Hochbetrieb beim Cittaslow Land-Markt Bad Essen ist jetzt erste „Fair-Trade-Town“ im Landkreis

Von Christa Bechtel


Bad Essen. Premiere gelungen! Zum 1. Bad Essener Cittaslow Land-Markt schoben sich am Sonntagnachmittag – zeitweise bei strahlendem Sonnenschein – auf dem historischen Kirchplatz jede Menge Besucher durch die engen Marktstraßen. Veranstalter war die Gemeinde Bad Essen in Kooperation mit dem Landkreis Osnabrück.

Mit dem (passenden) Titel „Wochenend‘ und Sonnenschein“ der Comedian Harmonists war am Vormittag das Duo „Viva La Musica“ (Regina Barthel und Felix Holzenkamp) aus Wittlage mit der kleinsten Blaskapelle der Welt gestartet.

„Ich bin tief beeindruckt, wie viele Stände es hier gibt und wie viel hier los ist. Ich bin begeistert“, schwärmte Bad Essens zweite stellvertretende Gemeindebürgermeisterin Ursula Möhr-Loos. Unter dem Slogan „Bio, regional und fair“ präsentierten sich knapp 30 Anbieter und Institutionen auf dem Kirchplatz. Der Höhepunkt des Marktes war die Übergabe der Urkunde „Fair-Trade-Town“ an die Gemeinde Bad Essen. Deutschlandweit gibt es 507 Fair-Trade Städte/Orte, weltweit rund 2000. Bad Essen ist die erste Gemeinde im Landkreis Osnabrück.

Gute Zusammenarbeit

„Wir sind seit fast zwei Jahren Mitglied bei ‚Cittaslow‘“, erklärte Bad Essens Bürgermeister Timo Natemeyer in seiner Begrüßung. Zum Markt verdeutlichte er: „Es gab von der Metropolregion Nordwest unter der Überschrift ‚Bio aus der Region – vom Land auf den Tisch‘ ein Projekt, wo Genuss und Biomärkte im Nordwesten ins Leben gerufen werden sollten.“ Ziel sei die Förderung von regionalen Erzeugnissen und ökologisch hergestellten Lebensmitteln. „Der Landkreis hat das aufgegriffen und uns angesprochen“, freute sich der Bürgermeister. Somit passe der Markt sehr gut zu Bad Essens Konzept „Cittaslow“. Denn: „Es ist wichtig, dass wir uns damit auseinandersetzen, wie unsere Lebensmittel produziert werden.“ Das liege auch im Trend der Zeit, meinte Natemeyer, der allen Besuchern eine schöne Entdeckungsreise durch die kulinarischen Angebote und Informationen wünschte.

Regional einkaufen

Landrat Michael Lübbersmann stellte heraus: „Wir können hier viele Produkte aus der Nachbarschaft sehen, kennenlernen und mit den Herstellern darüber reden, wie sie hergestellt wurden und wie Landwirtschaft heutzutage stattfindet.“ Daher könne man mit solchen Märkten ganz viel für die Menschen in der Region und darüber hinaus tun, so Lübbersmann, der sich wünschte, dass die Verbraucher nicht billig im Supermarkt, sondern bei den regionalen Erzeugern einkaufen würden.

Urkunde überreicht

„Für mich ist das immer eine sehr angenehme Aufgabe, da die Arbeit schon längst geleistet wurde – nämlich von der Steuerungsgruppe “, sagte Carsten Elkmann, Referent des fairen Handels für Transfer mit Sitz in Köln (der Verein steht hinter Fair-Trade Deutschland), der kurze Zeit später die Urkunde offiziell überreichte. Mit der Bewegung ‚Cittaslow“, die in Bad Essen Einzug gehalten habe, finde jetzt eine hervorragende Auseinandersetzung mit der Produktion von regionalen Lebensmitteln und dem Thema der Nachhaltigkeit statt.

Zentrale Frage beim Einkauf sei: „Was brauchen wir für ein Produkt? Können die Menschen davon leben? Das ist das, was der faire Handel will. Dass Produkte zu fairen Löhnen und zu Produktionsbedingungen, die auch den Menschen ein lebenswertes Leben ermöglichen, hergestellt werden“, unterstrich Elkmann. Er ergänzte: „Das hat Bad Essen erkannt und die Bedingungen (fünf Kriterien) mit Bravour geleistet.“ „Wir wollten einfach über den Tellerrand hinausschauen“, hob Annette Ludzay, Geschäftsführerin des Kur- und Verkehrsvereins hervor, die weiter sagte: „Ich freue mich total, dass das für Bad Essen gelungen ist.“

Fair-Trade-Partner

Daneben bekamen einige Fair-Trade-Partner, die Produkte aus dem fairen Handel anbieten, ebenfalls eine Urkunde von Eckhard Eilers, Mitglied der Bad Essener Steuerungsgruppe, überreicht. Dazu gehörten: der Biomarkt Wittlager Mühle, die Grundschule Wehrendorf, der Kur- und Verkehrsverein, Blütengenuss, Kaffeerösterei Genussmafia, SELK Rabber und St. Marien- und St. Nikolaikirche Bad Essen. Dirk Steinmeyer aus Osnabrück, der die Aktion unterstützte, wird weiterhin dafür sorgen, dass Fair-Trade-Botschafter ausgebildet werden.

Ausruhen auf dieser Urkunde kann sich Bad Essen allerdings nicht, da die Zertifizierung nur für zwei Jahre gilt. Mit einem kostenlosen Glas Holundersekt wurde die frischgebackene „Fair-Trade-Town“ gebührend begossen.


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