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Bei seiner Taufe brannte es Wie ein Wehrendorfer Ortsbrandmeister wurde

Von Sandra Heick, Sandra Heick | 03.02.2017, 20:36 Uhr

Als Olaf Riefenstein getauft wurde, so erzählt man es sich, fing in der Bad Essener St.-Nikolai-Kirche ein Baum voller Kerzen zu brennen an. Zum Glück waren seine Patenonkel Feuerwehrmänner und wussten, was zu tun war. Heute, rund 40 Jahre , ist Riefenstein Ortsbrandmeister von Feuer fasziniert ihn wie eh und je.

Als Olaf Riefenstein sechs Jahre alt war, hat ihn ein Feuerwehrmann gefragt, ob er auch mal zur Feuerwehr wolle. Er soll geantwortet haben, dass er Ortsbrandmeister werden wolle. Und das ist er jetzt, seit 2012. Wie alles angefangen hat, weiß der Wehrendorfer noch ganz genau. „Es war 1988. Ich war auf dem Weg zu einem Geburtstag, als ich sah, dass ein Bauernhof in der Ferne brannte. Da war enorm viel Rauch – und in diesem Moment ist in mir der Gedanke entfacht, dass ich zur Feuerwehr muss.“

Anruf beim Jugendfeuerwehrwart

Olaf Riefenstein und sein bester Freund, Ralf Clausmeyer, hatten schon viele Übungen der Jugendfeuerwehr mit ihren knallroten Helmen beobachtet, und dann war da der Tag, an dem Ralf Clausmeyers Mutter beim Bad Essener Jugendfeuerwehrwart anrief. „Ich war dabei“, sagt Olaf Riefenstein, „und rannte danach sofort nach Hause, weil mein Vater ebenfalls anrufen sollte. Was er auch tat. Und dann war ich mit zwölf Jahren plötzlich wirklich bei der Feuerwehr.“

Es folgte ein Zeltlager, zu dem der Wehrendorfer als Jüngster mitfuhr – und er war begeistert von der Kameradschaft, die er erlebte. „Als ich bei einem Orientierungsmarsch nicht mehr konnte, nahm man mich einfach Huckepack. Da wurde keiner zurückgelassen. Das war klasse.“ Von da an war Olaf Riefenstein dann endgültig Feuer und Flamme für die Feuerwehr.

Nicht mehr an vorderster Front

1993 trat er in die Wehrendorfer Wehr ein – ohne die Bad Essener Jugendfeuerwehr dafür zu verlassen. Er blieb, weil ihn seine Erlebnisse „so gefesselt hatten“. Zunächst war er Betreuer, schließlich Gemeindejugendfeuerwehrwart. Erst mit seiner Wahl zum Ortsbrandmeister fokussierte sich Riefenstein vollkommen auf die Wehrendorfer Wehr. Anfangs sei es schwierig gewesen, bei Einsätzen nicht mehr an vorderster Front dabei zu sein, sondern als Einsatzleiter zu delegieren. „Ich gehe lieber selber in Richtung Feuer, als meine Kollegen in ebendiese Richtung loszuschicken“, sagt Riefenstein. „Du trägst die Verantwortung und weißt halt, dass es gut gehen kann – aber nicht immer gut geht.“

Keine schlaflosen Nächte

Um zu wissen, was seine Kameraden bei einem Großeinsatz geleistet haben, während er selbst „nur so’n bisschen Entscheidungen treffen musste“, wie Olaf Riefenstein es formuliert , geht der 40-Jährige nach solch einem Einsatz immer deren Wege ab. Das ist ihm wichtig, auch um schlauen Sprüchen etwas entgegenhalten zu können. „Ich glaube, mich beschäftigt so ein Einsatz immer ein bisschen länger als alle anderen“, sagt der Ortsbrandmeister. „Oft stelle ich mir die Frage: Hätte man’s besser machen können? Und wenn ja, wie? Ich will Fehler nicht zweimal machen.“ Manches komme immer wieder hoch. Aber schlaflose Nächte habe er nicht.

Der zeitliche Einsatz als Ortsbrandmeister, er sei enorm, sagt Olaf Riefenstein. Was teilweise auch an seinem hohen Anspruch liege. Er spricht von 10 bis 15 Stunden im Monat – und die seien nicht immer unproblematisch. Vor allem mit Blick auf die Familie. Tochter Lotte ist jetzt zwei Jahre, Sohn Kalle ein Jahr alt. „Wenn Kinder so klein sind, will man natürlich möglichst viel bei ihnen sein“, sagt der Wehrendorfer, der seine Frau Stefanie 2014 geheiratet hat. „Wenn ich meine Kinder nicht ins Bett bringen kann, weil mal wieder eine Veranstaltung im Feuerwehrhaus ist, geht mir das schon manchmal auf den Senkel.“

Arbeit im Schichtdienst

Der 40-Jährige arbeitet im Schichtdienst bei Technocell in Osnabrück, meist mit einem Kollegen zusammen. Ist der Kollege da, springt Riefenstein ins Auto, wenn sein Pieper geht. „Egal, ob der Alarmierungsgrund eine Ölspur oder ein Brand ist.“ Ist Riefenstein allein, bleibt er – auch wenn sein Arbeitgeber stets verpflichtet ist, ihn für einen Einsatz freizustellen. „Da muss man die Verhältnismäßigkeit beachten“, sagt der Wehrendorfer. „Meine Sturm-und-Drang-Zeit, in der ich bei einem Alarm alles stehen und liegen gelassen habe, ohne nachzudenken, ist vorbei.“

Und wie ist es mit dem Heldengedanken? „Ich glaube, der war und ist immer da“, sagt Olaf Riefenstein. „Da ist ein Drang, Menschen zu helfen. Menschen zu retten.“ Man müsse zudem ein bisschen verrückt sein, wenn man zum Feuer rennt, wo andere davonrennen. „Vielleicht fasziniert mich besonders, dass ich dem mächtigen Feuer etwas entgegensetzen kann.“

Ins Feuerwehrauto setzen

Wenn seine Kinder eines Tages in seine Fußstapfen treten würden, wäre Olaf Riefenstein stolz, sagt er. „Aber ich versuche, sie nicht in diese Richtung zu stupsen. Das übernimmt schon die Mama, die liebend gerne T-Shirts mit Feuerwehrfahrzeugen drauf kauft.“ Nur bei öffentlichen Veranstaltungen, da kann sich der Ortsbrandmeister dann doch nicht immer zurückhalten. „Da setzte ich die Kleinen schon mal ins Feuerwehrauto oder setze ihnen meinen Helm auf.“ Weil jedes lodernde Feuer, jede Leidenschaft mit einer kleinen Flamme beginnt.