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Vorsitzender der Kunstschule Gerrit Spijkerboer aus Bad Essen lebt für die Fotografie

Von Helge Holz | 17.10.2015, 11:44 Uhr

Eigentlich wollte Gerrit Spijkerboer bei der letzten Jahreshauptversammlung der Kunstschule Bad Essen gar nicht zur Wahl des ersten Vorsitzenden antreten, eigentlich. Ein einfaches Mitglied wollte er sein, sicher. Doch gleich im Vorstand mitarbeiten? Das konnte sich der Fotograf nicht unbedingt vorstellen. Die anderen kulturbeflissenen Mitglieder des Vereins hielten den gebürtigen Niederländer dagegen für besonders gut geeignet, die Kunstschule nach außen zu vertreten.

Schließlich liegt dem Wahl-Bad-Essener nicht nur die Kunst im Blut. Gerade seine Marketing-Kenntnisse und sein Talent, Aufgaben organisieren zu können, machten ihn im letzten April zur ersten Wahl der anderen Kunstschaffenden im Wittlager Land. Seine Vereinskollegen wussten schon, warum sie ihm diese Verantwortung geben wollten und letztlich auch konnten: Gerrit Spijkerboer hat neben seiner fotografischen Ausbildung auch eine Ausbildung an der Militärakademie in Amsterdam absolviert. Keine Frage, sein militärischer Werdegang samt seiner Kenntnisse als Soldat spielten und spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle, um als Vorsitzender der Kunstschule aktiv zu sein. Es ist vielmehr das allgemeine Wissen, seine Menschenkenntnis, die er sich dort angeeignet hat.

Zeit an der Militärakademie

In jenen Jahren war das niederländische Militär der Ansicht, dass zeitgenössische Kunst nicht nur für die persönliche Entwicklung ihrer Soldaten von Bedeutung wäre. Sie schrieben der Kunst ebenso eine Indikatorfunktion zu, sahen in ihr quasi einen Wegweiser, wie sich eine Gesellschaft entwickeln wird.

Arbeit in Kriegs- und Krisengebieten

In der Zeit des Vietnamkriegs wechselte Spijkerboer zum Natoquartier in Bonn, um dort als Reportagefotograf die Entwicklungen und den Alltag der Bevölkerung in Kriegs- und Krisengebieten zu dokumentieren. Da machte sich auch sein gelerntes Soldatenhandwerk bezahlt: Im Gegensatz zu zivilen Kriegsfotografen konnte er sich in die verfeindeten Soldaten auf beiden Seiten der Front hineinversetzen und vermied so von vornherein brenzlige Situationen, die bei seinen Berufskollegen hin und wieder durchaus tödlich endeten. Neben dem Libanon dokumentierte er gerade in den ehemaligen portugiesischen Kolonien Angola und Mosambik das Leben der Menschen.

Treffen mit Diana

Später blieb er im zivilen Leben weiter der Lichtbildnerei erhalten und leitete gut ein Jahrzehnt ein eigenes Fotostudio. Zusätzlich ließ und lässt er Berufskollegen über seine Schulter schauen. Hinzu kam seine Tätigkeit für Polaroid: So begleitete er den Modefotografen Peter Lindbergh bei seinen Arbeiten, als dieser in Paris ein Ballett fotografierte. Selbst Prinzessin Diana lernte er bei einem Fotoshooting in London kennen. Was ist denn nun das Wichtigste in der Fotografie? „Die Menschenkenntnis und die Fähigkeit, im richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken“, verrät der Fachmann.

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Aufenthalt in New York

Im Rahmen seines Aufenthaltes in New York hatte Gerrit Spijkerboer die Gelegenheit, für einige Monate an der Sommerschule für Fotografie von Polaroid teilzunehmen. Dabei lernte er auch die unterschiedlichen Perspektiven europäischer und US-amerikanischer Fotografen kennen: Jenseits des Atlantiks spielt auch die Vermarktung der eigenen Arbeiten eine wichtige Rolle. Erst drückten die Teilnehmer der Masterklasse drei Tage die Schulbank, und den Rest der Woche arbeiteten sie hinter der Kamera oder versuchten ihre aktuellen Arbeiten in einer der unzähligen New Yorker Galerien der Öffentlichkeit vorzustellen – in jeder Woche in einer anderen. Dabei entpuppten sich Empfehlungen von Anselm Adams oder eines Edwin Lands von Polaroid durchaus als Türöffner.

Geburt bei Zwolle

Gerrit Spijkerboer stammt aus einem Dorf nahe des niederländischen Zwolle. Sein Werdegang führte ihn unter anderem nach Amsterdam, Paris, London und New York. Mal arbeitete er für Polaroid, Agfa oder Xerox. Eine Zusammenarbeit mit einem Kollegen brachte ihn nach Bissendorf. Auf der Suche nach einer schönen Wohnung zog es die Familie Spijkerboer schließlich nach Bad Essen, wo sie sesshaft geworden ist.

Leben in Bad Essen

Seine Ehefrau Angelique eröffnete hier ihr eigenes Geschäft. Inzwischen im Ruhestand hält Gerrit Spijkerboer seinem Metier weiterhin die Treue, um Kollegen das Gewusst-wie zu vermitteln, die eigene Arbeit optimal zu präsentieren und zu vermarkten. Und nebenbei ist er noch für die Kunstschule aktiv, möchte das künstlerische Portfolio der Schule weiter stärken und durch weitere Workshops in Tanz, Theater und Musik noch attraktiver machen. 

Zusammenarbeit mit TriO

Auch mit dem TriO arbeitet die Kunstschule zusammen. Da helfen ihm gewiss auch seine fotografischen Talente weiter, wenn er beispielsweise die jungen Protagonisten während eines Tanz-Workshops auf den Chip seiner Kamera bannt. Dann sind nicht nur die Nachwuchstänzer und -tänzerinnen stolz, wenn sie ihre Talente großformatig schwarz auf weiß in den Händen halten können. Da ist sie wieder, die Menschenkenntnis, das Wissen um den rechten Moment. So gesehen hatten die Mitglieder der Kunstschule ein gutes Händchen bewiesen, als sie Gerrit Spijkerboer zu ihrem Vorsitzenden gewählt haben.