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Gesunde Kinder Präventionsprogramm Klasse 2000 in Bad Essen

Von Karin Kemper | 19.07.2012, 06:39 Uhr

„Klaro“, das bedeutet in der Klasse 1b der Bad Essener Grundschule nicht unbedingt, dass alles klar ist. Das kann aber selbstverständlich durchaus der Fall sein. Aber eigentlich ist „Klaro“ eine Handpuppe, Symbolfigur für ein Gesundheitsförderungsprogramm mit dem Namen Klasse 2000.

In der 1b hat Klaro ein Geschwisterkind mit Namen Klara gekommen. Gleichberechtigung muss schließlich sein. Und jeder der Erstklässler bastelte zu Beginn des Projektes mit Unterstützung der Eltern seine eigene Puppe, die im Klassenzimmer wohnt und bei Bedarf zum Einsatz kommt.

Das Programm wurde bei den Bad Essenern Erstklässlern zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres eingeführt. Seitdem hat sich einiges getan. Die Mädchen und Jungen bekamen Besuch von Andrea Westerfeld, die sich zur Gesundheitsförderin hatte ausbilden lassen. Sie stellt jeweils neue Themen vor, die mit Klassenlehrerin Katja Veenhuis anschließend vertieft wurden.

Wenn das Motto lautet „Die Ich-Funktion in der Wir-Gemeinschaft fördern“ klingt das ziemlich abstrakt. Ist es aber gar nicht. Gegenseitige Rücksichtnahme ist ebenso ein Aspekt wie zu lernen, Nein zu sagen, wenn ein Kind weiß, dass etwas nicht richtig ist. Entscheidend ist, den Kindern Halt und Stärke zu geben. Dazu wiederum gehört Wissen rund um (gesunde) Nahrung, Bewegung, Entspannung und Gefühle.

Dass vom Gelernten etwas ankommt, formulierte eine Mutter so: „Plötzlich wird zu Hause Wasser getrunken – ohne Diskussion.“

Zum Schulalltag des Nachwuchses gehört ein Bewegungsbarometer, in dem Bewegungsräuber (wie Fernseher oder Auto) oder Dampfmacher (Bewegungen, bei denen geschwitzt wird) dargestellt werden – anhand der ganz persönlichen Erfahrung. Gleichgewicht ist gefragt. Und wenn Klaro (oder Klara) als Puppe in der dritten Person zu den Mädchen und Jungen spricht, dann kommt das besonders gut an. Die Klaro-Atmung haben inzwischen alle gelernt: „Ich atme mich frei, um zur Ruhe zu kommen. Wer sich selbst spürt und innehält, kann sich besser konzentrieren. Die Kinder kennen die dazugehörigen Übungen. Und Katja Veenhuis berichtet: „Wenn ich in einer Konfliktsituation zur Klaro-Atmung auffordere, kommt meist ganz schnell ein erstes Lächeln. Die Wirkung ist da.“

Das sieht Angelika Kleine Königin, Mutter eines Erstklässlers, ganz genauso. Sie ist Patin des Pilotprojektes in der 1b und sagt: „Bei Klasse 2000 passiert genau das, was mit auch als Heilpraktikerin auf der Seele brennt. Die Kinder lernen, den Körper wahrzunehmen.“ Bevor es im Unterricht konkret wurde, erfolgte eine Vorstellung des Pilotprojektes. Die Eltern waren total begeistert. Inzwischen liegt dem Schulelternrat dank guter Erfahrungen eine Eingabe vor, dass Klasse 2000 weiteren Eltern präsentiert werden soll.

Klasse 2000 gibt es seit dem Jahr 1991. Allein im Schuljahr 2011/2012 nahmen mehr als 17000 Klassen mit rund 400000 Schülern teil. Eine wissenschaftliche Untersuchung, so die Initiatoren, belegt die positive Wirkung auf Klassenklima sowie Gesundheitswissen und Gesundheitsbewusstsein der Kinder. Träger von Klasse 2000 ist ein gemeinnütziger Verein, das Programm wird über Spenden in Form von Patenschaften finanziert.