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Faszinierendes Wechselspiel Minutenlange Stille in der Marienkirche Bad Essen

Von Christa Bechtel | 14.02.2017, 19:15 Uhr

Eine besondere Massage für die Seele konnten die Besucher jetzt in der fast vollständig besetzten Kirche St. Marien in Bad Essen genießen. Auslöser für dieses wohlige Gefühl war das Konzert des KlangDuos Jörg Kerll und Hilmar Hajek. Die beiden sorgten dafür, dass die Zuhörerschaft in ein faszinierendes Wechselspiel aus Klang und Stille in einer in warmen Rot- und Grüntönen illuminierten Kirche eintauchen konnten.

Es war einmal. So beginnen in der Regel Märchen. Aber in der St. Marien-Kirche in Bad Essen erlebten die Zuhörer, dass ein Aufeinandertreffen zweier Musiker vor geraumer Zeit, eine Vorliebe für Naturinstrumente sowie die Freude am gemeinsamen Musizieren zur Geburt einer Idee führen können. Nämlich: Klangkonzerte in akustisch geeigneten Räumen, beispielsweise Kirchen, geben zu wollen. So geschah es, dass Hilmar Hajek & Jörg Kerll unter dem Namen KlangDuo in den vergangenen Jahren zahlreiche Klangkonzerte veranstaltet haben – jetzt in der katholischen St. Marien Kirche Bad Essen.

Geschichte der Kirche

„Es ist bereits das vierte Mal, dass sie hier in unserer Kirche Gast sind“, freute sich Peter Knödgen, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, in seiner Begrüßung. Dabei nahm er die Gelegenheit wahr, der großen Besucherschar das Gotteshaus näher vorzustellen, für das die Grundsteinlegung am 30. November 1951 erfolgte. 2010 sei die Kirche umgestaltet und erweitert worden. „Was sicher in dieser Zeit ungewöhnlich war, eine Kirche zu erweitern“, meinte Knödgen. Im Namen des Veranstalters, dem Kur- und Verkehrsverein Bad Essen, hieß auch Geschäftsführerin Annette Ludzay die Gäste willkommen. Deren Dank galt der katholischen Kirchengemeinde, insbesondere dem Ehepaar Knödgen. „Die Zusammenarbeit ist total unkompliziert; für uns als Partner ist die Marienkirche einfach wunderbar“, betonte Ludzay.

Eigene Mompositionen

Mitgebracht hatte das Osnabrücker KlangDuo ausschließlich eigene Kompositionen, für die sie ungewöhnliche Instrumente wie Muschelhorn, Didgeriphon, Dulcimer, Djémbe, Guzheng oder Tibethörner verwenden. Bei Jörg Kerll sorgte vor allem das Didgeridoo für eine musikalische Aufbruchstimmung und vermehrter Auseinandersetzung mit Natur-/Obertoninstrumenten. Neben dem Spiel aus Spaß an der Freud baut er inzwischen Didgeridoos sowie Abkömmlinge, wie Grollophon oder Tamdoo, in der Regel aus einheimischen Hölzern. Beruflich verwendet er sie für eine Form der Klangmassage auf einer speziellen Klangliege.

Hilmar Hajeks musikalische Wurzeln liegen in einer klassischen Ausbildung an den Instrumenten Klavier und Waldhorn. Nach dem Studium dieser beiden Instrumente an den Musikhochschulen Hannover und Hamburg hat er ein festes Engagement im Osnabrücker Sinfonieorchester als Hornist angetreten. „Ich war jedoch schon immer fasziniert von den Möglichkeiten, die die Musik außerhalb dieser klassischen Strukturen eines Orchestermusikers bieten kann“, stellt Hajek heraus.

Mit geschlossenen Augen

Kaum dass das Duo mit einem „Intro“ mit Muschelhorn, Rahmentrommeln und Xiao sowie „Traumwelt“ mit Klangschalen und Didgeriphon den Konzertabend eröffnet hatte, sah man viele Besucher, die die Augen geschlossen hatten, um die meditativen Klänge tief in ihre Seele zu lassen. Doch durch die ungewöhnlichen Instrumente, die manch einer zuvor vermutlich noch nie gesehen oder gehört hatte, wurden Kompositionen wie „Rhesa“, „Flow“, „Intermezzo“ oder „Gong Universe“ nicht nur zu einem besonderen Erlebnis für das Ohr, sondern auch für das Auge.

Denn zum „E-Schwenk“ schwenkten tatsächlich zwei Tibethörner über den Köpfen des Auditoriums hinweg. Und wenn die verschiedenen Klangschalen ihre lieblich-vibrierenden Töne erzeugten, hätte man im Kirchenschiff eine Stecknadel fallen hören, so mucksmäuschenstill war es.

Minutenlange Stille

Dass die virtuosen Klangkünstler perfekt aufeinander abgestimmt sind, sah man daran, dass kaum ein Blickkontakt vonnöten ist. Auf leisen Sohlen wandelten sie von Instrument zu Instrument, ergänzten sich nah, aber auch von Weitem exzellent. Kaum dass dann der letzte Ton von „In Winter“ verklungen war – hier kamen Rainsticks, diverse Klangspiele und Oceandrums zum Einsatz, die das Gefühl vermittelten, als unternehme man einen Spaziergang am Meer – herrschte in der Kirche St. Marien minutenlange Stille. Erst dann brandete der Applaus auf und Annette Ludzay überreichte als Dank für ein Konzert der besonderen Art Präsente. Klar, dass die Besucher danach erst einmal die verschiedenen Klang-Instrumente in Augenschein nahmen….