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Lebensraum für Molch und Co. Regenrückhaltebecken in Bad Essen erneuert

Von PM. | 30.06.2016, 14:22 Uhr

Gute Arbeit geleistet. So lautet das Fazit zur Neugestaltung des Regenrückhaltebeckens unterhalb des Kubikus-Standortes in Kubikus, das steht für „Kreative Umweltbildung für alle Generationen“. Ringsum die Anlage hat der Juni-Starkregen zwar Spuren hinterlassen, aber das Becken hat seine Bewährungsprobe bestanden.

Unterhalb des Umweltbildungsstandortes Kubikus befindet sich schon seit vielen Jahren ein Regenrückhaltebecken des Unterhaltungsverbandes Obere Hunte. Dieses Becken war in den Uferbereichen dicht von Weiden bewachsen, die das Gewässer im Sommer stark beschatteten und durch den Laubfall im Herbst zu einer starken Verschlammung führten.

Aufgrund eines Basisabflusses und der natürlichen Versickerung stellte sich kein permanenter Wasserspiegel im Becken ein. Dazu kam, dass der nach Starkregenereignissen stattfindende Wasserabfluss aus dem Wald komplett am Becken vorbeilief und zu starken Erosionserscheinungen auf dem angrenzenden Waldweg führte.

Da kam die Idee auf, die örtlichen Gegebenheiten so umzugestalten, dass zum einen das Hangwasser durch das Rückhaltebecken geführt wird, bevor es in die Kanalisation gelangt, und zum anderen die Beckensohle so zu gestalten, dass permanent ein gewisser Wasserpegel erhalten bleibt.

Neuer Lebensraum

Über die Regulierung des Hangwassers aus dem Wald und des dauerhaften Anstauens wird das Ziel verfolgt, neue Biotopstrukturen für Tierarten zu schaffen, die in ihrem Lebensrhythmus periodisch und/oder permanent auf stehendes Wasser angewiesen sind. Hierzu zählen Frösche, Kröten, Molche, aber auch Libellen und andere Fluginsekten, deren Larvenentwicklung komplett im Wasser abläuft.

Genau hier brachte sich Kubikus mit naturschutzpraktischen Arbeiten in das Projekt ein: „Durch die Anlage von terrestrischen Rückzugsräumen in der Nähe des Beckens beabsichtigen wir, den jahreszeitlich unterschiedlichen Ansprüchen dieser Tierarten gerecht zu werden. Durch Aufstellen von Lehr- und Hinweistafeln wollen wir zudem ermöglichen, dass sich Spaziergänger und Naturinteressierte über diese Lebensräume und ihre Bewohner ausführlich informieren können. Künftig wird es uns auch möglich sein, vor Ort das Medium Wasser und seine Bewohner genauer unter die Lupe zu nehmen.“

Für dieses Projekt wurde ein finanzieller Unterstützer benötigt, den das Kubikus-Team in der Allianz Umweltstiftung fanden. Diese Stiftung bietet die Möglichkeit, unter dem Namen „Blauer Adler“ regionale Umweltprojekte zu fördern. Ansprechpartner vor Ort war die Allianz Generalagentur von Michael Kleine-Heitmeyer aus Bad Essen, der ideell und finanziell bereitwillig half.

Zur Tat geschritten

Nachdem der Unterhaltungsverband „Obere Hunte“ das Regenrückhaltebecken im Frühjahr 2016 von dicht stehenden Weiden befreit und deren Baumstümpfe entfernt hatte, wurde die Gewässersohle entschlammt und die südlichen Uferbereiche sowie der Einlauf neu gestaltet. Durch Verschließen des Basisablaufes und durch das Einbauen einer Tonpackung im Untergrund wird sich nun ein permanenter Wasserspiegel im Becken einstellen.

Nachdem diese Umbaumaßnahmen durchgeführt waren, begaben sich zehn Kinder und drei Eltern bei Kubikus ans nächste Werk. Der Bau eines Überwinterungsquartiers für Molche, Lurche und Co. in Form eines strukturreichen Reisighaufens wurde mit Feuereifer in Angriff genommen. Erst musste der vom Bauhof gelieferte Schotter am ausgewählten Standort mit Schaufel und Schubkarren verteilt werden, damit die Anlage von unten trocken bleibt.

Hohl- und Rückzugsräume

Danach wurden auf dieses Schotterbett Steine aus dem Steinbruch der Firma Argelith aus Wehrendorf so verbaut, dass Hohl- und Rückzugsräume für Kleintiere entstanden. Darüber stapelten die Kinder ein Gerüst aus Stöcken und Holzblöcken, das mit Rinde, Laub und Reisig aufgefüllt wurde. Diese vielschichtige und aus verschiedenen Materialien gewählte Bauart dient dem Zweck, möglichst viele verschiedene Tierarten anzulocken beziehungsweise ihnen einen zusätzlichen Lebensraum zu bieten.

Am Tag darauf machten sich Besucher der Frühjahrsveranstaltung „Sonntags bei Kubikus“ daran, aus herumliegenden Stämmen, Ästen und Zweigen eine sogenannte Totholzhecke zu bauen. Zwischen stabilen Metallstangen schichten sie Lage um Lage Hölzer verschiedener Baumarten in unterschiedlichen Zersetzungsstadien übereinander.

Asseln und Spinnen

Im Nu war damit ein neues Biotop geschaffen, das der großen Familie der Gliedertiere, wie Käfern samt Larven, Hundert- und Tausendfüßer, Asseln, Spinnen und vielen mehr einen neuen Lebensraum bietet. Mit der Zeit werden diese Bewohner dafür sorgen, dass Holz in lebenswichtigen Humus verwandelt und in den Naturkreislauf zurückgeführt wird. Dieses Biotop in direkter Nachbarschaft zu den Kubikus-Gebäuden bietet neue Beobachtungsmöglichkeit für Gäste, aber auch für Spaziergänger.

Abschließend wurden die neu gestalteten Uferbereiche des Regenrückhaltebeckens mit einer blütenreichen Samenmischung eingesät. Am Fuße der Böschungen nahe dem Wasserspiegel wurden spezielle Uferzonensaaten ausgestreut. Damit ist der Grundstein gelegt, blütenbesuchenden Insekten eine neue Nahrungsquelle zu bieten.

Gute Zusammenarbeit

Kubikus bedankt sich nochmals ganz herzlich bei allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit sowie die finanzielle und materielle Unterstützung. Auch den mithelfenden Kindern und Eltern gilt Dank: „Ihr habt mit eurem Engagement einen wertvollen Beitrag für den Schutz der Natur geleistet.“