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Hörgeräte für hörgeschädigte Kinder – Lions-Aktion beim Ponymarkt „Hilfe für kleine Ohren“

Von Kerstin Balks | 30.09.2011, 13:20 Uhr

„Hilfe für kleine Ohren“ heißt ein Projekt, mit dem das Hilfswerk der Deutschen Lions weltweit hörgeschädigte Kinder mit gebrauchten Hörgeräten versorgt. Initiator Hans-Rainer Kurz stellte das Projekt und die Idee dahinter in Bad Essen vor.

Es war eine Reise nach Tschernobyl, die Hans-Rainer Kurz vor vielen Jahren die „Hilfe für kleine Ohren“ ins Leben riefen ließen. Der gelernte Augenoptiker und Hörgeräteakustiker wusste von Berufs wegen, was es bedeutet, wenn Neugeborene mit einer Hörschädigung aufwachsen. „Zwar handelt es sich beim Schall lediglich um einfaches ‚Luftgewackel‘, dennoch bewirkt das Gehörte die höchste geistige Verknüpfung.“

Seine Erläuterung untermauert er, indem er unvermittelt, aber nachdrücklich die Stimme hebt: Der Schreck fährt in die Glieder, beeinflusst spürbar den Kreislauf, „selbst der Geruchssinn wird kurzzeitig blockiert“, freut sich Kurz fast ein wenig über den gelungenen Überraschungseffekt. Er erläutert: „Über das Hören entwickelt sich der Intellekt, besonders in den ersten beiden Lebensjahren.“ Dann nämlich finde die entscheidende „neuronale Verschaltung“ statt – so bezeichnen Neurobiologen die Entwicklung des Gehirns, bei der die Sinnesreize eine entscheidende Rolle spielen.

Hierzulande wird das Gehör bei der Neugeborenenuntersuchung routinemäßig überprüft und, so denn eine Hörschädigung vorliegt, diese entsprechend therapiert – bei Bedarf mit einem Hörgerät. Dies ist aber längst nicht in allen Ländern so. Häufig fehlten die technischen Hilfsmittel zur Diagnostik oder zur Therapie oder aber das erforderliche Fachpersonal, berichtet Hans-Rainer Kurz. Seine Erfahrung: „Kinder, die nicht behandelt werden, sind in ihrer Entwicklung eingeschränkt und werden schnell an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Dem wollen wir entgegenwirken.“

Weltweit kämen etwa zwei Prozent aller Kinder hörgeschädigt zur Welt. In Weißrussland und Georgien jedoch liege die Zahl um ein Mehrfaches darüber. Die Schädigungen des Erbgutes durch die atomaren Strahlen führten dort noch heute – und auf unabsehbare Zeit – bei vielen Neugeborenen zu Missbildungen, Organdefekten und Stoffwechselerkrankungen, die unter anderem eine Hörschädigung nach sich zögen.

Sein erster Tschernobyl-Besuch habe seine Sicht der Dinge verändert, er habe sein Leben umgekrempelt, bekennt Kurz freimütig. Beim Wunsch zu helfen kam ihm seine berufliche Erfahrung zugute: Die Idee, gebrauchte Hörgeräte zu sammeln, instand zu setzen und bedürftigen Kindern zukommen zu lassen, war geboren. Was damals im Kleinen begann, ist für den Lion aus dem ostfriesischen Wiesmoor zur Lebensaufgabe geworden: Längst werden nicht mehr nur die Kinder in Tschernobyl, sondern auch in anderen Ländern mit Hörgeräten bedacht. Inzwischen sammeln Lions-Freunde in ganz Deutschland und darüber hinaus gebrauchte Hörgeräte, um möglichst vielen hörgeschädigten Kindern in der ganzen Welt eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Die Geräte werden geprüft, wenn nötig repariert, und an gemeinnützige Hilfsorganisationen für geeignete Projekte mit hörgeschädigten Kindern weitergegeben. Vor Ort passen Spezialisten die Geräte den Kindern individuell an. Beliefert werden zum Beispiel Einrichtungen wie Kinderheime, in denen schwerhörige und gehörlose Mädchen und Jungen leben.

Da es in Entwicklungs- und Schwellenländern häufig an Fachleuten mangelt, beinhaltet das Projekt zudem so etwas wie die berufliche Weiterbildung: Auf Lions-Kosten werden Menschen aus den betreffenden Ländern, die einen artverwandten Beruf, wie etwa Zahntechniker, ausüben, auf Lions-Kosten in Deutschland entsprechend in der Anpassung der Hörgeräte geschult und erhalten dadurch eine auch für sie vorteilhafte berufliche Zusatzqualifikation. Längst hat sich also ein Netzwerk gebildet, von dem die Betroffenen nur profitieren können.

„Der Lions-Club Wittlager Land/Bad Essen unterstützt das Projekt auf vielfältige Weise“, sagt Lions-Präsident Bernd Harras. So gibt es beim Bohmter Ponymarkt vom 7. bis 9. Oktober nicht nur den beliebten Lions-Bücherverkauf, sondern auch die Hörgeräte-Sammelaktion. Der Club bittet jeden, der über ein nicht mehr benötigtes Hörgerät verfügt, dieses nicht einfach wegzuwerfen, sondern bei den Lions abzugeben – beim Ponymarkt, oder aber auch bei den Mitgliedern direkt.

Weitere Informationen bei Lions-Stabsmitglied Ulrich Lahmann, Telefon 05473/1441, und unter www.kleine-ohren.de.