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Ein Winzer aus Wimmer Florian Stockhause beendete erfolgreich eine nicht alltägliche Ausbildung in Franken

Von Willi Schmutte | 22.09.2011, 14:06 Uhr

Lieblich gleich edelsüß, trocken oder halbtrocken, fränkisch trocken, sehr trocken – Begriffe, die dem Weinkenner nicht fremd sind. Fränkischer Wein und Bocksbeutel, ebenso bekannt, und das Frankenland spielt auch bei der folgenden Geschichte eine bedeutende Rolle.

Etwas anderes machen, etwas beruflich Interessantes, eine nicht alltägliche Ausbildung beginnen – so lautete vor zwei Jahren die Zielsetzung eines jungen Abiturienten aus Wimmer. Grundschule in Weimar, dann in Poprad in der Hohen Tatra in der Slowakei und ab der vierten Klasse in Bad Essen. Dann der Besuch des GBE mit der bestandenen Reifeprüfung, dem Abitur. Schon ein interessanter Weg, den der 21-jährige Florian Stockhause aus Wimmer da gegangen ist.

Sein Geburtsort ist Weimar in Thüringen, der weitere Weg wurde von dem Weg seiner Familie vorgegeben. Aber nach dem Abitur, als sich die Frage stellte, wohin nun, da entstand die Idee: Winzer, ja, das wäre es. Aber dieses Berufsbild, das gibt es doch in unserer Region nicht. Wein? Ein Winzer aus Norddeutschland? Bierbrauer oder so etwas in dieser Richtung, das wäre schon verständlich. Nein, der Wein sollte es sein.

Wo war die zündende Idee, der Anstoß?

Eine Cousine in der Schweiz, genauer gesagt, in dem durch den Rheinfall bekannten Schaffhausen, kannte einen Winzer, der im Gespräch die Möglichkeit eines Praktikums aufzeigte. Sie hatte von Florian gehört, der daran interessiert war, obwohl er gerade 16 Jahre alt war.

So wurde der Kontakt geknüpft, und in den Herbstferien 2006 und 2007 nutzte der unternehmungsfreudige Wimmeraner die freie Zeit jeweils zu einem Praktikum in Hallau. Hallau liegt im Kanton Schaffhausen, der auch bekannt ist unter der Bezeichnung „Blauburgunder Land“.

Aber die Schule, das Gymnasium Bad Essen, erforderte doch noch einige Zeit der Anstrengungen. Klausuren und Prüfungen, dann das Abitur, das bestandene Abitur. Die Tür für den beruflichen Lebensweg war geöffnet. Ja, und da war doch der Wunsch, Winzer zu werden. Informationen bei der Agentur für Arbeit eingeholt, das Medium Internet genutzt, gezielt Daten gesammelt, Bewerbungen geschrieben, und drei waren erfolgreich. Es folgten Vorstellungsgespräche in der Nähe von Freiburg, im Bereich Bad Mergentheim und, ja, in Röttingen.

Das Städtchen Röttingen im Taubertal, zwischen Würzburg und Rothenburg ob der Tauber, gegründet im Jahr 1275, das war ab September 2009 für zwei Jahre das Domizil des Abiturienten Florian Stockhause. Das Weingut Poth war der Ausbildungsbetrieb, das von Gerald Poth in dritter Generation geführt wird.

Die Ausbildung bot nur eine kurze Einarbeitung, denn im Oktober begann schon die Weinlese, die Hauptarbeit, die arbeitsintensivste Zeit. „Knüppelhart, aber wunderschön“, so nennt der junge Mann aus Wimmer die Arbeit. Mit der bis zu 60 Kilogramm schweren Tragebutte, hier auch als Kiepe bekannt, durch den Weinberg – kein Zuckerschlecken, harte Arbeit eben.

Traubenproduktion, Kellerwirtschaft und Vermarktung, die drei wichtigen Bereiche des Berufes. Die Weinlese ist vielleicht das Kernstück der Arbeit.

Im September/Oktober wird geerntet, die reifen Trauben werden gepflückt und dann der weiteren Verarbeitung zugeführt. Das Lesegut wird gepresst und dann vorgeklärt.

Es folgen Hefeansatz, Gärung und die entsprechenden Kontrollen. Der junge Wein wird bis etwa Mitte Januar behandelt, Hefeabstiche, eventuell Entsäuerung oder Säuerung werden vorgenommen, und dann folgt die Filtration.

Aber der Weinberg erfordert auch weiter die Arbeit des Winzers: Der Rebschnitt bis Ende Februar, bestehend aus dem Rückschnitt des Rebholzes, das Rausziehen der abgeschnittenen Triebe und das Niederziehen beziehungsweise Anbinden des Zielholzes.

Die Anlagen, sprich Weinberge, wollen gepflegt sein. Reparaturen an der Drahtanlage, das Austauschen der Pforten und die Bearbeitung des Bodens wie Fräsen, Grubbern und Mulchen – es gibt immer etwas zu tun.

Junge Felder müssen gepflegt werden, dann die Pflegemaßnahmen vom Rebaustrieb bis zur Lese.

Entblättern und Heften, der Pflanzenschutz und der Laubschnitt zur besseren Belüftung und Abtrocknung in der Rebzeile und zur Verhinderung von Rebkrankheiten. Ein breit gefächertes Programm – und die Vermarktung und Kellerwirtschaft läuft ganzjährig.

Hierzu zählen die Abfüllung des Weines, dessen Bewertung und Einstellung. Der Wein muss etikettiert und verkauft werden, Weinproben werden angeboten, Kundentouren stehen an, die Präsenz auf Messen und Weinfesten ist gegeben, und auch eigene Hoffeste finden statt.

Dazu kommt auch noch die Arbeit im Büro: Anträge, Lieferscheine und Rechnungen schreiben. Eine abwechslungsreiche Tätigkeit, ein interessantes Berufsbild hat sich aufgetan.

Florian Stockhause blickt nun nach bestandener Prüfung auf zwei Jahre harter Arbeit zurück – gleichwohl aber auch auf viele interessante Tätigkeiten. Der Wein, sagt er, hat es ihm angetan.

Wie geht nun der berufliche Weg weiter? Welche Möglichkeiten gibt es für den ausgebildeten Winzer aus dem Wittlager Land?

Florian Stockhause hat sich für ein Studium entschieden, welches er in Kürze in Gießen beginnen wird.