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Naturerlebnis wird weiterentwickelt So plant das Schullandheim Barkhausen für die Zeit nach Corona

Von Kerstin Balks | 16.04.2020, 07:33 Uhr

Vor vier Wochen herrschte noch reges Treiben auf dem Gelände des Schullandheims Barkhausen. Rund 50 SchülerInnen einer sechsten Klasse nahmen begeistert an der Expedition zu den Saurierspuren teil, kletterten und filzten und stärkten beim Kompasslauf ihr Teamverhalten. Derlei Aktionen finden derzeit nicht statt, das Haus ist wie ausgestorben in Zeiten von Corona.

Klassenfahrten gehören zu den Höhepunkten und schönsten Erinnerungen der Schulzeit. Sie bieten die große Chance, sich außerhalb des Schulalltags völlig neu zu positionieren, sich selbst und seine Mitschüler neu zu erfahren. Heute bieten viele Jugendherbergen und Schullandheime neben Kost und Logis fundierte und spannende erlebnispädagogische Programme. So auch das Heim in Barkhausen mit seiner Lage am Rande des Wiehengebirges, seinem weitläufigen Außengelände und dem Charme seines traditionsreichen Gebäudes.

Doch diese Angebote liegen derzeit auf Eis. Auch das Schullandheim Barkhausen ist von den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie stark betroffen: Alle Klassenfahrten wurden von den Bundesländern für den Rest dieses Schuljahres abgesagt und im Landkreis Osnabrück dürfen bis auf Weiteres keine Gäste mehr beherbergt werden. 60 Betten stehen leer, dennoch sind zwölf Mitarbeiter plus zwei Freiwillige im Ökologischen Jahr im Schullandheim weiter beschäftigt.

Nie da gewesene Situation

Diese nie da gewesene Situation ist für alle schwierig – und sie betrifft auch und vor allem ein ganzes Marktsegment:. Die aktuellen Entwicklungen sind für die Reise- und Schulfahrtenveranstalter, für die Unterkünfte und Programmanbieter, die sich mit ihrem Angebot an Kinder und Jugendliche richten, teilweise existenzbedrohend. Darauf schauen auch Mitarbeiter und Vorstand sowie die Geschäftsführung der Ehlerding Stiftung, die das Schullandheim in Barkhausen betreibt, mit Sorge. „Angebote für Klassenfahrten muss es nach der Krise weiterhin geben. Klassenfahrten und Jugendfreizeiten fördern die Gemeinschaft aller sozialen Milieus: Junge Menschen, die neu zugezogen, geflüchtet sind oder eine Migrationsgeschichte haben, die sozial ausgegrenzt sind, sich einsam fühlen oder aufgrund einer Behinderung in ihrer Freizeit isoliert leben, sammeln hier oft zum ersten Mal Gemeinschaftserfahrungen und erleben das Miteinander als etwas Positives. Sie lernen in der Gruppe, ihre Position und ihre Aufgabe zu finden“, berichtet Ivo Neuber, Leiter des Schullandheims.

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Das Engagement der Ehlerding Stiftung im Schullandheim Barkhausen

Die Ehlerding Stiftung fördert seit dem Jahr 2000 Kinder und Jugendliche mit stiftungseigenen Projekten. Aktuell sind dies die mitKids Aktivpatenschaften, das erlebnispädagogische Schullandheim Barkhausen und die Impulse – „Damit Kindern das Leben gelingt!“ Die mitKids Aktivpatenschaften schaffen emotionale Bindungen von Anfang an: Ehrenamtliche Paten begleiten Kinder aus belasteten Familien und schenken ihnen Zeit und Zuwendung. Im Erlebnispädagogischen Schullandheim Barkhausen lernen Jugendliche mit der Methodik der Natur- und Erlebnispädagogik, Selbstvertrauen in sich und andere aufzubauen, ihre Potentiale zu erkennen und Teamgeist zu entwickeln. Unter dem Dach von IMPULSE werden Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen gefunden. Das sind richtungsweisende Vorträge, Veranstaltungen zum Weiterdenken, Projektanstiftungen und temporäre Projekte.

Die Ehlerding Stiftung ist als Trägerin des Schullandheims Mitglied im Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik, der sich zurzeit stark mit vielen Partnern, wie unter anderem dem Reisenetz Deutscher Fachverband für Jugendreisen und dem Bundesforum für Kinder- und Jugendreisen für eine finanzielle Unterstützung der Branche seitens der Politik engagiert.

