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„Das ist jetzt vorbei“ Viktoria Freifrau von dem Bussche im Interview

Von Christa Bechtel, Christa Bechtel | 24.06.2016, 20:00 Uhr

Vor gut 19 Jahren veranstaltete Viktoria Freifrau von dem Bussche auf Schloss Ippenburg in Lockhausen das erste Gartenfestival Deutschlands. In diesem Jahr gab es einen Stabwechsel: Die Schlossherrin überreichte das „Zepter“ an ihren Sohn Viktor und Schwiegertochter Deborah von dem Bussche. Für uns Anlass, mit Viktoria von dem Bussche auf zwei erfolgreiche Jahrzehnte zurückzublicken.

Wie ist 1998 die Idee entstanden, Besucher zu Gartenfestivals einzuladen?

„Die Idee ist eigentlich schon 1996 entstanden. Da habe ich sogar mein erstes kleines Fest gemacht. Damals habe ich darüber nachgedacht, dass ich mit dem Garten etwas machen müsste, weil der Betriebsberater meines Mannes gesagt hat: ‚Eine moderne Landwirtschaft wirft keinen Garten ab. Sie können Ihre Frau gerne nach Paris zum Wochenmarkt schicken, um einen Blumenstrauß zu kaufen.‘ Ich war sehr beleidigt! So eine Frechheit, mir zu unterstellen, dass ich einen Blumenstrauß will – ich will einen Garten haben! Da hatte ich die Idee, dass ich irgendetwas erfinden muss, dass der Garten sein Geld selbst verdient. Sprich, ich brauche zahlende Besucher, die in diesen Garten kommen. Dafür kann ich dann meine Arbeitskräfte und meine Pflanzen bezahlen.

Ich bin dann nach Holland und England gefahren, habe mir das dort angeguckt und habe 1996 spontan das kleine Fest mit Erdbeerkuchen gemacht. Da kamen tausende Menschen. Wir haben auch noch Schlossführungen angeboten. Nach einer halben Stunde war alles aufgegessen, es gab nichts mehr. Und wir merkten: das ist eine Superidee. Dann habe ich nach einem Konzept gesucht und 1998 das erste Festival im Obstgarten gemacht. Es war ein großer Erfolg – da war die Idee perfekt.“

Zum ersten Festival waren es 32 Aussteller; heute sind es – jedenfalls zum Sommerfestival rund 200. Bewerben sich die Aussteller bei Ihnen oder wie akquirieren Sie die?

Im September des Vorjahres lade ich rund 100-150 Aussteller ein (schriftlich mit Unterlagen), die ich gerne haben möchte. Es sind viele von denen, die immer da sind. Die melden sich dann bis etwa April an; manchmal auch noch kurz vorher, wenn etwas Tolles kommt. Das steht auch im Internet: Bitte schicken Sie eine Bewerbung mit Fotos der Produkte und Fotos der Standgestaltung. Das ist der wichtigste Punkt. Ich schaue mir das genau an und danach entscheide ich, ob ich die haben möchte. Weil es mir ganz wichtig ist, dass die Stände liebevoll gemacht sind. Bei Produkten, die ich gerne haben möchte, helfe ich auch manchmal nach: Bitte, Sie müssen Ihren Stand etwas sinnlicher gestalten, etwas schöner machen. Manche Stände haben wir sogar noch selbst dekoriert, weil wir sagten, dass es so nicht funktioniert (lacht). Ich denke, von den Bewerbungen, die ich bekomme, nehme ich 50 Prozent.

2010 fand die Landesgartenschau in Bad Essen mit rund 500.000 Besuchern statt. Auch Schloss Ippenburg war daran beteiligt. Haben Sie das Gefühl, dass die Nachhaltigkeit aus diesem Event für das Osnabrücker und Wittlager Land bis heute anhält?

