Projekttage der Grundschule Bad Essener Kinder in der virtuellen Welt


Bad Essen. Die Grundschule Bad Essen möchte die Mädchen und Jungen der dritten und vierten Klassen mit Projekttagen für die Gefahren, aber auch Vorteile und Chancen der „virtuellen Welt“ sensibilisieren.

Schulleiterin Gabriele Spang, Michaela Walter (Schulsozialarbeiterin im Team Nessi/Netzwerk Schule – Soziale Integration) und Schulsychologe Thomas Künne von der Niedersächsischen Landesschulbehörde Osnabrück haben aktuell ein Konzept erarbeitet, „sodass die Kinder künftig altersgemäß mit diesen Herausforderungen umzugehen wissen“. Auftakt der Aktion war ein Informationsabend für Eltern in der Aula.

Fünf Workshops

In fünf Workshops werden sich die Kinder mit den Facetten der virtuellen Welt befassen. „Mund zu!?“, lautet der erste Titel. „Nonverbale Kommunikation in Chats kann keine Emotion wiedergeben. Darum brauchen und verwenden wir all die Smileys“, erklärte Künne. Chats sind auch wesentlicher Inhalt des zweiten Workshops „Augen auf?!“. Die Warnung: Nur weil sich der Kommunikationspartner als Kind ausgebe, könne trotzdem ein Erwachsener hinter dem Nicknamen stecken. In diesem Zusammenhang müsse sich jeder die Frage stellen, was man von sich preisgeben möchte – auch die Eltern.

Beschimpfungen und Mobbing

„So nicht?!“ befasst sich mit Beschimpfungen und Mobbing. Im Chat falle es einem leichter, andere zu beleidigen, als wenn der Betroffene einem direkt gegenüber steht. „Alles meins!?“ thematisiert unter anderem das Recht am eigenen Bild, den Respekt vor der Privatsphäre und die Konsequenzen von Erpressung oder übler Nachrede. Die positiven Möglichkeiten werden in „Das geht!?“ zusammen gefasst.

Schutz und Hilfestellung

Künne riet den Eltern, sich auf die Kinder einzulassen und sich gemeinsam Zeit für dieses Thema zu nehmen: „Das gibt den Kindern Sicherheit, und sie erfahren zudem, dass nicht alles, was geht, auch in Ordnung ist.“ Dazu gehöre auch eine gewisse elterliche Einsicht in das Handy, welche als Schutz und Hilfestellung, nicht als Kontrolle, zu verstehen ist. Er appellierte zudem an die Mütter und Väter, selbst ein gutes Vorbild abzugeben.

Aus dem Katalog bestellt

Eine Folge der virtuellen Welt ist laut Künne zum Beispiel, dass die Geduld fehle und Frust nicht ausgehalten wird: „Früher hat man etwas aus dem Katalog bestellt und musste zwei Wochen auf die Auslieferung warten. Heute erhalten wir die Bestellung teilweise schon am nächsten Tag. Wir gewöhnen uns daran, dass alles sofort geht. Wir beobachten dieses Phänomen auch bei den Schülern, denen es – gerade bei frustrierenden Aufgaben – schwer fällt, am Ball zu bleiben.“

In Kleingruppen diskutieren

Die Eltern hatten nach Künnes Vortrag die Gelegenheit, in Kleingruppen zu diskutieren und Fragen aufzuschreiben. Eine Frage: „Wie führe ich mein Kind an die Mediennutzung heran?“ Der Vorschlag des Psychologen: „Verbinden Sie die Nutzung mit etwas Sinnvollem. Recherchieren Sie gemeinsam zu einer Frage des Kindes oder suchen Sie mit Ihrem Kind zum Beispiel nach einem Rezept, um etwas zu kochen oder zu backen.“ Michaela Walter beantwortete die Frage „Kann ich gegen andere etwas machen, wenn sie Mist verschicken?“ „Kommen Sie zu mir. Ich unterliege der Schweigepflicht und kann im Konfliktfall moderieren und vermitteln. Bitte klären Sie das Problem auf keinen Fall auf dem Schulhof, indem sie das Kind zur Rede stellen.“

Funktionierendes Netzwerk

Nach den Herbstferien befassen sich die Grundschüler der Jahrgänge drei und vier über jeweils einen ganzen Schulvormittag in ihren Workshops mit den Chancen und Risiken der sozialen Medien. „Die Klassenlehrer und ich werden Workshops leiten, außerdem übernehmen Jugendpflegerin Saskia Scholz mit ihrer Kollegin Theresa Werner und Jutta Becker aus dem Nessi-Team Bohmte Arbeitsgruppen“, sagte Michaela Walter und fügte noch hinzu, wie wertvoll ihrer Ansicht nach das Projekt mit dem gut funktionierenden Netzwerk am Standort „Grundschule Bad Essen“ sei.