John Ehlerding, Vorstand der Ehlerding Stiftung, äußert sich nachdenklich und blickt gleichzeitig nach vorn: „Unser aller Leben hat sich schon und wird sich noch weiter in der nächsten Zeit verändern. Trotz vieler Unsicherheiten planen wir unsere Programme für Kinder und Jugendliche langfristig weiter. Schon heute freuen wir uns auf die Zeit, in der Klassenfahrten wieder möglich sind. Diese schwierige Situation nutzen wir, um einiges zu überdenken und neue Ideen zu entwickeln.“

Und in Barkhausen geschieht dies ganz konkret: Zwar beherbergt das Schullandheim zwar aktuell keine Gäste, gearbeitet wird aber weiter. Renovierungstätigkeiten im Garten stehen an. Beispielsweise wird im Gewächshaus gearbeitet: Holzbalken werden ausgetauscht und das Dach wird erneuert. Die Beete werden routinemäßig entkrautet, bearbeitet und bepflanzt. Die hauswirtschaftlichen Mitarbeiterinnen überarbeiten die Speisepläne und probieren neue Rezepte aus. Alle Aktionen finden selbstverständlich unter Einhaltung der aktuellen Hygienevorschriften statt. Das große Haus und das Gelände machen es möglich, den einzuhaltenden Mindestabstand zu befolgen. Die ersten Bewerbungsgespräche für das Freiwillige Ökologische Jahr 2020/2021 werden nun per Telefon geführt. Die Pädagogen konzentrieren sich auf die konzeptionelle Arbeit, vor allem mit Blick auf die Zukunft.

Grünes Licht für Bauprojekt

Denn das Projekt "Weiterentwicklung Schullandheim Barkhausen“ wird weiter gemeinsam vorangetrieben. An dem Ziel, zukünftig 5.000 Kinder und Jugendliche pro Jahr mit der Methode der Umwelt- und Erlebnispädagogik zu erreichen, hält die Ehlerding Stiftung auch in der Krise fest. Neben der Persönlichkeitsentwicklung liegt Stifterin Ingrid Ehlerding vor allem am Herzen, dass Kinder und Jugendliche ein Verhältnis zu Umwelt und Natur entwickeln. Damit alle jungen Gäste, unabhängig vom Einkommen der Eltern, an den prägenden Programmen teilnehmen können, bezuschusst die Ehlerding Stiftung als Trägerin des Zweckbetriebes das pädagogische Programm jährlich mit rund 150.000 Euro.

Die Gesamtmaßnahme „Weiterentwicklung“ umfasst den Bau einer Akademie und eines Gästehauses, den Umbau des historischen Haupthauses sowie die Gestaltung des Naturerlebnisgeländes. Die Bettenzahl wird auf 90 erhöht. Das wäre in den bestehenden Räumlichkeiten nicht möglich; daher die Neubauten.

Die Stiftung wird bei ihren Plänen von Bund, Land, Landkreis und Gemeinde unterstützt . So wurde in der jüngsten Bad Essener Ratssitzung der Bebauungsplan „Schullandheim Barkhausen“ einstimmig beschlossen, ebenso wie die dafür notwendige Änderung des Flächennutzungsplanes.

Stand der Planungen

Für dieses Frühjahr hatte die Ehlerding Stiftung eine Informationsveranstaltung geplant, bei der die Öffentlichkeit über den Stand der Planungen informiert werden sollte. Aufgrund der aktuellen Vorschriften war diese Veranstaltung nicht möglich. Auch noch offene Fördergeldentscheidungen werden nun erst zu einem späteren Zeitpunkt getroffen.

„Die vorbereitenden Maßnahmen für das Bauvorhaben sind für den Herbst 2020 geplant. Nach der Winterpause soll dann der Bau beginnen. Wir hoffen, dass die jetzige veränderte Situation die Baubranche nicht so stark trifft, dass unser Vorhaben negativ beeinflusst wird“, so Jörg Fischlin, Geschäftsführer der Ehlerding Stiftung. „Sobald wir wieder in Gemeinschaft zusammenkommen können, werden wir eine Informationsveranstaltung anbieten. Bis dahin arbeiten wir weiter an der Realisierung unserer Pläne.“