Protest-Schnatgang an B 65 Wertvolle Landschaft in Bad Essen nicht zerstören


pm/as Bad Essen. Die Bürgerinitiative „Stopp B 65 neu“ führte einen Schnatgang entlang der Meldelinie in der Gemeinde Bad Essen durch, die im Bundesverkehrswegeplan 2030 eingezeichnet ist.

Jürgen Frieler, ehemaliger Ortsbürgermeister der Ortschaft Lockhausen, hatte die Tour ausgearbeitet. Bei strahlendem Wetter konnten weit über 100 Teilnehmer gezählt werden.

Zu Beginn informierte Philip von dem Bussche die Anwesenden über den Hintergrund der Veranstaltung als Protestveranstaltung „gegen eine Planung, die wertvollen Landschaftsraum zerstört“. Bad Essen in seiner Citta-Slow-Anerkennung habe sich der Nachhaltigkeit verpflichtet, eine Ausrichtung, die durch eine Durchschneidung der wertvollen Kulturlandschaft ad absurdum geführt werden würde, hieß es.

Entlang der Alten Hunte

Mit Startpunkt auf Höhe des Hünnefelder Ruheforstes, der nur 500 Meter Abstand zur geplanten Trasse haben würde, begann die Wanderung entlang der Alten Hunte. Den Verlauf der Trasse und den Flächenverlust in der Landschaft macht Jürgen Frieler deutlich. Den exakten Verlauf der Trasse hatte er zuvor durch Markierpfähle abgesteckt. Der Flächenverlust auf Bad Essener Grund beträgt demnach 12 Hektar bei einem 25 Meter breiten Ausbau, dies erweitert sich auf 17,5 Hektar Flächenverlust bei einer angelegten Breite von etwa 35 Metern.

Am ersten Haltepunkt im „Himmelreich“ wurde deutlich, wie stark die einzelnen Durchfahrten unter der geplanten Trasse durch einen dort steigenden Quellverkehr belastet würden. Mit Blick auf die von hohem Grundwasserstand geprägte auenähnliche Landschaft südlich des Waldes „Fellage“ gab es zudem naturschutzfachliche Informationen durch Birgit ten Thoren.

Negative Folgen

Die katastrophalen Auswirkungen einer Trassenführung zerstöre nicht nur den Naturraum, sondern entspräche einer Durchschneidung und damit Entwertung von Lebensräumen bestandsbedrohter Tierarten, insbesondere Vogelarten der Roten Liste. Eine Betonbarriere würde sich auch negativ auf den Bodenwasserhaushalt auswirken, denn im südwestlichen Wald Fellage liegt die Meldelinie im Überschwemmungsgebiet der Hunte. Dies hätte negative Folgen für die Bodenwasserführung mit der Gefahr von Hochwasserereignissen.

Zahlreiche Wirtschaftswege

Weiter ging es zur Heumaschhütte. Frieler zeigte hier auf, wie wichtig die zahlreichen Wirtschaftswege in diesem Bereich sind, und dass auch die Jagd in diesem Bereich wohl beim Bau einer Trasse nicht mehr möglich wäre. Volker Schulte erläuterte verkehrstechnische Informationen: Da sich der Verkehr auf der bestehenden B 65 im Raum Bad Essen zu etwa 80 Prozent aus Ziel- und Quellverkehr für Gewerbe zusammensetzt, würde dieser Verkehr auf der alten Trasse verbleiben. Offen sei zudem die Frage, was passiere, wenn demnächst die Maut auf Bundesstraßen komme. Voraussichtlich würde dann der Durchgangsverkehr (Mautflüchtlinge) die alte B 65 verlassen. Käme es aber zu einem Neubau der B 65, würde die jetzige B 65 zu einer mautfreien Landesstraße zurückgestuft und wieder die Mautflüchtlinge anziehen. Der meiste Verkehr entsteht südlich der jetzigen Trasse und wird auch dort verbleiben. Selbst die Verkehrsprognose im Bundesverkehrswegeplan sieht nach einem Neubau weiterhin einen hohen Anteil auf der alten Trasse .

Buntes Flatterband

Die Wanderer legten schließlich an der Karlstraße in Lockhausen eine Pause ein. An der Falkenburg beim Haus Olfens hatten Thorsten Bexter und Sebastian Klostermann zwei Teleskoplader aufgebaut, die die hier geplante Brücke anschaulich mit buntem Flatterband ins Bild setzten. Auf Höhe des Landschaftsschutzgebietes Rott verwies Frieler nochmals auf den Trassenverlauf, der von hier aus direkt bis Brockhausen mit den Augen verfolgt werden konnte. Das Rott, so ten Thoren, sei eines der drei Landschaftsschutzgebiete. Es weist einen reichen Fledermausbestand auf.

Hof Ventker am Brockhauser Weg

Eine der letzten Stationen bildete der Hof Ventker am Brockhauser Weg, der einer möglichen Trassenführung zum Opfer fallen würde. Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein gemeinsames Essen im Gasthaus Tönsmeyer. Neben Informationen konnten die Teilnehmer sich dort eine Mischung heimischer Blütensamen mitnehmen, gespendet von der Naturschutzstiftung des Landkreises. Dies diente als Appell, zur Artenvielfalt in der heimischen Landschaft und im Garten beizutragen. Dank wurde Jürgen Frieler ausgesprochen, ebenso dem Organisationsteam um Birgit ten Thoren, Volker Schulte, Thorsten Bexter und Familie sowie Sebastian Klostermann.