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Ein Gewinn für alle Rabber: Tafel ermöglicht den Berufseinstieg

Von Almut Hülsmeyer | 28.12.2014, 18:17 Uhr

Für Sebastian Kampczyk ist die Meller Tafel ein Glücksfall. Nicht weil er in der Einrichtung umsonst Lebensmittel bekommt, sondern weil er hier einen Arbeitsplatz gefunden hat.

Nach einer abgebrochenen Ausbildung zum Altenpfleger war der 29-Jährige lange arbeitslos. Nur gelegentlich hatte er eine Beschäftigung als Ein-Euro-Jobber. „Ich habe als Aushilfshausmeister bei der Polizei gearbeitet und dort Aufgaben wie Streichen und Reparaturen übernommen“, berichtet Kampczyk.

Vor gut zwei Jahren machte ihn seine Betreuerin bei der Maßarbeit auf eine Ausschreibung der Meller Tafel aufmerksam. Diese suchte im Rahmen des Programms „Bürgerarbeit für Langzeitarbeitslose“ nach zwei Mitarbeitern, die die ehrenamtlichen Helfer bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen sollten. Kampczyk bewarb sich und bekam die Stelle.

Seitdem beginnt sein Arbeitstag morgens um 7 Uhr, wenn er mit seinen Kollegen den kleinen Lkw der Meller Tafel mit leeren Kisten belädt. Dann starten die Männer auf ihre Tour durch den Landkreis Osnabrück und die angrenzenden Regionen. Nacheinander fahren sie Supermärkte, Bäckereien und Lebensmittelproduzenten an, wo bereits fertig gepackte Paletten und Kisten mit Nahrungsmitteln auf sie warten. Sobald Kampczyk und seine Kollegen zurück in Melle sind, müssen die Waren entladen, sortiert und ins Lager gebracht werden. Anschließend werden die Lebensmittel auf die Standorte der Tafel in Rabber und Bünde weiterverteilt.

Eine Aufgabe, die viel körperliche Kraft verlangt. Deshalb entschloss sich die Meller Tafel, zwei Mitarbeiter anzustellen. „Wir brauchten dringend junge, kräftige Männer, die unsere älteren Fahrer bei der Arbeit unterstützen“, erzählt die Vorsitzende Hannelore Tommek. In Sebastian Kampczyk hat die Tafel die ideale Besetzung gefunden. „Er hat eine positive Einstellung zur Arbeit, ihm wird nichts zu viel. Außerdem hat er einen Führerschein und ist vielseitig einsetzbar“, lobt Tommek.

Doch die Tafel drohte ihren wertvollen neuen Helfer zu verlieren, denn Ende 2014 läuft das Förderprogramm „Bürgerarbeit für Langzeitarbeitslose“ und damit auch die staatliche Finanzierung von Kampczyks Stelle aus. Ein Unterstützerkreis von mehreren Institutionen sowie einige größere Spenden haben es dem Verein ermöglicht, Kampzcyk nun auf eigene Kosten für ein weiteres Jahr zu beschäftigen.

Eine positive Nachricht

Anfang Dezember konnten die Vereinsmitglieder Kampczyk die positive Nachricht überbringen. „Ich habe mich sehr gefreut. Vorher wusste ich ja nicht, wie es für mich weitergeht“, sagt Kampczyk und fügt hinzu: „Ich bin gerne hier und habe mich gut eingelebt.“ Unter den rund 100 ehrenamtlichen Mitarbeitern an den Standorten Melle, Rabber und Bünde herrscht eine gute Arbeitsatmosphäre, und auch zu den Kunden der Tafel hat Kampczyk ein vertrauensvolles Verhältnis entwickelt. Regelmäßig beliefert er ältere und schwerbehinderte Menschen, die nicht mehr selbst zur Tafel kommen können, mit Lebensmittelpaketen. „Wenn ich die Leute besuche, schnacken wir immer kurz, wie die Woche war“, erzählt er. Dass die Tafel den 29-Jährigen weiterbeschäftigen kann, war auch für die Vereinsmitglieder und ehrenamtlichen Helfer eine große Erleichterung. „Man darf nicht vergessen, dass die Tafel ein Unternehmen mittlerer Größe ist, dessen Betrieb aufrechterhalten werden muss. Monatlich versorgen wir in Melle, Rabber und Bünde rund 4000 Personen“, sagt Hans Brokamp, Vereinsmitglied und Schriftführer.

Erfolgreicher Einstieg

Wegen der wachsenden Zahl Asylsuchender steige auch die Zahl der Tafel-Kunden. Gleichzeitig gebe es in Niedersachsen den Trend, dass weniger Ehrenamtliche für die Tafel arbeiteten. Deshalb sei man auf fest angestellte Mitarbeiter wie Kampczyk in Zukunft stärker angewiesen, erklärt Brokamp. Er und Tommek haben die Hoffnung, dass sie Ende des kommenden Jahres ihrem Mitarbeiter eine weitere Verlängerung seines Arbeitsvertrags anbieten können. Dann wäre auch das Ziel des Bundesprogramms „Bürgerarbeit“ erreicht: einem Langzeitarbeitslosen den erfolgreichen Einstieg in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu ermöglichen.