Heiner Kamps in Lintorf Fördergeld in Sachsen für Homann-Werke?

Von Andreas Schnabel


Lintorf. Heiner Kamps höchstpersönlich verließ um 13.31 Uhr das Homann-Werk in Bad Essen-Lintorf, stieg grußlos und ohne jeden Kommentar in die bereitstehende Limousine eines Düsseldorfer Shuttle-Unternehmens und fuhr davon. Zurück bleibt eine Region, in der die vom Müller-Konzern verkündete Schließung der Homann-Standorte Dissen, Bad Essen-Lintorf, Bottrop und Floh-Seligenthal für Entsetzen gesorgt hat.

Der schillernde Unternehmer Kamps baute nach dem Verkauf seiner Bäckereikette an Barilla eine neue internationale Lebensmittelkette mit Homann und Hamker und anderen Übernahmen auf und gründete ein Gemeinschaftsunternehmen mit Theo Müller. Dessen „Müllermilch“ lenkte er von 2011 an als Geschäftsführer, 2015 wechselte er in den Aufsichtsrat. Am Freitag nun überbrachte er in Lintorf die schlechte Nachricht, dass 2020 der Schlüssel für Homann in Lintorf für immer umgedreht werden wird. Weitere Erklärungen gab es nicht. In der kommenden Woche finden weitere Gespräche zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung statt. (Liveblog zum Nachlesen: Homann schließt seine Werke in der Region)

Aufforderung ans Wirtschaftsministerium

Unterdessen hat die Landtagsabgeordnete Gerda Hövel aus Melle an Niedersachsens Wirtschaftsminister Lies geschrieben: „Ich fordere Sie auf, sich für den Erhalt dieser Arbeitsplätze in Dissen und Bad Essen stark zu machen!“

Denn die Umsiedlung der Produktionsstätten ins sächsische Leppersdorf soll angeblich von der sächsischen Landesregierung mit einem Betrag in Höhe von 25 Millionen Euro gefördert worden sein. „Sollte sich dies bewahrheiten, sehe ich hier einen Fall von Wettbewerbsverzerrung“, sagte die CDU-Landtagsabgeordnete am Freitag und fordert den Wirtschaftsminister zum Handeln auf.

In einem Schreiben an Lies fordert Hövel das Regierungsmitglied auf, über mögliche Förderungen seitens des Landes Niedersachsen nachzudenken: „Ich fordere Sie auf, sich für den Erhalt dieser Arbeitsplätze in Dissen und Bad Essen stark zu machen und alle Möglichkeiten zu ergreifen, die Standorte zu erhalten!“ Hövel will deshalb einen Gesprächstermin bei Minister Lies initiieren, um alle Möglichkeiten auszuloten. (Homann-Schließung schockt das gesamte Wittlager Land)

Betroffene brauchen Unterstützung

Hövel möchte erreichen, dass „ alle politischen Akteure im Landkreis Osnabrück zusammenarbeiten, um die Schließung doch noch zu verhindern“. Es gelte, den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter die Arme zu greifen.

Betriebsratsmitglied Marianne Freitag zeigte sich am Freitag „immer noch geschockt, überrascht und schwer enttäuscht über das, was uns am Donnerstag mitgeteilt wurde. Ich kann die Wut und die Enttäuschung vieler Kolleginnen und Kollegen verstehen. Die Schließung des Werkes in Dissen kommt total überraschend.“


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