Absolut! Das hat Bad Essen sehr nach vorne gebracht. Einmal, weil viele Menschen danach wieder zurückkommen, um Bad E

ssen zu besuchen. Es genießt auch einen tollen Ruf, weil es eine der wenigen Gartenschauen war, die wirklich erfolgreich war. Und wenn man sich den Hafen anschaut – es hat einen unglaublichen Aufschwung gegeben. Und eine Art von ganz klarem Selbstbewusstsein, von einem Gefühl eines Ortes, der es wirklich geschafft hat, 500.000 Leute dazuhaben. Man nutzt die Chance und macht weiter. Wir haben auch mit Frau Ludzay eine Frau in der Tourist Info - die ist ja unglaublich gut. Die sitzt da jetzt mindestens so lange, wie ich meine Festivals mache. Wir haben von Anfang an gemeinsam gearbeitet; wir haben gemeinsam gesagt: Wenn man nach vorne will, dann muss alles stimmen, dann muss das Festival und das ganze Umland stimmen. Aber es muss auch der Ort blühen. Und zum Glück kann man sagen, dass Bad Essen die Sonntagsöffnungen hat, was ich für Bad Essen super finde.“

Gerade fand „Viktorias letztes Festival“ statt und Sie haben den „Stab“ an Ihren Sohn und Schwiegertochter übergeben. Was wird aus Ihrer Sicht die Veranstaltungen in der Vergangenheit von denen in der Zukunft unterscheiden?

(Lacht) „Eine schwierige Frage, weil ich ja nicht weiß, was die in der Zukunft machen. Es ist wirklich so, dass ich noch nicht weiß, wie die das machen möchten. Das Einzige was ich weiß, dass sie schon mit ‚Garten‘ ein bisschen machen möchten. Aber ich denke mal: die werden ganz andere Akzente setzen. Das muss doch auch sein, es muss ja etwas Neues kommen. Darum kann ich auch gar nicht sagen, wie es sein wird. Aber – es wird jünger, es wird Vieles vielleicht auch schicker. Zum Beispiel das Restaurant im Alten Pferdestall. Bei mir ist so gewesen: Hauptsache der Kuchen schmeckt. Dann wird es schon irgendwie sein. Es muss schön geschmückt werden mit Blumen. Wir haben den Pferdestall einmal schick gemacht, aber mehr so Shabby Chic. Und jetzt sieht das doch ganz toll aus. Ich könnte mir vorstellen, dass es in diese Richtung geht. Es wird einfach moderner, es wird vielleicht ein bisschen weniger ‚Shabby Chic‘ (lacht). Als ich anfing, bin ich ja nach England gefahren und habe mir gesagt: Wie wirkt so ein Schloss, wenn es nicht so perfekt ist, weil, das kann man gar nicht schaffen. Man kann weder schaffen, den Garten perfekt zu machen, noch das Schloss; das will ich auch gar nicht. Diese Art von englischem Understatement und Shabby Chic, das ist mein Stil. Das Beispiel „Restaurant“ – da kann man sich ein kleines bisschen schon vorstellen, was vielleicht anders sein könnte.“

Wie wird Freifrau Viktoria von dem Bussche „im Ruhestand“ zukünftig ihren Alltag gestalten?

Erstens habe ich ja versprochen, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Möchte das allerdings auf den Küchengarten beschränken. Da mache ich gerne weiter, weil mir das am meisten Spaß macht. Denn ich habe die Festivals von Anfang an nur gemacht, damit ich einen Garten haben kann. Und wenn ich jetzt diesen Luxus habe, dass ich einen Garten machen kann – auch wenn es nicht mehr mein Garten ist, aber dort wirken kann. Und habe nicht den Stress der Festivals. Das ist für mich das Schönste, was mir passieren kann. Dann habe ich viele Enkelkinder, einen eigenen Garten, der mich dringend braucht. Und dann möchte ich ein Buch schreiben, was schon lange in meinem Kopf ist. Das mache ich auch irgendwann. Ansonsten möchte ich einmal durchatmen. Und nicht von Februar bis Oktober Dauer-Performance. Das ist jetzt vorbei – und da bin ich hochzufrieden!