Konzert zum Vierzigsten Happy Jazz im Bad Essener Schafstall

Von Kerstin Balks

Pflegen den Happy Jazz in Bad Essen: v. l. Eddy Horn, Dieter Litsche, Annette Ludzey von der Tourist-Info und Christian Hennig. Foto: Kerstin BalksPflegen den Happy Jazz in Bad Essen: v. l. Eddy Horn, Dieter Litsche, Annette Ludzey von der Tourist-Info und Christian Hennig. Foto: Kerstin Balks

Bad Essen. „40 Jahre und kein bisschen leise“ lautet das Motto, das sich die Happy Jazz Society zu ihrem 40-jährigem Bestehen gewählt hat. Zahlreiche Konzerte stehen bei den fröhlichen Herren im Jubiläumsjahr auf dem Programm. Den Anfang macht Bad Essen.

Dass Bad Essen die Festfolge eröffnen würde, sei Ehrensache, sagen die Herren unisono. Schließlich verbindet sie mit dem Kurort eine langjährige Beziehung: Historischer Markt und Weihnachtsmarkt wären ohne die Musik der Happy Jazz Society kaum denkbar.

Archaischer Jazz

Der Begriff Dixieland greift dabei zu kurz. „Unsere Musik bezeichnet man als ,archaischen Jazz‘, wie wir erst kürzlich gelernt haben, als wir ein Seminar zur Geschichte des Jazz besuchten“, berichtet Klarinettist Eddy Horn. „Nachdem wir zuvor 40 Jahre Musik einfach aus Spaß gemacht haben, ging es dort endlich um den Ernst der Sache“, fügt er nach einer kurzen Pause mit einem Augenzwinkern hinzu. Das Seminar in Bad Malente, so lässt sich heraushören, dürfte für die Herren der Happy Jazz Society eher eine ungewöhnliche Veranstaltung gewesen sein. Nicht, dass die umtriebigen Musiker sich und ihr Repertoire nicht ständig weiterentwickeln würden – ganz im Gegenteil. Aber ihre Reisen haben üblicherweise ein anderes Programm.

Auf hoher See

Bei mehreren RTL-Musik-Kreuzfahrten durchs westliche Mittelmeer sorgten sie für gute Laune und auf dem Mittellandkanal waren sie mit dem Riverboat Shuffle unterwegs. Vor allem aber genossen sie regelmäßig die Freiheit unter weißen Segeln, wenn sie wieder einmal auf einer Segeljacht durch die Ägäis schipperten und Einheimische wie Touristen in den Häfen der Region mit ihrem glücklichen Jazz begeisterten. Auch typisch Happy Jazz Society: Mit dem Nachtzug nach Paris zu fahren, nur um einen Tag lang in der Metro zu spielen. Ein bisschen verrückt mögen uns auch ihre Auftritte auf dem Hasefriedhof anmuten, dabei hat der Funeral Jazz, der Beerdigungs-Jazz, den sie bei den Kulturspaziergängen auf dem historischen Osnabrücker Friedhof spielen, in den amerikanischen Südstaaten eine lange Tradition.

Seit 28 Jahren im Balou

Wo ihr erster Auftritt vor Publikum stattgefunden hat, darüber sind sich die Herren nicht so ganz einig. „Auf Dieter Rauschens 40. Geburtstag“, meint Dieter Litsche, „In Münster“, hält Band-Gründer Christian Hennig dagegen. Nun, der Reihe (offenbar mehrerer) erster Auftritte folgten im Laufe der Jahre ungezählte Engagements. Im Union-Stübchen am Osnabrücker Arndtplatz gaben sie anfangs einmal monatlich ein Konzert, wobei angesichts der Größe des Lokals wenig Platz für Publikum blieb. „Es war somit unsere Probebühne“, sagt Dieter Litsche. Nach einer Zwischenstation in der Rotunde haben die Musiker seit über 28 Jahren im Balou im Osnabrücker Kolpinghaus ihre Heimstatt gefunden und konzertieren dort jeden ersten Montag im Monat mit wechselnden Supports. Auch im Blue Note sind sie gern gesehene Gäste. Dort spielen Reinhard Koy (Banjo), Eckart Ditting (Trompete), Christian Hennig (Sousaphon), Eddy Horn (Klarinette) und Dieter Litsche (Posaune) am 4. November im Blue Note ihr abschließendes Jubiläumskonzert.

Die wilden 20er

In der Osnabrücker Jazz Szene, in U-Bahnen, auf Schiffen und Friedhöfen – überall sind die „Amateure mit profihafter Einstellung“, so ihr Selbstverständnis, gut zu hören. Und demnächst also auch im Schafstall. Beim dortigen Konzert am Samstag, 1. April, um 20 Uhr wird es sogar eine Premiere geben: Der Abend steht nämlich ganz im Zeichen der 20er Jahre. Gespielt werden Jazz und Schlager jener Tage, dazu bringt Lektorin Sylke Ditting Dichtung und Prosa dieser Zeit zu Gehör. „Die wilden 20er waren eine Aufbruchzeit in der Musik und in der Literatur. Wir lieben diese Ära, als auch in Deutschland Jazz und freche Schlager Bühnen und Tanzsäle eroberten“, sagt Dieter Litsche und verspricht einen launigen Abend. Und wer die Happy Jazz Society kennt, weiß, dass er bestimmt nicht zuviel verspricht. – Karten gibt es im Vorverkauf in der Tourist-Information Bad Essen und an der Abendkasse.


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