Einkommen, Menschen von der Straße und arme Einwohner der umliegenden Ortschaften, „Wir sind selbst von der Entwicklung überrascht und aufgrund der Familiengeschichten, die wir hören, noch motivierter“, sagt Helmut Buschmeyer. Er ist überzeugt: „Ohne die Kleiderkammer gäbe es unsägliche Notlagen.“

Deshalb verstehen er und der Arbeitskreis nicht, dass manche Ratsmitglieder die Kleiderkammer für verzichtbar halten, weil es auch in Bad Laer und GMHütte soziale Kaufhäuser oder Kleiderkammern gebe. Nicht nur, dass die Iburger Einrichtung mit der Rumänienhilfe kooperiere, sie werde dringend gebraucht. Deshalb sei die Unterstützung durch die Stadt unverzichtbar. „Wir verkennen nicht die schwierige Finanzsituation Bad Iburgs, aber die Kleiderkammer ist nicht nur christliche Sozialarbeit, sie dient auch dem Image unserer Stadt.“

Man habe den Arbeitskreis gebeten, eine Institution um Unterstützung für die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit zu bitten, berichtet Buschmeyer aus Gesprächen mit Stadtrat und Verwaltung. Der Rat schlage vor, Firmen um Jahresspenden anzusprechen. Buschmeyer wäre zwar bereit, Firmen in einer gemeinsamen Aktion mit Bürgermeisterin Annette Niermann um Hilfe zu bitten. Einen alleinigen Bettelgang des Arbeitskreises lehnt er ab.

Kein Geld für den Arbeitskreis

Schon im Februar 2017 hatte der Arbeitskreis einen Antrag auf Pachtübernahme gestellt; damals als Option aus dem Landkreiszuschuss von 23000 Euro. Auch beantragte er, eine 450-Euro-Stelle für die Flüchtlingssozialarbeit zu schaffen. Der Rat beschloss stattdessen, einen freien Träger mit der Flüchtlings- und Sozialarbeit zu beauftragen. Für den Arbeitskreis blieb nichts übrig.

Im November 2017 forderte die Stadt den Arbeitskreis nun auf, einen erneuten Antrag zu stellen. Die Entscheidung des Verwaltungsausschusses: Man unterstützt die Kleiderkammer einmalig mit 600 Euro, um sie für Januar und Februar abzusichern. Was danach passiert, soll in den Haushaltsberatungen besprochen werden. Ende offen.


Kleiderkammer

Die Öffnungszeiten der Kleiderkammer an der Bahnhofstraße 5 sind dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr. Außerhalb dieser Stunden werden abgegebene Kleidungsstücke sortiert, gewaschen und gebügelt.