Ein Artikel der Redaktion

Homann stellt Pläne vor Mayo und Ketchup aus Lintorf für die ganze Welt

Von Rainer Westendorf, Rainer Westendorf | 17.06.2018, 11:33 Uhr

Homann investiert am Standort Rund 150 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren in die Modernisierung der technischen Anlagen und die Ausweitung der Produktion fließen. Über die Vorhaben informierte das Unternehmen Mitarbeiter und Lintorfer Bürger auf einer Versammlung.

Viele Interessierte aus der Belegschaft und der Gemeinde Bad Essen nutzten die Gelegenheit, Informationen aus erster Hand zu erhalten. Darunter waren auch Homann-Mitarbeiter aus Dissen, denn die Dressingproduktion soll aus dem Osnabrücker Südkreis nach Lintorf verlegt werden.

Der Homann-Chef

 Sönke Renk, seit Ende 2017 Vorsitzender der Geschäftsführung bei Homann, nahm Stellung zu den Plänen des Unternehmens – und ging auch auf die turbulenten vergangenen beiden Jahre ein. Zunächst sollten die Werke in Dissen und Lintorf geschlossen und die Produktion komplett an den Standort Leppersdorf in Sachsen verlagert werden. Dann die überraschende Wende: Homann behält die bisherigen Produktionsstandorte. „Es gab viel Verwirrung in der Firma. Das hat den Mitarbeitern nicht gutgetan“, so der Homann-Chef. Renk betonte, dass es richtig war, die Entscheidung für die Verlagerung nach Leppersdorf zu überdenken und dann rückgängig zu machen.

Geld in Lintorf investieren

Homann bleibt also. „Was können wir an den Standorten machen? Diese Frage stellt sich“, so Renk. Die Entscheidung, viel Geld in Lintorf zu investieren, wurde dann getroffen – und soll schrittweise realisiert werden. Die Zahl der Mitarbeiter in Lintorf wird von derzeit rund 200 in den nächsten Jahren um 140 erhöht. Dazu wird die Struktur des Werks verändert.

Weltgrößte Produktionsstätte

Ein neues Logistiklager wird errichtet und die Dressingproduktion findet in Zukunft komplett in Lintorf statt; und zwar in der dann weltgrößten Produktionsstätte dieser Art. Zurzeit produziert Homann jährlich 100.000 Tonnen Ketchup und Mayonnaise. „Das sind 200 Millionen Flaschen jährlich“, erläuterte Werksleiter Ingolf Wernecke. Im neuen Werk sollen dann 170.000 Tonnen hergestellt werden. Mayo und Ketchup aus der Gemeinde Bad Essen werden in die ganze Welt exportiert. „Bis nach Australien“, so Wernecke.

Bau eines Hochregallagers

Erforderlich ist auch der Bau eines Hochregallagers. Warum? „Nicht alle Produkte können auf den Lkw verladen und sofort zum Kunden gebracht werden“, sagte der Werksleiter. Homann muss die Erzeugnisse also sozusagen auf Abruf bereit halten. Mit der Modernisierung der Anlagen und der Betriebserweiterung soll aber zugleich eine deutliche Verringerung der Lkw-Belastung erreicht werden. „Ab Mitte 2019 soll kein Lkw mehr durch Lintorf rollen“, so Wernecke. Die Anbindung des Werks erfolgt künftig direkt über die Bundesstraße 65 und nicht mehr durch die Ortschaft selbst. Die gesamte Erweiterung des Werks erfolgt nach Norden hin Richtung B 65, folglich nicht Richtung in Ortschaft Lintorf.

Wieder Auszubildende gesucht

Der Lintorfer Betriebsratvorsitzende Wolfgang Sommer zeiget sich ebenfalls erleichtert, darüber, dass die drohende Stilllegung vom Tisch ist und weiter produziert wird. Ho- mann blickt nun in die Zukunft und plant langfristig. So werden laut Sommer jetzt wieder Auszubildende gesucht.

Bebauungsplan Nr. 77 „Homann“

Bad Essens Gemeindebürgermeister Timo Natemeyer wies auf die nächsten Schritte hin. Bevor die Maßnahmen umgesetzt werden können, ist die Kommunalpolitik gefragt. So soll der neue Bebauungsplan Nr. 77 „Homann“ beschlossen werden. Der Fachaussschuss hat bereits dafür gestimmt. Der Rat tagt am Donnerstag, 21. Juni.

Letztlich sind dann im weiteren Bauleitverfahren noch viele Detailfragen zu klären und abzustimmen. Die bisherigen Gespräche seien aber seh rgut und offen gewesen, merkte Natemeyer an.

Den Dialog suchen

Generell will sich das Unternehmen viele stärker als in der Vergangenheit den Dialog suchen – mit Kommunalpolitik, Bürgern und Beschäftigten. Das kündigte Homann-Chef Sönke Renk an. „Wir wollen andere Zeiten anbrechen lassen“. So hat die Firma nun eigens eine Mailanschrift für Anregungen und Fragen eingerichtet: dialog-lintorf@homann.de 

Wie sieht der Zeitplan aus? Vorgesehen sind zwei Abschnitte. In der ersten Aufbauphase innerhalb des bestehenden Betriebsgeländes südlich der Bahnlinie soll unter anderem ein Tanklager für Speiseöl errichtet werden. Die Leistung technischer Geräte wie Kälteanlage und Dampfkessel wird erhöht. Zudem sollen die Voraussetzungen geschaffen werden für die Produktionsverlagerung von Dissen. In einer zweiten Ausbauphase ab 2019 wird eine Erweiterung des Werksgeländes auf die Flächen nördlich der Bahnlinie geplant. Dann sollen die großen Vorhaben umgesetzt werden, sodass020 dort produziert werden kann.