Ein Artikel der Redaktion

Gedächtnistrainer zu Gast Menschen aus Bad Essen lernen künftig schlauer

Von Johannes Zenker | 13.12.2015, 16:50 Uhr

„Sie werden am Ende des heutigen Abends mindestens die sieben Weltwunder der Moderne und die bisherigen elf Bundespräsidenten in chronologischer Reihenfolge aufsagen können.“ Mit diesem Versprechen ist Gedächtnistrainer und „Infotainer“ Markus Hofmann jetzt im Gymnasium Bad Essen angetreten und hat dank seiner Lernstrategien Wort gehalten.

Vor rund 150 Zuschauern formulierte der wortgewandte und humorvolle Hofmann gleich zu Beginn sein Credo: „Wir müssen wieder lernen wie Kinder, indem wir Informationen mit Bildern verknüpfen und dadurch beide Gehirnhälften aktivieren.“ Eine zentrale Technik zur Verbesserung der Merkfähigkeit sei es, diese Bilder beziehungsweise aus Bildern zusammengesetzte Geschichten in sogenannten „mentalen Briefkästen“ abzuspeichern.

Mentale Briefkästen

Konkret teilte er den Körper nach der Loci-Methode (Locus: der Ort) gemeinsam mit dem Publikum in zehn mentale Briefkästen ein: So waren zum Beispiel die Füße der erste Briefkasten und die Knie der zweite. Um sich die Christusstatue von Rio de Janeiro als eines der Weltwunder zu merken, schlug Hofmann vor, sich auszumalen, wie die große Statue vom Himmel fällt und die Zehen zerquetscht, dass man vor Schmerz im Kreis hüpft. Möchte man künftig die Weltwunder abrufen, müsse man im Zweifel nur noch in seine mentalen Briefkästen schauen und gucken, welche Bilder darin abgelegt worden sind. 

Für das Vokabellernen gab er folgenden Tipp: Ausgehend vom deutschen Wort, zum Beispiel dem Verb „schmollen“, solle man sich immer eine Frage stellen. „Wer schmollt mich mit bitterbösem Blick an?“, fragte Hofmann und führte fort: „Ein Grizzlybär. Und schon lande ich mithilfe des Bildes eines schmollenden Grizzlybären bei der Übersetzung ‚to grizzle‘“.

Gehirn trainieren

Sicherlich sind in der Praxis nicht alle Vokabeln so anschaulich wie Hofmanns ausgewählte Beispiele. „Mit etwas Kreativität und Übung fällt einem aber immer ein passendes Bild ein, das das Lernen erleichtert“, sagte Hofmann. Wichtig sei aber gerade für Erwachsene, regelmäßig das Lernen und Denken in Bildern zu trainieren. „Dann wird das Gehirn nach wenigen Wochen ganz automatisch in Bildern denken“, versprach der Infotainer. Ein netter Nebeneffekt dieser Lernmethode sei es, dass das Lernen auf diese Weise richtig Spaß mache.

Darüber hinaus markierte er im Forum der Schule weitere elf mentale Briefkästen, um die bisherigen Bundespräsidenten zu lernen. So wurde eine Trennwand zu Briefkasten Nummer acht, eine Ausgangstür zu Nummer neun. Die raue Trennwand konnte schließlich mit Johannes Rau assoziiert werden, der Gang nach draußen ins Kühle mit Horst Köhler.

Publikum erinnert sich

Und tatsächlich: Auch am Ende der Veranstaltung waren die Besucher noch dazu in der Lage, Weltwunder und Bundespräsidenten wiederzugeben. Das Publikum war begeistert, nicht nur aufgrund des eigenen Lernerfolgs, sondern auch wegen Hofmanns Art, seine Strategien mit viel Freude und Witz zu vermitteln.

Vormittags hatte Hofmann sein Gedächtnistraining bereits mit verschiedenen Schülergruppen durchgeführt. Einige Schüler saßen auch am Abend im Publikum und meldeten sich sogar freiwillig, um ihr gelerntes Wissen auf der Bühne zu präsentieren. „Zu sehen, dass Menschen Spaß am Lernen entwickeln, ist das Tollste an meiner Arbeit“, sagte Hofmann.

Schüler begeistert

Der zwölfjährige Robin Lemper hatte an einem solchen Kurs teilgenommen und war begeistert: „Es hat mir sehr gut gefallen. Ich finde es sehr spannend, auf welch kreative Art und Weise man Wissen in seinem Kopf speichern kann.“ Hofmanns Tipps fürs Vokabellernen wolle er auf jeden Fall anwenden.

Der Infotainer war auf Initiative von Angelika Schölzel, Mitglied des Förderkreises vom Gymnasium, nach Bad Essen gekommen: „Ich halte es für sinnvoll, dass Kinder auf unterhaltsame Art etwas über das Lernen erfahren und alternative Wege kennenlernen, wie man sich Wissen aneignen kann.“