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Konflikte unter Kindern“ Bad Essen: Erzieherinnen und Eltern lernen dazu

Von PM. | 13.03.2015, 15:01 Uhr

„Wer Aggressionen generell stilllegt, legt die Neugierde, Entwicklung und Lernbereitschaft des Kindes still.“ Diese Meinung vertritt der bekannte Erziehungsberater und Autor Jan Uwe Rogge. Auch Sabine Busmann warnt davor, schubsende, kratzende oder gar beißende Kinder gleich als „Problemfälle“ abzustempeln.

In einem kurzweiligen Vortrag gab die Leiterin der evangelischen Kinderkrippe in Osnabrück Tipps, wie Konflikte unter Kindern altersgerecht gelöst werden können. Der Vortrag war Teil eines Elternabends, zu dem die Charly’s-Kinderparadies-Einrichtungen aus Bad Essen, Lintorf, Melle und Osnabrück sowie der Natur- und Erlebniskindergarten aus dem Kurort eingeladen hatten. Unter den 38 Gästen im Haus Sonnenwinkel auf dem Essenerberg waren Erzieherinnen und Eltern.

„Ich bin begeistert von der Resonanz und denke, dass beide Seiten von diesem Abend profitieren werden“, freute sich Susanne Herrmann, Leiterin des Charly-Kinderkrippe in Lintorf.

Ihre Mitarbeiterinnen hatten ein Rollenspiel vorbereitet. Die Situation: Ein Kind stößt den Bauklotzturm eines anderen Kindes um, woraufhin das bauende Kind dem anderen in den Arm beißt. Sabine Busmann sammelte zunächst die Vorschläge der Anwesenden, wie dieser Konflikt gelöst werden könnte. „Aggression ist nicht immer die Intention, jemanden zu verletzen oder zu schädigen. „Es kann auch neugieriges Erforschen bedeuten“, sagte die Sozialpädagogin. Gründe für aggressives Verhalten – im positiven Sinne – seien meist die kindliche Entwicklung, Erfahrung von Kausalität (Was passiert wenn …), der Wunsch nach Aufmerksamkeit oder Imitationsverhalten. Auch die emotionale Situation und die Umgebung können eine Rolle spielen. „Der Tag im Kindergarten ist wie ein Arbeitstag für Ihren Nachwuchs. Die Kinder sind erschöpft und brauchen danach erst einmal Ruhe“, lautete ihr Rat an die Eltern: „Achten Sie auf den Tagesablauf.“

Anschließend ging Susanne Busmann auf die kindlichen Bedürfnisse emotionaler, sozialer, vitaler und kognitiver Art ein: „Sie müssen im Gleichgewicht sein und sind nicht getrennt voneinander zu verstehen. Kein Bedürfnis ist wichtiger als das andere.“ Dennoch sei es wichtig, dem Kind auch die Möglichkeit zu geben, unangenehme Gefühle zu ertragen und sich eventuell selbst zu beruhigen. Zur Stärkung der Persönlichkeit eines Kindes gehöre es ebenfalls, ein „Nein“ des Kindes auch mal zu akzeptieren und ernst zu nehmen. Aber was sind die Ursachen für aggressives Verhalten? Um diese herausfinden zu können, müsse die Gesamtsituation in Betracht gezogen werden: Was ist zuvor oder danach geschehen? Ereignet sich die Auffälligkeit immer am selben Ort? Wie lange hält das Problemverhalten an? „Wenn es in der Kita passiert, müssen sich die Erzieherinnen darum kümmern – nicht die Mütter der Kinder, die aneinandergeraten sind“, betonte Susanne Busmann. Aufgabe der pädagogischen Fachkräfte sei es jedoch, die Eltern unter Einhaltung der Schweigepflicht zu informieren, sich mit ihnen auszutauschen und das Kind weiter zu beobachten.

In sechs Gruppen setzten sich die Eltern und Erzieherinnen abschließend mit folgenden Aspekten auseinander: „Wenn mein Kind aggressiv reagiert, dann reagiere ich meist …“, „Das macht das Verhalten schlimmer …“ und „Das hilft uns, wieder ruhiger miteinander umzugehen …“. Es folgte ein reger Austausch der Gruppen. Neugierde, Entwicklung und Lernbereitschaft der Eltern und Erzieherinnen wurden jedenfalls nicht stillgelegt.