Lesung in Wiehen-Buchhandlung Wenn Wölfe durch das Wittlager Land ziehen

Von Rainer Westendorf


Bad Essen. Die Wölfe sind zurück in Deutschland. Eine Entwicklung, die viele Menschen sehr emotional sehen. Der Autor Andreas Beerlage hat sich in seinem Buch „Wolfsfährten“ mit diesem Phänomen beschäftigt. Jetzt war er zu Gast in der Wiehen-Buchhandlung in Bad Essen.

Beerlage ist freier Journalist und schreibt unter anderem für Magazine wie Stern, Spiegel und Geo. Seine umfangreichen Rechercheergebnisse zum Thema „Wolf“ hat er in seinem Buch zusammengefasst. „Eigentlich hat das Buch weniger mit dem Wolf selbst zu tun, sondern es geht darum, wie die Menschen mit dem Thema umgehen“, merkte Beerling an.

Die „Wolfsbüromitarbeiter

Er hat auf seiner Spurensuche – den Wolfsfährten – mit Wolfsberatern, Wolfsforschern, Wolfspathologen oder gar „Wolfsbüromitarbeitern“ im Umweltministerium, mit Wolfsbeauftragten bei Jägerschaften und in Naturschutzverbänden, mit Polizei und Tierhaltern gesprochen.

„Deutschland ist wieder Wolfsland geworden. Das weckt uralte Ängste und zugleich eine uralte Verbundenheit“, so Beerlage. Die Rückkehr der Wildtiere werfe die Frage nach dem Naturverständnis der Gesellschaft auf. „Wie viel Wildnis wollen die Menschen dulden?“ Hier gibt es keine eindeutige Position. Das wurde auch bei einer kurzen Befragung der Zuhörer in der Buchhandlung deutlich.

Lesung mit Diskussion

An der Lesung mit Diskussion nahm auch Olaf Göpfert, einer der drei Wolfsberater im Landkreis Osnabrück, teil. „In Landkreis lebt kein aktives Wolfsrudel“, betonte Göpfert. Im Wittlager Land wurden aber mehrfach Tiere gesichtet. „Das sind sogenannte Durchzügler“, so Göpfert. Also Jungwölfe auf Wanderschaft. Wolfsrudel in der näheren Region leben in den Kreisen Diepholz und Vechta. In Niedersachsen sind elf Rudel verzeichnet. 60 Rudel sind in der Bundesrepublik wissenschaftlich nachgewiesen, 13 mehr als vor einem Jahr. Das geht aus Daten des Bundesamts für Naturschutz (BfN) und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) hervor, die in dieser Woche in Berlin vorgestellt wurden.

Ein eigenes Revier suchen

Wie Beerlage und Göpfert erläuterten, ist die Größe der einzelnen Rudel immer stabil. Jungwölfe müssen sich ein eigenes Revier suchen. „Finden sie da nicht bei uns, wandern sie nach Osten Richtung Polen und Russland“, sagte Göpfert.

Passt der Wolf überhaupt in die heutige vom Menschen gestaltete Kulturlandschaft? „Diese Frage hat der Wolf selbst beantwortet. Er ist schließlich da“, sagte der Buchautor. Die Frage sei also nun, ob und wie eine friedliche Koexistenz möglich sei.

Aus der Wildbahn entnehmen

Der Wolf steht unter Artenschutz. Sollen Wölfe, die Nutztiere gerissen haben, erlegt werden? Rechtlich möglich wäre das. Im Behördendeutsch heißt das „Aus der Wildbahn entnehmen“. Und falls ja, wer ist dafür zuständig? Wie soll der Schadensersatz für Tierhalter geregelt werden? „Der Frust bei den Nutztierhaltern ist nachvollziehbar“, so Beerlage. Er plädiert dafür, praxisnah und ohne ideologische Vorbehalte vorzugehen. „Die Politik ist gefordert und muss Antworten geben“, betonte der Gast. Das sei versäumt worden. Schlimmer noch. Vorfälle seien geleugnet oder abgewiegelt worden. Das habe zusätzlichen Schaden angerichtet.