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Drachenbootrennen Wenn die Bad Essener in See stechen...

Von Markus Pöhlking | 22.07.2012, 18:30 Uhr

Seit 1972 residiert alle kommunale Macht der Gemeinde Bad Essen in der Ortschaft Um die heimliche Herrschaft in der Kommune wird seit 2007 auf dem Wasser gerungen: Bei der mittlerweile sechsten Auflage des Hafenfestes in Bad Essen traten auch in diesem Jahr wieder alle 17 Ortschaften der Gemeinde beim Drachenbootrennen gegeneinander an.

Würden die Bad Essener für klare Verhältnisse sorgen oder die Wehrendorfer erneut das Rennen machen? Oder gar ein Dritter das Regiment an sich reißen? Vor der Feier mussten erst mal die Machtverhältnisse geklärt werden. Bevor die jeweils 17-köpfigen Besatzungen die von der Kanusportgemeinschaft (KSG) Minden bereitgestellten Boote enterten und die 200 Meter lange Rennstrecke auf dem Mittellandkanal in Angriff nahmen, wurde um die Aufmerksamkeit der Zuschauer gebuhlt: Jim-Knopf-Motive, Schiffbrüchige von der einsamen Insel oder Alcatraz-Sträflinge setzten das diesjährige Festmotto „Reif für die Insel“ in nahezu karnevalesker Manier um. Vom detaillierten Make-up bis zum Nachbau der Lummerland-Lok „Emma“ machten die Kontrahenten deutlich: Der Wettkampf begann bereits mit dem Auftritt.

„Neben dem eigentlichen Rennen gibt es auch eine Zuschauerwertung für den spektakulärsten Auftritt“, erklärte Anne Schmidt von der Gemeinde Bad Essen die aufwendige Inszenierung aller Teams. Aller Teams? Nicht ganz: Da in drei Vorläufen zur Finalrunde in sechs Durchgängen je drei Teams gegeneinander antraten, ergab sich bei 17 Ortschaften eine offene Planstelle, die kurzfristig vom DRK-Ortsverband aus Hagen besetzt wurde: „Die Teilnahme war sehr spontan, wir hatten mit nur einer Woche wenig Vorlaufzeit“, sagte Michael Peters, Teamchef der Hagener. Zu wenig für die Umsetzung des Mottos: Die Crew der „MS Mentrup“ startete stattdessen im DRK-Dress und damit zumindest im Zuschauerpreis außer Konkurrenz.

„Außer Konkurrenz“ lautete auch die Einschätzung von Olaf Stelljes – allerdings befragt nach den Chancen in der Kerndisziplin, dem Paddeln: „Wir waren bislang immer die Letzten“, so Stelljes, Teamchef der „Durstigen Dinos“ aus Barkhausen. Trotz einiger Trainingseinheiten im Vorfeld ist ein besseres Resultat auch in diesem Jahr unrealistisch, so seine Prognose. Der Rennverlauf gab ihm unrecht: Letztlich konnten sich die „Dinos“ auf den 15. Platz verbessern. Ambitioniertere Töne trafen die „Wilden Wasserstörche Wehrendorf“: Beim Vorjahressieger bezeichnete man den Einzug in die Finalrunde als Minimalziel, als Optimum natürlich die Titelverteidigung. „Vor allem die Bad Essener würden wir gerne erneut in ihre Schranken weisen“, beantwortete Leader Timo Natemeyer die Frage nach dem schärfsten Konkurrenten, „dann könnten wir das nächste Jahr über schön weiterfrotzeln gegen die Gemeindehauptstädter.“ Eine ähnlich augenzwinkernde Kampfansage gab es aus dem Lager der Dahlinghausener Auswahl: „Der größte Rivale ist natürlich Bad Essen. Die geben da schließlich das ganze Jahr unser Geld aus, jetzt können wir es denen mal zeigen“, ließ Dah-Ling-Khan-Käpt’n Henning Padecken verlauten. Und die Bad Essener? Nahmen es mit kapitaler Gelassenheit: „Wir werden natürlich unser Bestes geben dagegenzuhalten“, äußerte Ralf Herdemann von der „Wilden 13“ entspannt. Der Rennverlauf schien ihm bis dahin recht zu geben: Im ersten Vorlauf hatten die Bad Essener trotz anfänglicher Abstimmungsprobleme souverän triumphiert – am Ende eines knappen Finales reichte es dann aber letztlich doch nur für Platz vier.

Sieger beider Kategorien wurde in diesem Jahr das Team „Brouks achtern Kanal“. Die Brockhausener liefen nach genau 58 Sekunden im Finallauf nicht nur als Erste im Ziel ein, fürs aufwendig gestaltete Erscheinungsbild im Stile von Jim Knopf gab es auch den Publikumspreis.

Die informellen Machtverhältnisse in Bad Essen waren damit für das nächste Jahr geklärt, höchste Zeit also für die Party: Zur Musik der „Dollies“ und stimmungsvollen Lampionfahrten auf dem Kanal wurde bis spät in die Nacht gefeiert, am Sonntag stand dann ein Fest für die ganze Familie auf dem Programm: Neben Geo-Caching und anderen Mitmach-Aktionen waren unter Anleitung von Mitgliedern der KSG Minden auch Fahrten mit den Drachenbooten auf dem Mittellandkanal möglich.