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Training mit dem Tanznachwuchs Der Kopf der Tanzsportgarde Bad Essen

Von Kerstin Balks | 31.01.2014, 20:08 Uhr

Sandra Henrichvark ist nun wirklich ein Wittlager Kopf – und der Kopf der Tanzsportgarde Bad Essen. Den Spaß an der Bewegung und an der Arbeit mit Kindern lebt die Wittlagerin in Beruf und Freizeit aus.

Eigentlich, so muss man sagen, werden in unserer Region ja Schützenfeste ausgiebiger gefeiert als Karneval. Nichtsdestotrotz gibt es die eine oder andere Karnevalshochburg. Bad Essen darf sich durchaus als solche bezeichnen, obwohl die jecken Zeiten der KG Blau-Weiß leider vorbei sind. Geblieben ist die Tanzsportgarde Bad Essen (TSG) , und die bringt alljährlich frischen Wind in die Prunksitzungen und Umzüge im Osnabrücker Land. Dass aber der Marschtanz sitzt und die Beine beim Garde- und Showtanz so hoch fliegen, wie sie es bei der Tanzsportgarde tun, ist in erster Linie Sandra Henrichvark zu verdanken, die seit mehr als 20 Jahren die Gruppen trainiert und deren Begeisterung sich auf die kleinen und großen Funkenmariechen überträgt.

In die Fußstapfen

„Schon als ganz junges Mädchen wollte ich tanzen“, erinnert sich die 39-Jährige. Damals habe Friseurmeister Gregor Popp aus Wittlage die Tanzgruppe der „Kleinen Funken“ geleitet, bei der ihre älteren Schwestern Sigrid uns Silvia mittanzten. Gern wäre die kleine Sandra in deren Fußstapfen getreten, doch leider sei diese Gruppe nicht weitergeführt worden. „Es gab dann eine Gruppe bei Ernst Maßmann, allerdings erst ab 16 Jahren, und da durfte ich ja nun einmal noch nicht mitmachen“, berichtet Sandra Henrichvark. Umso mehr habe sie sich gefreut, als Irmgard Friedrichsen und Irmgard Hermann im Oktober 1983 eine kleine Garde für Mädchen ab zehn Jahren ins Leben riefen. „Geprobt wurde bei uns zu Hause im Keller, das war ein ordentliches Gestampfe“, lacht sie. Dass ihre Eltern das närrische Treiben gern unterstützten, verwundert nicht, wenn man weiß, dass beide gestandene Karnevalisten sind.

Noch heute erinnert sich Sandra an die Kostüme, die ihre Mutter Irmgard für den ersten Auftritt der Gruppe im Februar 1984 angefertigt hatte: „Wir führten einen Marsch, einen Gardetanz und einen Affentanz auf. Für den Affentanz hatten wir an unseren Pullis Palmenmotive mit Sicherheitsnadeln befestigt – und die fielen während des Tanzes ab“, lacht sie.

Die kleine Garde

Die kleine Garde von damals tanzte nur eine Saison, doch Sandra dachte nicht ans Aufhören. „Wenn du eine Gruppe von zehn Kindern zusammenbekommst, können wir weitermachen“, habe ihre Mutter gesagt – und sie, Sandra, habe es geschafft! In der Folge hat Irmgard Henrichvark die Gruppe trainiert, bis Sandra so etwa mit 17 Jahren nach und nach das Training übernahm. Doch noch immer helfen ihre Eltern Irmgard und Helmut, wo immer es geht: bei den Kostümen, der Deko, beim Schriftlichen, beim Fahren. Denn allein in dieser Session kann die Tanzsportgarde Auftritte in der ganzen Region bis nach Bad Iburg und nach Atter verbuchen.

Noch vor Jahren haben die Aktiven erfolgreich an Wettkämpfen teilgenommen. „Das Problem war allerdings, dass das ohne Versicherung nicht mehr ging“, so Henrichvark. Damals sei die Tanzsportgarde noch eine Abteilung der KG Blau-Weiß gewesen, und eine Versicherung habe nur für den gesamten Verein abgeschlossen werden können. So wurde die Tanzsportgarde aus versicherungstechnischen Gründen ein eigenständiger Verein – und überlebte, wenn man so will, den ursprünglichen Bad Essener Karnevalsverein.

Längst ist die TSG eine Institution geworden, der zwischenzeitlich bis zu 70 Tänzer angehörten. „Das wurde schon fast zu viel, weshalb wir auch kaum noch Werbung gemacht haben. Jetzt haben wir 35 Aktive zwischen sechs und 18 Jahren und bieten wieder Schnupperkurse an“, sagt Henrichvark.

Die TSG teilt sich in drei Altersgruppen auf; mit den Schnupperkursen bedeutet das für Sandra Henrichvark viermal die Woche Training. Hinzu kommen die Auftritte und der traditionelle Bad Essener Kinderkarneval. Ganz schön viel ehrenamtliches Engagement. „Ach, wir sind ja ein Team“, winkt Henrichvark ab und verweist auf ihre Co-Trainerinnen Fabienne Kloda, Alina Lömker und Jessica Bersuch, die selbst einst als kleine Dötze bei der TSG angefangen haben.

Überhaupt seien der Zusammenhalt und die Gemeinschaft eine wertvolle Erfahrung für Kinder, ebenso wie das Erlebnis, auf einer Bühne zu stehen und etwas durch Üben zu erreichen. All das stärke das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Schon oft habe sie beobachtet, wie sich der Erfolg beim Training und bei der Aufführung auch in schulischem Erfolg niederschlage.

Pädagogische Praxis

Gelebte Erfahrungen einer Sportlerin, aber auch aus der pädagogischen Praxis, denn seit 1996 arbeitet Sandra Henrichvark als Erzieherin in der Kita Schelenburg in Schledehausen. Eine Berufswahl, die vielleicht auch durch die Mitgliedschaft in der TSG befördert wurde. Ursprünglich hat sie nämlich eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau absolviert. „Ich merkte aber sehr schnell, dass mir die Arbeit mit Kindern mehr liegt“, bekennt sie. Und weil sie eben so bewegungsfreudig ist, hat sie noch eine Zusatzausbildung zur Motopädin absolviert.

Und in ihrer Freizeit? „Auch da bin ich gern in Bewegung, etwa mit meinen Hunden Tammy und Felix, aber ich probiere auch immer mal wieder was aus – von Hip-Hop bis Yoga. Ihr Prinzip? „Eigentlich ganz einfach: Wenn Körper, Geist und Seele, wenn das alles zusammenpasst, dann geht’s dem Menschen gut.“