Ein Artikel der Redaktion

Bad Essen Stehende Ovationen für festliche Abendmusik

11.01.2006, 23:00 Uhr

Man erzählt sich, dass schon der erste Schrei, den der kleine Ivan nach seiner Geburt im Jahre 1931 ausgestoßen hat, Belcanto-Format hatte. "Die Stimme ist mir einfach in die Wiege gelegt worden", sagt Ivan Rebroff selbst.

Von dieser in der Tat außergewöhnlichen Stimme konnten sich jetzt die Zuhörer beim Konzert des international bekannten Sängers in der Bad Essener St.-Nikolai-Kirche überzeugen. Doch nicht nur seine viereinhalb Oktaven umfassende Stimme, auch die äußere Erscheinung des Künstlers erwies sich als imposant. Gekleidet in eine reich bestickte Tunika, mit der typischen Fellmütze auf dem Kopf und geschmückt mit dem orthodoxen Kreuz, trat Rebroff ins Rampenlicht. Die Verbindung zu Russland liegt dem Künstler im Blut.

Unter dem Motto '"'Festliche Abendmusik'"' eröffnete er mit '"'Sanctus'"', einer Komposition von Franz Schubert, der der herbe Klang der rustikalen russischen Instrumente beigefügt wurde. Rebroff erläuterte, er sehe sich als west-östlicher Ivan, bemüht darum, die russisch-orthodoxe mit der römisch-katholischen Tradition zusammenzubringen.

Schon in den ersten Takten begeisterte Rebroff mit seinem inbrünstigen Donkosaken-Bass und ließ klar werden, warum seine Stimme den Eintrag in das Guinnessbuch der Rekorde gefunden hat. Begleitet wurde er vom sibirischen Trio '"'Sabawa'"'. Sie präsentierten im Anschluss Liedgut aus dem orthodoxen Russland; verschiedene Variationen der Tänze der Hirten auf den Feldern anlässlich der Geburt des Herrn. Mit einem anschließenden auf Deutsch gesungenen '"'Ave Maria'"' stand der erste Teil des Konzertes ganz im Zeichen geistlicher Musik.

Nach der Pause gab sich Rebroff im Hinblick auf die Auswahl seiner Titel etwas volkstümlicher. Mit tiefer Stimme ließ er den '"'Soldaten am Wolgastrand'"' erklingen. Nach den bekannten Melodien '"'Kalinka'"' und '"'Laras Lied'"' aus '"'Dr. Schiwago'"' war für die im Takt klatschenden Zuhörer klar, dass dies nicht die letzten Lieder des Abends waren. Rebroff gewährte zwei Zugaben, unter anderem das bekannte '"'Wenn ich einmal reich wär''"' aus dem Musical '"'Anatevka'"'. Er sang es nicht einfach nur, er inszenierte es regelrecht als kleines Schauspiel, bevor er von den rund 400 Zuhörern mit lautstarkem Applaus aus der Kirche verabschiedet wurde. Schulen konnte der in Deutschland als Hans-Rolf Rippert geborene Sänger seine Stimme durch ein Studium an der Hochschule für Musik in Hamburg. Der Durchbruch gelang ihm 1968 als Milchmann Tevje im Musical '"'Anatevka'"'.

Unzählige Hauptrollen in Theatergastspielen und Spielfilmen, Auftritte in Fernsehshows weltweit und 50 goldene Schallplatten komplettieren seine Karriere. Im Jahre 1985 bekam er das Bundesverdienstkreuz für seinen Einsatz für die Völkerverständigung verliehen und war 1989 einer der wenigen Künstler, die nach Einladung von Michail Gorbatschow Konzerte in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion geben durfte. Eigentlich lebt der Sänger in Griechenland, meist ist er aber auf Konzertreisen und nennt den Planeten Erde seine Heimat.

Am Dienstag war Bad Essen sein Lieblingsort, denn '"'Der Ort, in dem ich gerade auftrete, ist mir immer der liebste'"', sagt der Künstler.