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Prozess am Landgericht Osnabrück Gibt es einen Deal mit Drogenschmugglern?

Von Heiko Kluge | 15.12.2015, 19:48 Uhr

Wegen des Vorwurfs, fast ein Jahr lang im großen Stil mit Marihuana gehandelt zu haben, müssen sich zur Zeit sechs Männer und eine Frau vor dem Landgericht Osnabrück verantworten.

Einschätzung des Staatsanwalts

Organisator des Drogenhandels soll ein 31 Jahre alter Mann sein, der zum fraglichen Zeitpunkt in Bad Essen wohnte. Zum Prozessauftakt unterbreitete der Staatsanwalt seine Vorstellungen der Strafen, die er – glaubhafte Geständnisse vorausgesetzt – für vertretbar hält. Diese reichen von mindestens einem Jahr auf Bewährung bis zu einer maximal sechsjährigen Freiheitsstrafe für den 31-Jährigen.

Zwischen Juli 2014 und Juni 2015 haben die Beschuldigten laut Anklage einen „schwunghaften und auf Gewinn ausgerichteten Handel“ mit der Weichdroge Marihuana betrieben. Dabei sollen sie immer nach demselben Muster vorgegangen sein.

Marihuana in Emmen geordert

Als Organisator sieht die Staatsanwalt den seit dem vergangenen Juni in Haft sitzenden 31-jährigen Bad Essener. Der soll zunächst die Bestellungen seiner Abnehmer eingeholt und daraufhin eine entsprechende Menge – jeweils zwischen drei und fünf Kilogramm Marihuana – bei einem Kontaktmann im niederländischen Emmen geordert haben.

Für die Schmuggelfahrten über die Grenze sowie die Auslieferung sollen ein 57-jähriger Osnabrücker sowie eine 28 Jahre alte Frau aus Lienen verantwortlich gewesen sein. Für die Fahrten soll der Bad Essener seinen mit Verstecken präparierten Wagen zur Verfügung gestellt haben. Die beiden sollen für ihre Dienste mit 100 Euro pro Kilo Marihuana entlohnt worden sein.

Drei weiteren, aus Melle, Bielefeld und Osnabrück stammenden Männern wird vorgeworfen, die Abnehmer der Weichdroge gewesen zu sein. Der letzte verbleibende Angeklagte, ein 32-jähriger Mann aus Bad Iburg soll für einen von ihnen teilweise als Kurier gedient haben.

Deal ausgelotet

Zum Prozessauftakt lotete das Gericht zunächst die Bereitschaft der Beteiligten aus, das Verfahren gegebenenfalls durch eine Verständigung zu vereinfachen. Diese allgemein als „Deal“ bezeichnete Verfahrensweise ermöglicht es dem Gericht, sich mit den Beteiligten über Verlauf und Ergebnis des Verfahrens zu einigen. Meist geht es dabei um das im Falle eines Geständnisses zu erwartende Strafmaß. Für das Gericht kann eine solche Verständigung von Interesse sein, weil sich dadurch Aufwand und Dauer eines Verfahrens stark reduzieren lassen. Für den Angeklagten liegt der Vorteil darin, dass er eine gewisse Sicherheit über den Ausgang des Prozesses gewinnt und sich durch ein Geständnis einen erheblichen Strafmilderungsgrund verschafft.

Der Staatsanwalt stellte sich im Falle einer geständigen Einlassung für den 31-jährigen mutmaßlichen Organisator des Drogenhandels eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf, maximal sechs Jahren vor. Dem Mann werden insgesamt 32 Straftaten vorgeworfen. Bei dreien der Angeklagten hielt der Staatsanwalt auch noch bewährungsfähige Strafen für denkbar.

Nächster Prozesstag: 18. Dezember

Im Namen ihrer Mandanten erklärten sich auch alle Verteidiger grundsätzlich bereit, zu einer Verständigung zu kommen. Bis zum nächsten Verhandlungstermin am 18. Dezember, an dem das Gericht seine Vorschläge unterbreiten will, haben sie Gelegenheit, die Sache mit den Mandanten zu besprechen ( Weiterlesen: Weitere Berichte aus den Gerichtssälen der Region ).