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Die Spitze steht Rückschau auf ein stressiges Landesgartenschaujahr 2010

Von Karin Kemper | 30.09.2011, 15:31 Uhr

Eines vorweg. Der alte Vorsitzende ist auch der neue Vorsitzende. An der Spitze des Kur- und Verkehrsvereins Bad Essen steht für eine weitere dreijährige Amtsperiode Wolfgang Bielefeld.

Die Wahl gestaltete sich allerdings gar nicht so einfach – genau genommen war es allerdings nicht die Wahl, sondern das Wahlverfahren. Die Mitglieder des Kur- und Verkehrsvereins erhielten in der Mitgliederversammlung im Högers Hotel nämlich Stimmzettel in unterschiedlichen Farben. Das wiederum warf Fragen auf. Und es dauerte eine Weile, bis die Erklärung passte. Die Farbe entscheidet über die (satzungsgemäße) Gewichtung der Stimmen. Wer mehr „leistet“, sprich mehr Fremdenverkehrsbeitrag zahlt, dessen Stimme zählt mehrfach. Hinzu kommt, dass die Gemeinde Bad Essen (ohne Wahl) doppelt im Vorstand vertreten ist – durch einen Vertreter der Verwaltung und durch den Ortsbürgermeister. Derzeit sind das Erster Gemeinderat Carsten Meyer und Jens Strebe.

Gewählt wurde in schriftlicher Abstimmung ein sechsköpfiges Gremium – bei sieben Kandidaten. Die meisten Stimmen vereinigten Barbara Schmidt, Liane Bendrich, Silke Schuster, Andreas Hoffmeier, Wolfgang Bielefeld und Annette Sommer auf sich. Aus diesem Kreis wurden unmittelbar im Anschluss an die Versammlung der Vorsitzende und seine Stellvertreterin gewählt – es sind dies Wolfgang Bielefeld und Silke Schuster.

Eingangs hatte der Vorsitzende betont: „Wir können mit der Nachhaltigkeit fast ein Jahr nach der Landesgartenschau ganz zufrieden sein. Viele Gäste kommen, auch der Kurgastbereich ist gewachsen.“ Bielefeld richtete außerdem besonderen Dank an die Gruppe der „Kundigen Bürger“, die ein Lichterfest organisierte, das an frühere Feuerwerkszeiten erinnerte, und für das Engagement mit schönstem Wetter und vielen Besuchern belohnt wurde.

Mit dem Thema „Gesundheitsorte der nächsten Generation – Wo steht Bad Essen?“ befasste sich in einem Vortrag Falk Hassenpflug von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. Er unterstrich, dass Bad Essen keineswegs ein touristischer Entwicklungsort sei, sondern über gewachsene konkurrenzfähige Strukturen verfüge. Das zeige sich nicht zuletzt daran, dass Bad Essen nach Zäsuren wie etwa der Gesundheitsreform wieder eine Aufwärtstendenz vorweisen könne. Das sei keineswegs überall so.Gleichzeitig forderte Hassenpflug dazu auf, offen für Neues zu sein, den Mut zu haben, etwas zu wagen. Es gelte, nicht ausschließlich auf Standards zu setzen, sondern im Hinblick auf Innovationen „einfach mal in einer überschaubaren Runde zu spinnen“. Ziel müsse immer sein, eine Unverwechselbarkeit zu schaffen. Und keineswegs dürfte die eigene Bevölkerung rund um den Gesundheitsstandort vergessen werden.

Zum Rückblick auf das Geschäftsjahr 2010 mit der Besonderheit „Landesgartenschau“ und dem umfangreichen Veranstaltungsprogramm gehörte ein „Werbeblock“, der für das bevorstehende erste Oktober-Wochenende bei wunderbarem Wetter warb. Dazu gehören heute die Kultur-Kanapées ab 18.18 Uhr. Am Sonntag geht es weiter mit der Freiluftveranstaltung „Himmel und Erde“, und abends folgt „Re-Cartney“ in Högers Hotel.

Und hatte es 2009 noch ein deutliches Minus in der Kasse des Kur- und Verkehrsvereins gegeben, so sah die Bilanz Ende 2010 ganz anders aus. Es stand ein Plus von mehr als 50000 Euro zu Buche. Zwei ganz entscheidende Faktoren, die beide mit der Landesgartenschau in unmittelbarer Verbindung stehen, sind dafür verantwortlich: die Provisionen für Eintrittskarten und die Tatsache, dass weitaus weniger Geld für eigene Veranstaltungen aufgewendet wurde, da es ein umfassendes LaGa-Programm gab. Geschäftsführerin Annette Ludzay: „Wir konnten mit diesem Ergebnis gut in das Jahr 2011 gehen.“ Sie erwähnte in ihrem Geschäftsbericht auch, dass durch die Landesgartenschau 2010 die Auflage der Gastgeberverzeichnisse um 15000 Stück erhöht wurde. Das steigerte zwar die Kosten (auch beim Porto, denn zahlreiche Exemplare wurden verschickt), wird aber durchaus eine längerfristige Resonanz für den Kurort bringen.

Auf jeden Fall lautete das Fazit der Geschäftsführerin: „2010 war durchgehend toll, wenngleich stressig.“ Nicht fehlen durfte der Hinweis darauf, dass es in der Tourist-Info in der Regel begeisterte Kommentare gab. „Man hat durch die Landesgartenschau bundesweit von Bad Essen gehört. Das hätten wir sonst sicher nicht hinbekommen.“ Hinzu komme, dass die Infrastruktur in der Gemeinde enorm profitiert habe. Im Mittelpunkt steht dabei die Solearena, ein Inhalatorium umsonst und draußen. „Das hat sonst keiner. Das Angebot wird angenommen. Das ist supertoll für uns.“

Im laufenden Jahr, so hieß es weiter, wurde eine Zunahme der Tagesbesucher verzeichnet. Manche hatten den Besuch im Vorjahr nicht geschafft, andere kamen wieder. Insgesamt habe Bad Essen durch die Landesgartenschau einen enorm Schub nach vorn bekommen. Das gelte nicht zuletzt im Hinblick der Sicht der Bürger auf ihren Ort. Viele hätten mitbekommen, wie andere (etwas neidisch) ihre Heimat sehen: „Habt ihr ein Glück, dass ihr hier lebt.“