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Weihnachten und Hungerwinter Heimkehr 1946 nach Bad Essen

Von Andreas Schnabel | 25.12.2016, 16:03 Uhr

Mit Weihnachten verbinden viele Menschen ganz besondere Erinnerungen. So auch Hermann Dierker aus Eielstädt.

Als der Soldat Hermann Dierker 1946 nach Krieg, Gefangenschaft und Internierungslager mit dem Zug am Bahnhof Bohmte ankam und in seiner eingefärbten amerikanischen Uniform etwas verloren am Bahnsteig stand, da sah er einen Mann mit dem Fahrrad vorbeifahren. Das war doch sein Vater Friedrich ! Was für ein Zufall !

Er rief dem Mann hinterher: „Ich bin es, der Hermann…“ Der Radfahrer hielt inne: „Was wollen Sie von mir?“.

Der Vater hatte den eigenen Sohn im ersten Moment nicht erkannt. Der Krieg verändert Menschen. Innerlich und äußerlich.

Hermann Dierker hatte bei Kriegsende zu Fuß die Alpen über- und Österreich durchquert und war nach britischer Kriegsgefangenschaft schließlich im Mai 1946 in Bad Mergentheim entlassen worden, über Würzburg und Frankfurt mit der Bahn bis Bohmte gekommen.

Eine Zeit der Angst

„Ich war endlich wieder zu Hause in meinem Heimatdorf Eielstädt im Wittlager Land. Die letzten Kriegswochen und auch die ersten Jahre nach der Kapitulation waren eine Zeit der Angst, des Leidens und der Sorge, aber auch der Erleichterung und der Hoffnung auf bessere Zeiten“, erinnert sich der heute 91-Jährige. Auch daran, dass er in der Gefangenschaft in Heilbronn, einem Lager unter freiem Himmel, den Pionier der deutschen Luftfahrt, Willy Messerschmidt, getroffen hatte. Hermann Dierker, der nach dem Krieg zum Pazifisten wurde, erzählt mit einem Lächeln über den legendären Flugzeugbauer: „Ihn, den Herrn Messerschmidt, und mich, den jungen Soldaten, traf das gleiche Los. Er hat mir seinen Blechnapf gegeben, als ich Neuankömmling noch keinen besaß.“

Sehr strenger Winter

Der Winter 1946/47 war ein sehr strenger Winter, vielerorts ein Hungerwinter, und weiße Weihnachten waren deshalb gar kein Thema, wie Dierker sich erinnert: „Die Menschen hatte doch ganz andere Sorgen. Der Krieg hatte Land und Leute getroffen und unser Leben lange geprägt. Nun war er endlich vorbei. Hilfsbereitschaft half manche Not zu überwinden. Es war eine Mischung aus Erleichterung und Ungewissheit. Wir spürten den langsamen Wandel hin zu einer humaneren Welt. Auch wenn Eier und Speck, Feuersteine und Zigaretten zur Ersatzwährung wurden.“

Heimkehrergottesdienst

Dierker: „Weihnachten 1946 war einfach, aber schön, denn es war kein Kriegs-Weihnachten mehr. Sylvester 1946 nahm ich an einem Heimkehrergottesdienst in der Bad Essener St. Nikolai-Kirche teil. In jener Kirche, in der ich konfirmiert worden war. Einige meiner Mitkonfirmanden waren nicht mehr dabei. Sie hatten im Krieg ihr Leben verloren.“

Das karge und entbehrungsreiche Jahr 1947 sollte zu einem der schönsten Jahre werden, denn es war das erste richtige Friedensjahr nach dem schlimmen Krieg.